Berufswechsel Aus dem Kuhstall auf die Bühne
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"Man braucht eine Vision"

ZEIT ONLINE: Ist es Ihnen damals leicht gefallen, die Landwirtschaft ganz aufzugeben?

Brix: So eine Entscheidung kann einem nicht leicht fallen. Es war so, dass ich an meine Grenzen gestoßen bin. An der Niederdeutschen Bühne habe ich alles rauf und runter gespielt, parallel dazu war ich viel mit dem Musiker und dem Sozialpädagogen mit einem Einakter unterwegs. Irgendwann kam die Frage, wie man das alles noch hinbekommen soll. Ich hatte doch meine Verantwortung auf dem Hof. Und die Landwirtschaft ist ein 100-Prozent-Job. Aber wenn ich als Schauspieler Entwicklung nehmen wollte, musste ich auch da zu 100 Prozent bei der Sache sein. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder höre ich auf zu spielen oder ich lege die Verantwortung für den Hof in andere Hände.

ZEIT ONLINE: Sie wussten aber zu diesem Zeitpunkt, dass Sie mit der Schauspielerei Ihre Brötchen verdienen können? 

Brix: Es war umgekehrt. Ich musste ins Risiko gehen. Das war ja das Problem. Ich musste dafür sorgen, dass der Hof läuft. Ich brauchte jemanden, der mich auf dem Hof vertritt, in dessen Hände ich die ganze Verantwortung legen konnte. Jemanden, bei dem ich das Gefühl hatte, der will das machen und kann das machen. Schließlich fand ich einen jungen Landwirtschaftsmeister. Ab da fing ich mit 34 dort an, wo andere mit 18 beruflich starten.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie Angst, dass Sie scheitern könnten?

Brix: Das war ein großes Risiko. Mit meinem Nachfolger auf dem Hof hatte ich den Deal, dass ich nicht wieder zurückkommen würde. Zum Glück hat es ja geklappt. Im Nachhinein hat es Spaß gemacht, einfach den Reset-Knopf zu drücken. Zuerst habe ich mich mit einfachen Synchronrollen über Wasser gehalten. Ich wohnte in einem kleinen Zimmer und schlief auf einer einfachen Palette mit einer Schaumstoffmatratze darauf. Schritt für Schritt ging es voran, es war immer eine Entwicklung da.

ZEIT ONLINE: Welchen Bezug, außer ihrer Rolle in Neues aus Büttenwarder, haben sie heute noch zur Landwirtschaft?

Brix: Ich verfolge noch die Entwicklung, aber das Know-How habe ich nicht mehr. Ich bin auch immer gerne auf dem Land, aber ansonsten findet die Landwirtschaft in meinem Leben nicht mehr statt. Ich säge mir mein Holz noch selber, so ein bisschen bin ich gerne in der Natur unterwegs. Natürlich hat das nichts mit Landwirtschaft zu tun und es ist auch nicht so, dass ich sage, das möchte ich gerne noch einmal machen. "Nichts wird sein wie vorher", um ein Zitat Manfred Maurenbrecher zu verwenden, und so ist es dann auch. Ich hoffe, dass ich so lange wie möglich mit der Schauspielerei zu tun habe.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie Menschen, die völlig unzufrieden sind mit ihrem Job und eigentlich etwas ganz anderes machen möchten?

Brix: Zuallererst eine ehrliche Analyse. Einfach zu sagen: Ich bin unzufrieden in meinem Job, ich mache was anderes, reicht nicht aus. Man braucht eine Vision. Man muss irgendwas in sich haben, was man so weit ausbauen kann, dass es andere interessiert. Und wenn man dann auch noch davon leben kann, ist das ein großes Glück.

Die Fragen stellte Markus Schleufe .
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...einfach Kult !!! Brackelmann( J.Fedder) und Adsche(P.H.Brix) sind Kultfiguren im NDR !!! Wer Büttenwarder nicht kennt hat die die Welt verpennt !!! Herr Brix als Schaupieler einzigartig . ( Was natürlich auch auf Jan Fedder zutrift) Diese "Bauerschläue" Zitat "In dir arbeitet es doch schon wieder Brackelmann" . Immer überlegen unsere Freunde wie man mit wenig Arbeit zu Geld kommt. Leider klappt das meistens nicht oder das Geld wird in Lütt und Lütt angelegt. Einfach köstlich die Beiden. Hoffendlich machen Herr Brix und Herr Fedder mit den Zwei tollen Figuren noch lange , lange weiter. Sonst würde uns in Norddeutschland was fehlen !!!

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