E-Learning Fortbildung via Intranet
Mitarbeiter mit E-Learning zu schulen, setzt sich in immer mehr Unternehmen durch. Der Einsatz von Wikis, Blogs und Podcasts spart häufig sogar Geld, kostet aber Zeit.
Für die Mitarbeiter der Gothaer Versicherungen ist ihr "Bildungscockpit" zu einem völlig vertrauten Bereich geworden, wann immer es um Qualifizierung geht: Die Mitarbeiter haben jeweils einen personalisierten Bereich im Intranet. Dort kann sich jeder Mitarbeiter anmelden und Bildungsangebote "zusammenklicken" und beispielsweise auch externe Schulungen der eigenen Bildungshistorie hinzufügen. Ein Blog mit tagesaktuellen Praxistipps fördert den Austausch der Schulungsverantwortlichen. "Einheiten, die in Sachen Qualifizierung weitgehend getrennt von voneinander agierten, lernen nun voneinander und tauschen sich über gemeinsame Standards und Best Practices aus", sagt Lorenz Hucke, Verantwortlicher für Bildungstechnologien bei der Versicherung.
Aufgebaut hat das Bildungssystem eine Karlsruher Softwarefirma time4you GmbH. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der sinnhaften Ergänzung von Präsenz- und E-Learning-Elementen und einer guten Kommunikationsstrategie, sagt Christina Neuhoff, Leitung Sales bei time4you.
Wer über den Einsatz von E-Learning-Lösungen nachdenkt, sollte strukturiert vorgehen, rät Marianne Schefczik-Dippel, Vorstand der Firma eBildung. Vorneweg gelte: "Je mehr sich die Planung der E-Learning-Lösung an den Inhalten und Zielen der Weiterbildung orientiert, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit." Die Technik müsse benutzerfreundlich sein und funktionieren, ansonsten hat sie in den Hintergrund zu treten. Die Lernenden sollten weiterhin die Möglichkeit haben, "konventionell zu lernen", also beispielsweise Inhalte zu drucken, sagt Schefczik-Dippel. Und die Entscheider sollten im Vorfeld ein E-Learning-Seminar belegen und eigene Erfahrungen sammeln. "Wenig zielführend ist es, umfangreiche Kriterienkataloge aus E-Learning-Ratgebern nach dem Motto 'Viel hilft viel' abzuschreiben", empfiehlt die Expertin.
In Ländern wie den USA, aber auch in Großbritannien und Frankreich, ist E-Learning bereits ein fester Bestandteil im beruflichen Lernprozess. Hierzulande stehen viele Personaler der Lernform noch skeptisch gegenüber, sagt Hartmut Jöhnk. Er ist Geschäftsführer bei Cegos Deutschland, einem führenden Unternehmen in den Bereichen Kompetenzentwicklung und globales Lernen. "Es gibt in den Human Resource-Bereichen noch zu wenig Erfahrung damit, wie E-Learning sinnvoll mit Lerneinheiten kombiniert wird, die ein Trainer in der Präsenzveranstaltung durchführt", sagt Jöhnk. "Dieses sogenannte Blended Learning bringt die größten Lernerfolge, und Unternehmen sparen Kosten."
Jöhnks Empfehlung: "Im Zeitalter von Internet und Multimedia sollten Unternehmen nicht ausgerechnet bei der Qualifizierung an althergebrachten Methoden festhalten. Es ist viel effektiver, neue Technologien zu nutzen, um flexibel auf Bedarf, Zeitplanung und Aufnahmefähigkeit des einzelnen Mitarbeiters einzugehen." Viele der jüngeren Arbeitnehmer und Führungskräfte im Alter von bis zu 40 Jahren sind mit dem Computer aufgewachsen. "Für sie stellt das Blended Learning die ideale Lernform dar. Zum einen können sie das Gelernte direkt am Arbeitsplatz und in der gewohnten Atmosphäre in die Praxis umsetzen. Zum anderen kann jeder individuell und im eigenen Tempo lernen, wenn es in seinen Tagesrhythmus passt." Und nicht zuletzt sei der Einzelne räumlich unabhängiger.
Immer populärer werden bei diesem E-Learning Web-2.0-Anwendungen. Solche interaktiven Lösungen, bei denen die Benutzer selbst Inhalte produzieren und sich austauschen, eignen sich zwar meist nicht für Schulungen und Trainings, es lohnt sich aber über ihren Einsatz nachzudenken. Das bekannteste Beispiel sind Wikis. Wie beim Vorbild Wikipedia arbeitet eine ganze Gruppe von Autoren an einer Wissensplattform. Mitarbeiter und Abteilungen können sich austauschen, erstellen Dokumentationen, schreiben Erfahrungen nieder und halten das Wissen im Unternehmen, selbst wenn Mitarbeiter ausscheiden. Der Reiz am Wiki: Der Wissensspeicher ist immer in Bewegung. "Jeder kann daran arbeiten und zum Beispiel die Dokumentationen aktualisieren und verbessern", sagt Medienwissenschaftler Thomas Bernhardt. Er schreibt zusammen mit Marcel Kirchner das Blog E-Learning 2.0. Die Medienwissenschaftler haben den Einsatz von Web-2.0-Applikationen im E-Learning untersucht. Ein Ergebnis: Interaktivität kann eine Option sein, muss aber von den Mitarbeitern akzeptiert und gelebt werden.
"Es hängt vom Alter der Beteiligten ab", sagt Thomas Bernhardt. Bei jüngeren Mitarbeitern, die eine hohe Affinität zum Internet haben, ist die Bereitschaft höher. "Wer noch seine E-Mails auf Papier ausdruckt, den erreicht man schwer."
