Erfülle ich die Voraussetzungen einer ausgeschriebenen Stelle, bekomme sie aber nicht, möchte ich gern wissen, ob ein anderer Bewerber den Zuschlag bekommen hat. Und nach welchen Kriterien diese Entscheidung getroffen wurde. Habe ich als Bewerber auf diese Informationen einen Anspruch?, fragt Yasemin Lautermann

Sehr geehrte Frau Lautermann,

Sie spielen sicherlich auf den Fall einer Frau an, die sich 2006 auf die ausgeschriebene Stelle eines Softwareentwicklers erfolglos beworben hatte. Die Klägerin erhielt zwar eine Absage, erfuhr allerdings nicht, ob der Betrieb einen anderen Bewerber eingestellt hatte und welche Kriterien für die Entscheidung maßgeblich waren.

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Die Frau behauptete, sie erfülle die Voraussetzung für die ausgeschriebene Position. Aber aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters und ihrer Herkunft sei sie nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Dies sei ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Die Bewerberin verlangte von dem Unternehmen eine angemessene finanzielle Entschädigung und zog vor Gericht.

Sowohl das Arbeitsgericht als auch das Landesarbeitsgericht wiesen die Klage ab, weil sie einen Auskunftsanspruch für nicht begründet hielten. Die Richter des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) vertraten die Auffassung, dass die Klägerin keine ausreichenden Indizien anführen konnte, die eine Benachteiligung im Sinne des AGG vermuten lassen würden. Die Frau habe keinen Anspruch auf Auskunft. Ob der Sachverhalt den einschlägigen Antidiskriminierungsrichtlinien des Gemeinschaftsrechts entsprach, durfte das Bundesarbeitsgericht nicht entscheiden. Deshalb legte es die Frage dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. Dieses hat über den Fall noch nicht entschieden.

Generell gilt aber, dass der Nachteil klar bewiesen werden muss. Zur Verdeutlichung nenne ich ein Beispiel: Erhält ein Muslim eine Absage auf eine ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen entscheidet sich für einen Bewerber katholischen Glaubens, liegt keine Benachteiligung im Sinne des AGG vor. Ein Nachteil würde vorliegen, wenn der Betrieb entweder in seiner Stellenanzeige konkret ausschließlich nach Bewerbern einer bestimmten Glaubensrichtung sucht oder wenn das Unternehmen generell nur Muslime einstellen würde.