Selbstinszenierung Der Manager als Marke
Wer als Manager Erfolg haben will, muss sich genauso inszenieren wie seine Produkte. Unternehmer wie Steve Jobs machen es vor. Deutsche Chefs sind noch zu langweilig.
© Justin Sullivan/Getty Images

Der Apple-Chef Steve Jobs bei einer Produktpräsentation
Marijn Dekkers hat in der zweiten Bundesliga Tennis gespielt, er war Chef eines großen Konzerns in den USA, ist seit nunmehr zwei Wochen Vorstandsvorsitzender beim Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer – und dennoch hat Dekkers ein Problem: Er ist zu unbekannt. Gerade erst haben sie das in Leverkusen festgestellt. Eine Werbeagentur hatte vor den Werkstoren das Konterfei des Holländers herumgereicht und Bayer-Arbeiter gefragt, ob sie den Mann kennen. Ergebnis: Viele mussten passen.
Das ist für Dekkers ein Problem: Der Vorstandschef steht vor schwierigen Entscheidungen, er will umstrukturieren, seinen Konzern verschlanken. "Das geht aber nur dann geräuschlos, wenn seine Mitarbeiter ihm vertrauen und ihn als Orientierungspunkt anerkennen", sagt der Düsseldorfer Werber Frank Dopheide. Die Grundvoraussetzung dafür: Bekanntheit.
Denn dem Vorstand geht es wie jedem normalen Jogurt: Die Menschen kaufen nur, was sie kennen. Deswegen kümmern sich immer mehr Manager darum, sich genauso wie ihr Produkt zu inszenieren: Sie schreiben sich Werte zu, für die sie stehen möchten, inszenieren sorgfältig Taten und Worte , positionieren sich ganz bewusst mit bestimmten Themen.
Sie alle haben dabei von einem gelernt: Steve Jobs. Der Apple-Chef hat den Personenkult so weit getrieben wie niemand vor ihm. Bei Apple reicht es mittlerweile, wenn der Chef alle drei Monate einmal ein neues Gerät in die Kamera hält und die halbe Welt kauft es. Doch Manager wie Jobs balancieren auf einem dünnen Seil, die Gerüchte um seine Krankheit haben das deutlich gezeigt. Fällt der Chef, fällt der Glaube an die Zukunft – und damit der Aktienkurs.
Nicht jeder Grauschopf in deutschen Vorstandsetagen hat das Talent zum Steve Jobs, doch nacheifern wollen sie ihm alle. Dopheide, bisher Chairman der zweitgrößten deutschen Werbeagentur Grey, macht sich deswegen ab Januar als Markenberater für Manager selbstständig. Er will von der Profilierungsnot der Manager profitieren. Überhaupt gibt es schon eine ganze Industrie, die sich um das Bild der Wirtschaftsmächtigen kümmert: PR-Agenturen, Personalberater, Trainer – sie alle versuchen Managern ihre Dienste anzubieten.
Schließlich profitieren Vorstände von einer Markenstrategie in eigener Sache gleich doppelt: weil sie ein Stück unverwechselbarer werden – und damit gute Aussichten für eine weitere Karriere schaffen. Aber auch ihre Unternehmen stehen meist besser da. "Menschen kaufen lieber bei Anbietern, mit deren prominentesten Gesichtern sie etwas verbinden", sagt Markenberater Jon Christoph Berndt. Ein Blick auf die Erfolgsgeschichten der Wirtschaft zeigt genau das: Steve Jobs bei Apple, Marc Zuckerberg bei Facebook, Ingvar Kamprad bei Ikea.
Ein Gewinn für beide also. Nur, wer zahlt dann für d ie neue Marke Chef ? Die Manager selbst? "Dann bleibt der Markt sehr klein, weil es sich kaum jemand leisten kann", sagt Oliver Klein von der Agenturberatung Cherrypicker aus Hamburg. Die Unternehmen? "Warum sollten die in einen Manager investieren, der sich im Schnitt schon drei Jahre vor Ende seiner Vertragszeit für die nächste Stelle warmläuft, also die angedienten Markeneigenschaften gar nicht mehr für seine aktuelle Firma nutzen kann?", fragt Klein.
