Sie ist gerne selbständig, sie arbeitet als freie Journalistin und sie ist neu in Berlin: Simone Janson sucht ein neues Büro. Aber nicht irgendeines. "Ich brauche zwar Ruhe, aber ich möchte mich auch mal austauschen können. Am Besten mit Leuten, die etwas Ähnliches machen." Profitieren würde sie von Fotografen, die Bilder für ihre Artikel machen können und von Webdesignern, die ihr bei der Arbeit an ihrem Blog helfen. Auch freie PR-Berater, die sie bei der Vermarktung ihrer Bücher beraten, wären nicht schlecht.

Eine Bürogemeinschaft mit solchen Kollegen müsste Janson erst einmal finden. Und eigentlich möchte sie gar kein ganz festes Büro haben. Zu viele Verbindlichkeiten. Wenn die Auftragslage einmal schlecht ist, würden weiter Kosten anfallen; kurzfristig kündigen und nach ein paar Wochen wiederkommen – geht meistens nicht. Zum konzentrierten Schreiben nutzt die Buchautorin ohnehin ihr Arbeitszimmer zu Hause. Interviews und Präsentationen möchte sie gerne in professionellen Räumen machen, die sie stundenweise nutzen könnte. Und dann sollte ihr neues Büro schnell erreichbar sein, schön aussehen und über eine gute Ausstattung verfügen: Möbel, schnelles Internet, Telefon und Fax, Drucker und Kopierer, Platz für eine Ablage und es muss sicher sein. Wenn es dann noch eine Kantine oder Kneipen und Restaurants mit günstigem, gesundem Essen in der Nähe gäbe, wäre es perfekt.

Arbeitsräume, die diesen Bedürfnissen gerecht werden, gibt es. Sie sollen ein bisschen mehr bieten als bloß Raum, um zusammen zu arbeiten: Netzwerken und dabei flexibel bleiben – das ist die Idee von Coworking . Frei nach dem Motto: Individualismus ja; aber bitte mit einem Hauch von Gemeinschaft. Manche solcher Arbeits- und Lebensräume werden professionell betrieben, andere entstehen eher aus ganz persönlichen Bedürfnissen.

Simone Janson hat für ZEIT ONLINE drei Coworking-Anbieter in Berlin getestet.

Als erstes sieht sich die Freiberuflerin den wohl bekanntesten, professionellen Coworkingplace-Anbieter an, das Betahaus im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Die Büroräume befinden sich in einer ehemaligen Fabrik, die von den sechs Gründern liebevoll renoviert wurden. Mit entspannter Kaffeehaus- und konzentrierter Arbeitsatmosphäre werben die Betreiber. Seit Januar 2009 stehen den "Betahausbewohnern", wie die Mieter genannt werden, flexibel und fest nutzbare Schreibtische zur Verfügung. Das Konzept sei so erfolgreich, dass es Ableger in anderen Städten gibt, sagt Philine Bürger, die im Team des Betahaus arbeitet.

Im Haus dominiert Industrieoptik. In einem alten Apothekenschrank lagern Briefumschläge und Papier, eine alte Werkbank ist zur Kaffeeküchenzeile umfunktioniert. Die Schreibtische stehen in Räumen, die so groß wie ein halbes Fußballfeld sind. Konferenz- und Meetingräume, Kaffeeküche, eine Werkstatt sowie ein öffentliches Café mit eigenem Koch gehören auch mit dazu. In Café und Werkstatt finden Workshops, Vorträge, Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Regelmäßig gibt es Brunch und Dinerveranstaltungen. Derzeit nutzen etwa 150 Kreative das Betahaus. Platz wäre für noch mehr. Die Schreibtische sind nackt und mit roten oder grünen Punkten versehen. Ein roter Schreibtisch gehört einem, der regelmäßig kommt. Ein grüner Schreibtisch ist frei und wird nur stunden- oder tageweise benutzt. Computer, Bildschirme und Handy bringen die Kreativen selbst mit. Diejenigen, die öfter kommen, haben abschließbare Rollcontainer, die sie jeden Tag an einen anderen Schreibtisch rollen. Wer mindestens einen Monat oder länger da ist, bekommt ein Ikearegal als Ablage und Raumteiler. "Schreibtische sind immer verfügbar und auch sofort zu haben. Unsere Nutzer sind einzelne Freiberufler, aber auch einige Start-ups haben sich hier eingemietet", erklärt Philine Bürger. Abends müssen die Mieter allerdings aufräumen: Im Betahaus herrscht eine "Clean-Desk-Policy". Nur wer seinen Platz fest gemietet hat, darf seinen Bildschirm mit einem Schloss versehen auf dem Schreibtisch stehen lassen.