Gerade die Neugierde auf neue Abläufe kann im Unternehmen zu viel größeren Lernerfolgen führen. "Die Mitarbeiter setzen sich mit den Themen ganz anders auseinander, das führt zu einer Vertiefung und schließlich zu einer besseren Verarbeitung." Aber: Man muss im Unternehmen überlegen, welchen Anreiz die Mitarbeiter bekommen. Die Weiterentwicklung des Wikis müsse honoriert werden.
Zum Nulltarif gibt es diese Form des E-Learnings natürlich nicht. "Auf einigen Produktionsebenen lassen sich sicherlich Kosten einsparen", sagt Bernhardt. "Aber auch die Pflege eines Wikis kostet Zeit. Man muss es anfüttern und kann nicht einfach den Mitarbeitern sagen: Macht mal!" Es brauche einen Grundstock an Informationen und einen Beauftragten, damit das Zusammentragen von Wissen in ordentlichen Bahnen läuft. "Die entscheidende Frage ist: Wie bringe ich das in die Unternehmenskultur hinein?" Und natürlich ist ein Wiki nur eine der möglichen Web-2.0-Anwendungen. Der Download von Dokumentationen und Tutorials sowie Video-Podcasts sind weitere Optionen.
(Zuerst erschienen im Handelsblatt)
- Datum 10.09.2010 - 08:35 Uhr
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Wie weit wir mit dem E-Learning sind, zeigt der Einsatz interaktiver Medien in der Softwareschulung.
Längst ist es einfach geworden, neue Softwarefunktionen oder Abläufe im Intranet mit Tools wie Adobe Captivate in Lerneinheiten zusammenzufassen. Das kostet - im Gegensatz zu den nicht-IT-bezogenen Themen - noch nicht mal so viel Arbeit und Geld.
Aber wer macht das denn dann? IT-Leute tragen in vielen Unternehmen noch das Herrschaftswissen mit sich herum, im Zweifelsfall die Anwender mit Häppchen abzuspeisen um ihre Position zu sichern. Der Rest kennt die Funktionen der Programme entweder nicht, oder hat kein Wissen / Ressourcen, das Ganze in E-Learning umzusetzen.
Und die Spezialsoftware-Unternehmen scheuen davor zurück, sich den eigenen Beratungs- und Schulungsmarkt zu ruinieren, mit dem sie immer wieder mal neue Aufträge generieren.
So scheitert e-Learning bei den allermeisten Unternehmen selbst da, wo der Erfolg am schnellsten messbar wäre, nämlich bei der Softwareschulung.
Da bleiben dann nur schmale Nischen für Unternehmen wie http://lernfilme.com deren Ansatz ich für sehr gut halte.
Beispiel: http://lernfilme.com/help...
In Deutschland ist eLearning mittlerweile recht weit verbreitet. Diese Thematik wird lediglich nicht so bekannt vermarktet wie andere Themen.
Große Unternehmen lehren Ihre Mitarbeiter seit Jahren über eLearnings oder Blended Learnings (eine durchdachte Mischung aus Live Training und eLearning), um Ihren Mitarbeitern bestes Fachwissen in verschiedenen Bereichen (Produktschulungen, Software, Verhalten, Sprachen, etc.)zu vermitteln.
Hier ist es wichtig Akzeptanz in den Firmen und bei den Mitarbeitern zu schaffen und eine didaktisch sinnvolle Lernstruktur aufzubauen. So wird der Lernerfolg messbar und die Mitarbeiter oder auch Führungskräfte stetig an neues Wissen heran geführt.
Einige Unternehmen bieten diese sinnvolle Lösung bereits als "Rund um Paket" an wie zum Beispiel die ILT Solutions GmbH in Köln, welche sich seit rund 15 Jahren mit dem Thema auseinander setzt und bereits viel Erfahrung in diesem Bereich mitbringt.
Das umfangreiche Produktportfolio wird auf der Internetseite www.ilt-solutions.de dargestellt und mit namhaften Referenzen belegt.
Der Grund warum seit einigen Jahren die E-Leaning Branche auf blended Learning orientiert ist das Scheitern des E-Learnings. In Deutschland gab es vor einigen Jahren einen E-Learning-Hype und wie bei jedem Hype haben dann viele Leute Alles versprochen. Sicher, das Screencapturen ist so einfach wie nie, aber ein Bildungsmassnahmen, zu der ich E-Learning zähle, ist weit mehr. Es gibt sogar Studiengänge, nämlich Pädagogik und auch Praktiker: Lehrer. E-Learning rein auf die Technik zu reduzieren ist falsch. Auch gibt es kaum Kosten-Nutzen-Rechnungen im Bereich E-Learning und wenn sind sie zumeist fragwürdig aber es gibt beliebige Versprechen. Und der Einsatz von E-Learning in den USA (z.B. US Armee) unterscheidet sich radikal von den Ansätzen die hier verkauft werden. E-Learning muss wie jede Methode Ziel und Zielgruppen-spezifisch eingesetzt werden. Das was hier präsentiert wurde ist eine Insellösung, bei der der Erfolg und die Nachhaltigkeit unklar ist. Damit hätten wir die meisten Probleme des E-Learnings: Kosten, Nutzen, Nachhaltigkeit, Verbreitung, Akzeptanz, Mängel in der Konzeption und Umsetzung. Mich würde mal ein zweiter Artikel in 1,5 Jahren zu diesem Fall interessieren. Interessant wäre auch ein Artikel zu den Spielarten des E-Learnings anhand von Beispielen, z.B. Game based Learning.
Die Bemerkung das die Wartung von Web 2.0 Content Zeit kostet ist trivial aber das spricht dafür, das ein Theoretiker ein ganz tolles Web 2.0 E-Learning veranstaltet hat (siehe oben).
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