Sozialwirt Vom Pfleger zum Manager

Auch soziale Einrichtungen müssen gemanagt werden. Viele Menschen in sozialen Berufen lassen sich zum Sozialwirt weiterbilden. Ihre Jobchancen im Beruf der Woche

Christian Mühlhoff ist überrascht, als er von seinem Chef ins Büro gebeten wird. Der Erzieher arbeitet seit mehreren Jahren in einem Heim für geistig behinderte Kinder. Ob er sich schon einmal Gedanken über seine Zukunft gemacht habe, fragt ihn der Chef.

Mühlhoff zuckt mit den Schultern. Sein Job macht ihm Spaß, einen Arbeitsplatzwechsel strebt er nicht an. Ob er sich denn vorstellen könne, einmal die Leitung des Heimes zu übernehmen, fährt sein Chef fort. Mühlhoff überlegt kurz. Er sei ein aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge, erklärt der Chef. Einzige Bedingung: Er benötigt eine Fortbildung zum Sozialwirt.

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Ein Sozialwirt?

"Im Grunde genommen sind Sozialwirte für alle Aufgaben verantwortlich, bei denen sowohl ein sozialer als auch betriebswirtschaftlicher Background nötig ist. Darunter fallen beispielsweise Fragen und Aufgaben der Personalplanung und -betreuung, administrative und organisatorische Aufgaben sowie Buchführung. Außerdem sind sie für Marketing, Qualitätsmanagement und Fundraising zuständig", sagt Johanna Bargsten. Sie ist Sozialwirtin und arbeitet als Bildungsmanagerin an der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen.

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Sozialwirte sind also so etwas wie die Manager von sozialen Einrichtungen. Für diese Arbeit brauchen sie letztlich das, was jede Führungskraft benötigt: Verständnis für Organisationsformen und Hierarchien, Kommunikationsfähigkeit, Organisations- und Teamfähigkeit und Stressresistenz. Und natürlich kaufmännische Kenntnisse, sagt Bargsten.

Das Tätigkeitsfeld ist groß. Sozialwirte übernehmen zumeist Führungspositionen in sozialen Einrichtungen: Krankenhäuser, Sozialverbände, Behinderteneinrichtungen, Kinder- und Altenpflegeheime , psychiatrische Einrichtungen, Jugendhilfsorganisationen oder Sozialstationen. Oft finden die Fachkräfte auch im Bildungsbereich, etwa an Schulen oder Universitäten eine Beschäftigung. Andere Sozialwirte arbeiten selbstständig, beispielsweise im Bereich Personal- und Unternehmensberatung .

Das nötige Wissen erlangen angehende Sozialwirte, auch Sozialökonomen genannt, durch Weiterbildungen oder ein Studium der Sozialökonomie oder Sozialwirtschaft. Wer wie Christian Mühlhoff bereits einen sozialen Beruf hat, kann eine entsprechende Weiterbildung besuchen oder ein nebenberufliches Studium aufnehmen. Je nach Ausrichtung des Studiengangs stehen oft unterschiedliche Schwerpunkte im Vordergrund. Zu den grundsätzlichen Inhalten gehören die Fächer Soziologie, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, Recht und Mathematik – insbesondere Statistik. Die meisten Studierenden spezialisieren sich später auf einen zusätzlichen Fachbereich, etwa Pädagogik oder Staatsrecht. Das Studium wird mit dem Titel Sozialwirt/in Bachelor of Arts abgeschlossen. Nach erfolgreichem Abschluss ist zudem ein Masterstudium möglich.

Das Studium gilt als anspruchsvoll. "Besonders Statistik hat es in sich", sagt Bargsten.

Und wie sind die Berufsaussichten für Sozialwirte? "Sehr gut, weil das Beschäftigungsfeld so groß ist", erklärt die Sozialwirtin. Zudem werden Fachkräfte gesucht . Das bestätigt auch Christian Mühlhoff, der seine Weiterbildung zum Sozialwirt mittlerweile fast abgeschlossen hat. "Viele machen die Weiterbildung so wie ich mit der konkreten Aussicht, einmal eine Führungsposition in einer sozialen Einrichtung übernehmen zu können."

