Die faustgroßen Holzstücke wirken auf den ersten Blick wie jedes andere Stück Holz auch. Und doch sind sie anders. Die Besonderheit des Bruyére-Holzes, so nennt man die hölzernen Knollen eines Strauches, der in den felsigen Regionen entlang der Mittelmeerküste wächst, verbirgt sich im Inneren. Sie wird erst sichtbar, wenn das Holz von Karl-Heinz Joura angeschliffen wurde: eine besonders enge, schöne Maserung.

Karl-Heinz Joura ist Pfeifenbauer und immer auf der Suche nach ganz besonders gemaserten Hölzern. Nach der Maserung richtet sich nämlich der Preis für eine Pfeife. Eng gemaserte Hölzer werden in der Branche als "lupenrein" bezeichnet. Joura nennt sie "hölzerne Goldstücke". Einmal hat ihm ein solches 12.000 Euro eingebracht. "So eine schöne Maserung habe ich noch nie zuvor gehabt. In zehn Jahren findet man vielleicht ein- oder zweimal so ein schönes Stück Holz", sagt Joura. Die Pfeifen, die er in seiner Werkstatt in Bremen fertigt , sind sogar im Ausland bekannt.

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Wenn Joura das Holzstück mit einem Anschliff geprüft hat, arbeitet er mit der Säge die grobe Form so heraus, dass die natürlichen Muster im Holz senkrecht nach unten verlaufen. Meist zeigt sich erst jetzt, ob es "große Fehler" im Holz gibt: Einschlüssen, kleinen Steinchen, Risse. "Es ist viel Abfall dabei. Auf ein lupenreines Stück kommen ungefähr drei aussortierte", sagt der Pfeifenmacher. Er kauft das Holz für etwa 80 Euro pro Stück – ein teurer Ausschuss.

Wenn er Glück hat, kann er weiterarbeiten – und den Pfeifenkopf erstellen. Joura schnitzt nicht etwa die richtige Form aus dem Holz, sondern feilt und schleift sie heraus. Anschließend setzt er mit dem Bohrer den Rauchkanal und fräst die Kammer für den Tabak heraus. Schließlich färbt und poliert er das Holz. Dabei kommt die Schönheit der Maserung richtig zur Geltung. Nun ist das Mundstück dran: Es besteht aus Parakautschuk und ist besonders wichtig für die Qualität der Pfeife.

"Das Mundstück muss dünn genug sein. Wenn es das nicht ist, rinnt zu viel Speichel in die Pfeife, der Raucher raucht zu feucht", sagt Joura. Und das Rauchinstrument soll nicht nur schön aussehen, den Kunden kommt es auf den Geschmack an. Ja richtig, Pfeifen können unterschiedlich schmecken. "Durch das Holz und die Qualität der Verarbeitung kommt der Geschmack zustande", erklärt Joura. Eigentlich ist das Bruyére-Holz völlig geschmacksneutral. Erst nach etwa zwei Jahren, sofern der gleiche Tabak geraucht wird, speichert das Holz nach und nach die Aromastoffe. Dann schmeckt auch der Tabak intensiver . Eine weitere Besonderheit ist die Härte und somit Haltbarkeit des Holzes. "Bruyére-Holz kann sehr hohe Temperaturen aushalten, bei denen schon Buntmetall schmilzt", erklärt Karl-Heinz Joura.

Heutzutage werden die meisten Pfeifen maschinell hergestellt, nur ein kleiner Teil wird noch von Hand gebaut. Entsprechend wenige Pfeifenmacher gibt es in Deutschland, die selbstständig und hauptberuflich arbeiten.