Große Konzerne setzen bei der Finanzierung ihrer Betriebsrenten auf Sicherheit und betrauen damit zunehmend Vermögensverwalter und Versicherer. Das Geschäft hat Potenzial; schließlich sorgen viele Arbeitnehmer noch nicht über den Betrieb vor. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Towers Watson (TP) schauen Altersvorsorge-Experten in Firmen intensiver auf Risiken in ihren Pensionsplänen. Zwei Trends sind erkennbar: Die Firmen streben eine stetige Verzinsung an und meiden schwankungsanfällige Anlagen wie Aktien.

"Das Risikobewusstsein hat sich durch die Krise erhöht", sagt Nigel Cresswell, Leiter Investment Consulting bei TW. Firmen betrachteten die Risiken, die aus ihren Pensionsplänen resultieren, nun stärker sowohl unter Vermögens- als auch unter Verpflichtungsaspekten, sagt er. Früher hätten viele vor allem auf die Risiken der Vermögensseite geschaut, um Verluste zu vermeiden. Jetzt versuchen sie auch die Zahlungsverpflichtungen besser zu steuern. Mit speziellen Risikokennzahlen ermitteln sie, wie sie investieren und welche Risiken sie absichern wollen. Laut TW sorgen sich die Firmen vor allem um Währungs-, Zinsänderungs- und Inflationsrisiken. Schließlich haben die Risiken, die in der Finanzierung der Betriebsrente stecken, erheblichen Einfluss auf Bilanz und Bonität.

Die Studie erfasst knapp die Hälfte aller aus den Bilanzen von Dax-Firmen ausgelagerten Vermögen im Umfang von nahezu 70 Milliarden Euro. Das Pensionsvermögen wie hier in Pensionsfonds oder Treuhandgesellschaften auszulagern sind mögliche Wege zur Finanzierung von Betriebrenten. Die meisten Firmen in Deutschland finanzieren Betriebsrenten allerdings noch intern über Pensionsrückstellungen. Zudem gibt es in Deutschland noch Direktversicherungen, Pensions- oder Unterstützungskassen.

Ihr Pensionsvermögen legen die Firmen sicherer an – weniger Aktien, dafür mehr Bargeld. Die Bargeldquote wurde im Mittel auf acht Prozent verdoppelt. "Große Firmen haben Liquidität aufgebaut, um wieder zu investieren, wenn sich die Märkte normalisiert haben", sagt Cresswell.

Von diesem Trend profitieren große Anbieter. "Der Trend zur Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen wurde durch die Krise verstärkt", sagt Michael Hessling, der im Vorstand der Allianz Lebensversicherungs AG das Firmenkundengeschäft verantwortet. Unternehmen aller Größen dächten über eine Neuausrichtung ihres Vermögens für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) nach, sagt er. 2009 sammelte Allianz Leben im Firmengeschäft Einmalbeiträge von knapp drei Milliarden Euro ein. Die Allianz sieht sich als Marktführer im Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge. Auf ihren Fersen folgen Anbieter wie R+V und Generali.

Der Markt ist lukrativ. In Deutschland stecken laut Allianz 1,14 Billionen Euro an Altersvorsorgevermögen in den betrieblichen Varianten. Nach offiziellen Angaben haben 17,5 Millionen Arbeitnehmer Anspruch auf eine Zusatzrente, das sind knapp zwei Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Land. Das bAV-Vermögen dürfte bis 2020 auf 1,73 Billionen steigen.

Dabei wissen viele noch nicht einmal, dass sie einen Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge haben: Knapp 40 Prozent der Deutschen beklagen, von ihrem Arbeitgeber kein Angebot zu erhalten. Dies ergibt eine Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hannoverschen Leben. Davon wiederum wissen die meisten nicht, dass überhaupt ein Anspruch besteht. Denn der Arbeitgeber muss mindestens eine Direktversicherung anbieten.

Eine weitere Erkenntnis, die das Potenzial im Geschäft mit der Altersvorsorge belegt: "Für den Durchschnittsbürger ist die Vorstellung relativ neu, dass er für ein angemessenes Auskommen im Alter selbst ansparen muss", sagt Renate Finke, Altersvorsorge-Analystin der Allianz. "Sechs bis zehn Prozent des Einkommens müssten gespart werden, um die Rentenlücke zu schließen."

(Zuerst erschienen im Handelsblatt)