  • Gehalt: variiert, je nach Beschäftigung
  • Ausbildung: Studium, oder Weiterbildung
  • Arbeitszeit: variiert, je nach Beschäftigung
 
Leser-Kommentare
  1. Ein sehr optimistisch geschriebener Artikel.
    Ich bin selbst Sozialwirtin (Bachelor of Arts) und das alles ist bei Weitem nicht so rosig wie es überall suggeriert wird. Professoren, Autoren, ... alle reden von besten Berufschancen. Man fragt sich jedoch wo diese sein sollen?
    1. hat man als "ungelernte Kraft", also als Student ohne vorherige einschlägige Berufsausbildung bereits um ein Vielfaches schlechtere Einstiegschancen
    2. scheint es dem Arbeitsmarkt noch nicht "schlecht genug" gehen, denn sonst würde man wagen auch Akademiker ohne langjährige Berufserfahrung einzustellen. Wir sind jung und arbeite uns rasch ein...wir lernen gern und schnell!
    3. liegt außerdem noch die Unsicherheit des Bachelors in der Luft
    4. werden (vom eigenen Gefühl ausgehend) lieber BWL-Absolventen eingestellt. Als Sozialwirt ist man kein Sozialarbeiter und kein Betriebswirt. Und selbst in sozialen Einrichtungen ist der Abschluss "Sozialwirt" noch weitgehend unbekannt (unglaublich, aber wahr).

    Wenn ich heute zurückblicke, wer meiner Kommilitonen einen adäquaten Job erhalten hat, dann ist es erschreckend. Die meisten arbeiten "fachfremd" - das sagt doch schon alles.

    Hoffen wir darauf, dass alles besser wird.

  2. 2. Gehalt

    Zum Gehalt kann man folgendes sagen:
    In der Industrie wird gut bezahlt, bei allen sozialen Einrichtungen frägt man sich, warum man studiert hat.

  3. "Das Studium gilt als anspruchsvoll. "Besonders Statistik hat es in sich", sagt Bargsten."

    Bei uns wurde Statistik gestrichen, und das Studium ist eher als Teilzeitstudium anzusehen. Man lernt vieles, aber nichts richtig.

    mfg, Sozialwirt in spe...

  4. ...den eigenen Studiengang und die eigenen Fähigkeiten schlecht zu reden, so wie die Kommentatoren vor mir. Kein Medizinstudent, BWL-Student usw. macht sowas. Klar, dass so auch das Gegenüber von der Unfähigkeit des Sozialwirtes überzeugt wird, wenn der selbst nicht an sich glaubt.

    Es gibt durchaus interessante Berufsperspektiven (Versicherung,Unternehmensberatung, Pharma, Unternehmensberatung,...)neben den klassischen Berufsfeldern. Es kommt allerdings immer darauf an, was der Einzelne aus seinem Studium macht, denn hinterhergeschmissen werden einem attraktive Angebote sicher nicht.

    Dass die Berufe im sozialen Bereich vergleichsweise schlecht bezahlt sind, ist kein Fehler des Studiengangs, sondern einer unserer Gesellschaft, der andere Berufe einfach mehr wert sind.

  5. Ich stimme der letzten Meinung vollkommen zu. Ich denke auch dass man sich als Sozialwirt nicht verstecken muss vor den Professionen Betriebswirtschaft und Sozialpädagogik.

    Gerade in sozialen Einrichtungen ist es häufig im Moment noch so, dass Betriebswirte die Geschäftsführer und die Heimleitungen Sozialpädagogen sind. Man merkt hier allerdings deutlich, dass diese Professionsunterschiede gewaltig sind und teilweise unvereinbare Ansichten bestehen. Der Sozialwirt kann diese Barriere durchbrechen indem er in beiden Welten denken kann.

    Heutzutage ist es doch so, dass Leistung und Entgelt/Finanzierung von sozialen Einrichtungen nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden können.
    Der Sozialwirt bietet hier aus meiner Sicht die idealen Voraussetzungen sich sowohl in der Leistungserbringung als auch in Entgelten/Finanzierung auszukennen.

    Ich sehe deshalb die Zukunft für Sozialwirte sehr positiv. Soziale Einrichtungen werden zunehmend erkennen, dass es besser ist Sozialwirte in Leitungspositionen einzustellen als reine Betriebswirte oder Sozialpädagogen.

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