Zumal sich viele deutsche Konzerne ohnehin in eine missliche Lage manövriert haben: Über Jahre schliffen sie ihren Top-Leuten jegliche Ecken und Kanten ab. Das Ergebnis: Die Chefs sind so austauschbar wie nie. Nicht umsonst ist die Zeit, die sich ein Vorstand im Amt hält, unter den Top-100-Konzernen in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gesunken. Diese Beliebigkeit aber bekommen Unternehmen zu spüren. "Der Mensch sucht Orientierung in Marken. Das macht heute den Unterschied zwischen zwei Anbietern aus – und das fängt beim Chef an", sagt Dopheide.
Vielleicht sind die deutschen Firmen aber auch zurückhaltend, weil sie mit Schrecken erlebt haben, was schief gehen kann, wenn der eigene Chef zur Marke wird . Sie haben ihn noch vor Augen, den Abstieg Richard Fulds und seiner Bank Lehman Brothers. Fuld, in der Branche bekannt als "Gorilla" verstrickte sich über Monate in ein Geflecht aus Halbwahrheiten und undurchsichtigen Tricks, als er dann Hilfe brauchte, sprang ihm niemand an der Wall Street bei. Fuld, und damit auch Lehman Brothers, standen für unschöne Tugenden wie Misstrauen, Gier und Trickserei.
Wichtig ist, wer oben steht. "Letztlich ist der Markenkern ja immer nur Ausdruck der Fähigkeiten und des Potenzials, die in einem Unternehmen oder einem Menschen stecken", sagt Uli Mayer-Johanssen, Chefin der Agentur Meta Design, die Unternehmen Gesicht und Auftreten verpasst.
Das haben auch die Anleger erkannt, wenn auch nicht immer im Sinne des Unternehmens. Wenn ihre Superstars ausfallen, haben Firmen, die stark auf ihre Chefs setzen, viel zu verlieren.
Als Apple-Ikone Jobs vor eineinhalb Jahren verkündete, er falle wegen einer Krankheit fünf Monate aus, sackte die Aktie ab. Als fast zeitgleich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nach einer Portion Würstchen und Sauerkraut einen Schwächeanfall erlitt, fiel am nächsten Morgen die Aktie des Bankriesen. Da mag es nur bedingt trösten, dass Firmen letztlich nur das verlieren, was ihre Superstars aufgebaut haben. Jobs ist dafür das beste Beispiel. Apples Erfolg wäre undenkbar ohne sein Image, sein Gespür für Technik, Trends, Märkte und Design.
Allerdings: Ein Allheilmittel ist so ein CEO-Guru auch nicht. Denn ein mächtiger, durchsetzungsstarker Chef ist nur dann der Lieblingsangestellte der Aktionäre, wenn er seine Macht nutzt, um die Eigentümer des Unternehmens reicher zu machen. Im vergangenen Jahr erschien die Studie zweier kalifornischer Wirtschaftsprofessoren, die zu einem ernüchternden Ergebnis kam. Amerikanische Unternehmenschefs, die besondere Medienaufmerksamkeit bekommen, entwickeln sich zu schlechteren Firmenlenkern.
Warum? Die Forscher entdeckten, dass die neuen Medienstars zunehmend ihr Kerngeschäft vernachlässigten. Sie schrieben Bücher und nahmen häufiger Mandate in Beiräten und Aufsichtsräten an. Vermutlich wurden sie häufiger gefragt als unbekannte Konkurrenten.
Immerhin für sie selbst hatte es sich gelohnt. Diese Vorstände schafften es, höhere Gehälter durchzusetzen. Und ihre Fähigkeiten auf dem Golfplatz, das fanden die Forscher heraus, verbesserten sie auch.
