Kanalarbeiter? Igitt. Anfangs war Martin Sanders nicht überzeugt von seinem zukünftigen Ausbildungsberuf als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, in der Branche kurz RKI-Fachkraft genannt. Tagaus, tagein durch dunkle Kanalschächte mit stinkendem Abwasser waten, so stellte sich der Jugendliche seine Arbeit vor. Mangels Alternativen trat er seine Ausbildung dennoch an. Darüber ist er mittlerweile froh. "Viele rümpfen die Nase, wenn sie hören, welchem Beruf ich nachgehe. Dabei ist die Arbeit viel besser als ihr Ruf", sagt Sanders.

Kanalarbeiter haben mit vielen Klischees zu kämpfen, sagt auch Gerhard Treutlein, Geschäftsführer beim Verband der Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen e.V. Das fängt schon mit der Vorstellung an, dass die Arbeiter in glitschigen Schächten herumkrabbeln würden. "Die Arbeiten finden die allerwenigste Zeit im Kanal statt. Die Technik ist mittlerweile so fortschrittlich, dass die meisten Arbeiten von oben ausgeführt werden können", stellt Treutlein klar. Und erklärt dann, dass die umgangssprachliche Bezeichnung Kanalarbeiter eigentlich falsch ist. "Kanalarbeiter kann alles und nichts sein. Der Beruf heißt richtig Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice."

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Die Arbeiter müssen die Dichtigkeit überprüfen, Rohre und Kanäle reinigen und reparieren. Dabei sind ihnen spezielle Maschinen, Kameras und Roboter behilflich, die in den Schacht hinab gelassen werden. Oben stehen die Arbeiter und steuern die Instrumente. "Auf Monitoren kann alles überwacht werden. Nur bei Problemen, die von oben nicht zu lösen sind, steigt die Fachkraft selbst in den Schacht hinab", sagt Treutlein.

Der Job ist eigentlich ein Hightechberuf. Entsprechend teuer ist das Equipment: Ein ganz normales Rohrreinigungsfahrzeug kostet etwa 100.000 Euro und mehr, ein Kanalreinigungsfahrzeug kann sogar 400.000 Euro kosten und ein Roboterfahrzeug ist eine halbe Million Euro wert.

Die Arbeit erfolgt nach Auftragseingang überwiegend selbstständig, ihren Tagesablauf können die Arbeiter selbst gestalten. Aber: Sie müssen im Team arbeiten können und sich natürlich mit Technik auskennen. Auch dann, wenn es mal schwierig wird. Schließlich ist nicht jeder Schacht gleich.

Die Ausbildung gilt als sehr anspruchsvoll und viele Lehrlinge bestehen sie nicht auf Anhieb. "Die Durchfallquote bei den Prüfungen liegt bei fast 50 Prozent", sagt Gerhard Treutlein. Während der Lehre lernen die Azubis zum Beispiel die technischen Abläufe genau zu kontrollieren, das Equipment zu warten und Rohrsysteme instand zu setzen. Natürlich darf auch der Umweltschutz nicht zu kurz kommen. Die Arbeiter müssen Abwässer und Rückstände umweltschonend entsorgen und müssen dafür wichtige Euro- und DIN-Normen kennen. Außerdem müssen sie mit den Kunden umgehen können. Technikfreak allein zu sein, reicht also nicht.

Trotzdem sind die Anforderungen für den Beruf nicht extrem hoch: ein guter Hauptschulabschluss reicht aus. Die Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Eine Fortbildung zum Meister ist außerdem möglich. Stellen gibt es viele, die meisten Jobs sind in der Entsorgungswirtschaft oder bei Abwasserzweckverbänden zu finden und viele sind unbesetzt, denn gerade in diesem Beruf fehlen die Fachkräfte.

Und wo ist der Haken? "Man ist bei Wind und Wetter unterwegs, auch mal nachts und an Feiertagen. Und ja, man hat es mit unangenehmen Gerüchen zu tun. Auch darf man keine Angst vor Ratten haben, aber man gewöhnt sich dran", sagt Martin Sanders. Wenn er seine Ausbildung beendet, kann er sich jedenfalls einer Festanstellung sicher sein.

  • Gehalt: 466 bis 650 Euro für Auszubildende, für ausgelernte RKI Fachkräfte liegt der Durchschnittsverdienst bei 1800 bis 2000 Euro brutto (variiert regional)
  • Ausbildung: drei Jahre, staatlich geregelt und anerkannt
  • Arbeitszeit: 38-40 Stunden pro Woche; Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit möglich