Betriebliche AltersvorsorgeSo bleibt die Betriebsrente vor dem Fiskus sicher

Betrieblich Altersvorsorge lohnt sich auch, wenn man oft den Job wechselt. Doch die Finanzbehörden legen neuerdings viele Steuervorteile eng aus. Was zu beachten ist. von Bernhard Lindgens

Wer glaubt, die Betriebsrente sei ein Auslaufmodell, irrt. Schon vor 35 Jahren wurde die betriebliche Altersversorgung (baV) als zweite Säule der Alterssicherung geschaffen – und sie ist angesichts sinkender Erwartungen an die gesetzliche Rente auch bei kleinen Unternehmen attraktiv.

Allerdings gibt es zahlreiche Punkte zu beachten, vor allem, wenn es um die Besteuerung geht. Denn auf die Einkünfte aus der Betriebsrente müssen Steuern bezahlt werden. Weil der individuelle Einkommensteuertarif in der Rentenphase aber üblicherweise geringer als während des Berufslebens ist, gibt es dennoch Steuervorteile.

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So wurden die rein arbeitgeberfinanzierten Beiträge jährlich bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuer- und sozialversicherungsbefreit. Für das Jahr 2010 ergibt sich daraus ein begünstigter Jahresbetrag von 2640 Euro. Immerhin. Dies gilt jedoch nur für Verträge, die nach 2004 abgeschlossen wurden. Zusätzlich können weitere 1800 Euro lohnsteuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig vom Arbeitgeber geleistet werden. Auch nicht schlecht.

Doch auch hier gibt es einen kleinen Haken: In den Genuss dieser Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit kommen Arbeitnehmer indes nur, wenn die Leistungen mindestens ein sogenanntes biometrisches Risiko (Alter, Tod, Invalidität) absichern.

Und der Gesetzgeber akzeptiert auch nur einige Auszahlungsformen, beispielsweise eine lebenslange Rente, einen Auszahlungsplan mit Restkapitalverrentung, ratenweise Auszahlung oder Einmalkapitalauszahlung. Auf Ablehnung stoßen bei den Finanzbehörden Vereinbarungen, nach denen Arbeitslohn gutgeschrieben und ohne Abdeckung eines biometrischen Risikos bei Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis zur Auszahlung kommt.

Nicht zuletzt muss im Rahmen der Vertragsgestaltung auch die zulässige Untergrenze beachtet werden: Lediglich in Ausnahmefällen dürfen die Leistungen nämlich vor dem 60. Lebensjahr gewährt werden. Für nach dem 31. Dezember 2011 erteilte Versorgungszusagen hat das "RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz" diese Grenze sogar auf das 62. Lebensjahr hoch gesetzt.

Und was passiert, wenn man eine Betriebsrente hat – aber den Job verliert oder wechselt? Da eine lebenslange Tätigkeit bei nur einem Arbeitgeber heutzutage eher die Ausnahme darstellt, hat der Gesetzgeber diese Arbeitsmarktentwicklung bei der Neuregelung der betrieblichen Altersvorsorge vorsorglich berücksichtigt. Bei einem Jobwechsel ist der neue Arbeitgeber nunmehr verpflichtet, einen bestehenden Versicherungsvertrag ohne Zusatzkosten zu übernehmen.

Gabriele Radl, Expertin für betriebliche Altersvorsorge der F:GR-Finanzberatung in Oberursel rät zudem, die Beiträge bestehender Versicherungsverträge selbst in Zeiten vorübergehender Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit, soweit dies finanziell verkraftbar ist, aus eigener Tasche weiterzuzahlen: "Bei vor 2005 abgeschlossenen Altverträgen ist das besonders lukrativ, obwohl während deren Ansparphase keine Steuerbefreiung gewährt wird. Dafür brauchen die späteren Renten- oder Kapitalauszahlungen nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben werden." Und sogar vermögenswirksame Leistungen können in einer betrieblichen Altersvorsorge angespart werden – nämlich bis zu einem monatlichen Betrag von 40 Euro. 

(Zuerst erschienen im Handelsblatt)

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Leserkommentare
  1. Wer in der Arbeitszeit mit seinem Arbeitgeber eine Kapitalleistung zur betrieblichen Altersversorgung (Gruppenversicherung) abgeschlossen und diese zu Rentenbeginn erhält, muss für diese Leistung Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. So hat es der Gesetzgeber (Rot-, Grüne- Regierung) 2004 bestimmt (siehe auch §229 SGB V). Es spielt keine Rolle wann der Vertrag abgeschlossen wurde (kein Bestandsschutz!), oder ob in der Arbeitsphase schon die Höchstbeträge lt. Beitragsbemessungsgrenze gezahlt wurden, man muss zahlen.
    Das Bundesverfassungsgericht hat alle Einsprüche über das Sozialgericht abgewiesen (Aktenzeichen 1BvR 1924/07, 1BvR 739 und 1660/08, Pressemitteilung Nr. 94/2010 vom 15.10.2010) und diese Urteile auch bestätigt. Hunderte Einsprüche beweisen wie unsozial diesesGesetz ist!
    Die Beiträge sind je nach Rentenhöhe 10 Jahre zu zahlen. Dies kann einen Aufwand von 20.-€ bis 150.-€ und mehr pro Monat ergeben! Das entspricht ca. 9 bis 25% der Versicherungssumme. Warum soll man da noch vorsorgen? Auch die Aussagen, jeder Bürger sollte zukünftig mehr privat für seine Rente vorsorgen, ist schlecht beraten. Und wie steht es mit den anderen Renten- bzw. Lebensversicherungen (Riester!) – wie werden diese nach Ende der Laufzeit veranlagt?
    Die gesamten Parteien wurden mehrmals angeschrieben, haben aber bisher kein Stellungname abgegeben! Gleiches gilt für den DGB + IG-Metall, die Betriebsräte wissen oft nicht Bescheid.

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  • Schlagworte Altersvorsorge | Altersversorgung | Arbeitgeber | Betriebsrente | Euro | Rente
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