(Zuerst erschienen im Handelsblatt )
- Datum 19.10.2010 - 10:00 Uhr
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Also mir ist der Chef eines Unternehmens eigentlich ziemlich egal... es gab auch einen TED Vortrag in dem der "Speaker" meinte Unternehmen verkaufen Ideen besser als Produkte.
Also auf mich trifft das nicht zu - Apple kann ich nicht leiden - so etwas wie diesen jobs auch nicht - was interessiert mich der Chef?
Die Idee hinter einen Produkt ist mir auch ziemlich egal - Träumer gibt es viele, das meiste gab es danach nie und funktionierte nicht.
Sicherlich wird es Leute geben die auf das Image des Chefs hereinfallen, oder auf den ganzen Blödsinn von der Idee hinter dem Produkt.
Andererseits kann man jedes Produkt auch einfach mal objektiv betrachten - da ist der Chef egal, die Idee auch. MP3 Player - ich suche Vergleiche im Web (Apple ist immer am unteren Ende) - vor 1 Jahr war der Sony X1060 eines der Besten Geräte - Kopfhörer - ich suche im Web - was interessiert mich die Philosophie von Sennheiser, was interessiert mich der Chef? Ich weiß nur dass in Vergleichen ihren IE8 zu den Kopfhörern mit der Besten Tonqualität gehören - das ist mir wichtig. - Beides habe ich nun 1 Jahr später immer noch, und beides war seinen Preis wert.
Wenn's gerade mal kein neues Apple-Produkt gibt, über das man schreiben kann, dann schreiben wir zur Abwechslung halt mal über Steve Jobs. Hauptsache, die Lieblingsfirma der ZEIT-Redaktion schafft es auch diese Woche wieder ins Blatt. Journalistisches Schamgefühl ist da Nebensache.
Also ich finde Steve Jobs mit seiner Dauerpräsenz und seinem gezwungen legeren Auftreten, offen gesagt, nicht gerade weniger langweilig als andere Firmenchefs.
Ausserdem ist sein Verhalten eine Modeerscheinung, die früher oder später allen auf den Keks gehen wird.
Das traurige ist, dass deutsche Firmenchefs bereits voll dabei sind, sich selbst zu inszenieren und dabei extrem schlecht sind, weil es einfach dem Naturell eines deutschen Firmenchefs widerspricht, es kommt dabei sowas ähnliches wie "Notruf Cobra 11" raus, bei dem gezwungen amerikanische Actionfilme kopiert werden aber die Darsteller sich so ernst nehmen, dass es einfach nur billig und langweilig ist.
Ich finde es hingegen gut, wenn unsere Firmenchefs sich einen Dreck um das Auftreten von Steve Jobs scheren und statt dessen in der Firma gut arbeiten.
Da könnte sich einer unserer Selbstdarstellungsneurotiker, René Obermann, mal eine Scheibe abschneiden. Denn seine Firma ist ein wirklicher Saftladen, bei dem der Kunde eher Opfer als Kònig ist.
Die Gleichsetzung einer Marke mit seiner Gallionsfigur kann, so damit positive Erfahrungen mit dem Produkt einhergehen, der Firma zuträglich sein. Doch ob der Besuch einer Schauspielschule als zukünftiger Bestandteil der "Soft Skills" bei der Besetzung einer Managerpositionen hilft, sei dahin gestellt. Gibt es doch für jede Sichtweise Gegenbeispiele.
Ron Sommer war als "Markengesicht" seinerzeit nahezu täglich im Fernsehen und bei den Mitarbeitern fast schon heilig gesprochener "Mr. Telekom". Da ihm letztlich die Weitsicht für zukünftige Herausforderungen des Telekommunikationsmarktes fehlte, musste er gehen. Daß in seiner Zeit als CEO Mitarbeiter bespitzelt wurden, läuft ihm nach. Wer weiss schon, wo er heutzutage tätig ist?
Eine besondere Präsenz in Deutschland hat Wolfgang Grupp. Als Inhaber von trigema lebt er die Unternehmensmaxime vor und scheut sich auch nicht, Kollegen seiner Zunft zu kritisieren. Seinem gepflegten Image der Korrektheit ordnet sich sogar die Familie unter. Das mögen die Deutschen. Kaum vorstellbar bei einem Aktienunternehmen.
Ganz anders bei der weltweit erfolgreichsten Marke. Wer ist Mr. Coca-Cola? Die Brause kennt jeder, aber schon mal was von Muhtar Kent gehört?
SJ ist eine Ausnahme, an die auch Bill Gates nicht heran reicht. Letztlich sollte ein Firmenlenker dafür sorgen, daß sein Unternehmen gut aufgestellt ist. Die entspr. Weichenstellung dafür vorzunehmen, dürfte Jobs größte noch verbliebene Herausforderung sein. Die Fußstapfen sind riesig.
Magisch! Verblüffend! Schön! Wahnsinn! Irre! Völlig toll! Phänomenal! Unglaublich gut! Sensationell! Viel besser! Bemerkenswert! Ein Traum!
So sind unsere Produkte...
Steve Jobs als auch Apple sind eine Außnahmeerscheinung. Auf deutsch wirkt diese Verkausrethorik glaube ich eher lächerlich.
Die Wirkung des Guru-Phänomens Jobs kann ich mir bis heute nicht erklären. Soviel Emotion bringt in Deutschland bestenfalls die Autoindustrie auf die Beine. Und dass auch nur vor einer gewaltigen Kulisse, die mit dem Produkt selbst nicht viel zu tun hat.
http://www.youtube.com/wa...
was da in der USA abgeht sollte uns in Deutschland nicht interessieren. Geschweige den sollten wir denen nacheifern. Unser Rückrad der Wirtschaft ist der Mittelstand, da würden solche Chefs wie Steve Jobs ausgelacht... solide und vorallem Mitarbeiter nah ist Deutschland die Devise... und sollte es natürlich auch bleiben.
Alles falsch. Denn der Manager bleibt Verwalter des Unternehmens im Auftrag der Eigentümer. Das Beispiel Steve Jobs hinkt, denn er ist nicht nur Manager von Apple, er ist Mitbegründer und jeder Selbstständige weiß, wenn ich ein Unternehmen gründe, bin ich die Marke.
Auch kann man nichts verallgemeinern. Marken wie Maggi oder Tchibo leben unabhängig von Gründern und Management. Fehlentscheidungen oder überzogenes Markenmanagement können hier viel öfter schaden.
Zunächst kann man natürlich zustimmen, die erfolgreichen Computer-Milliadäre sind natürlich eine besondere Spezies, sie sind natürlich ein Kontrast zum erwarteten Bild eines Unternehmers in Nadelstreifen, denken wir nur mal an Jobs ohne Rollkragen und Zuckerberg ohne Badelatschen. Aber ist das wirklich das Gegenteil von "langweilig"?
Herr Prange hat also auch seinen Blick ins (so wunderbar tolle) Kalifornien gerichtet oder jedenfalls aus Deutschland heraus, leider vergisst er dabei, dass es auch in Deutschland sehr gute, sozial engagierte und interessante Unternehmenslenker gibt, ohne Muff aber eben auch nicht als Marke, eher "hanseatisch" (wenn auch keine Hanseaten) zurückhaltend, die zwar nicht die Marke sind (ist Jobs in jeder Hinsicht auch nicht, denken wir mal an die Zeit vor den iPods), aber dafür bei Kunden und Mitarbeitern umso präsenter. Dank Will, Maischberger & Co kennen wir nur Herrn Grupp von Trigema oder Ex-IBM Mann Henkel. Die wirklich interessanten "Größen" hat der Mittelstand! Nur leider schaut keiner hin, auch nicht Herr Prange vom Handelsblatt.
Ich kenne einige interessante Beispiel, die einen wirklich mit Ihrer Geschichte faszinieren auch ohne Rollkragen, und auch ohne Krawatte...
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