Beschäftigungsdauer "Die Mitarbeiter sind treu"

Hire and Fire – ein Mythos? Die Beschäftigungsdauer ist seit 1992 konstant. Davon profitieren Mitarbeiter und Arbeitgeber, sagt der Arbeitsmarktforscher Thomas Rhein.

ZEIT ONLINE: Herr Rhein, Sie haben für das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersucht, wie sich die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in Deutschland verändert hat und Sie sind zu dem erstaunlichen Ergebnis gekommen, dass sie relativ konstant geblieben ist. Ist der flexible Arbeitsmarkt eine Mär?

Thomas Rhein: Wir haben zumindest festgestellt, dass die durchschnittliche Beschäftigungsdauer 1992 bei 10,3 Jahren und 2008 sogar 10,8 Jahre lag. Die Firmen wissen offenbar die Kenntnisse und Erfahrungen ihrer langjährigen Mitarbeiter zu schätzen und setzen deshalb alles daran, sie zu halten. Die interne Flexibilität in den Unternehmen scheint so hoch zu sein, dass die Firmen ihre Ziele erreichen können, ohne die Beschäftigten regelmäßig austauschen zu müssen. Die Beschäftigungsdauer blieb übrigens auch in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien relativ stabil. Die Mitarbeiter sind treu wie eh und je.

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ZEIT ONLINE: In Deutschland hat sich aber seit 1992 der Anteil der befristeten Beschäftigten mehr als verdoppelt. Er liegt heute bei knapp zehn Prozent.

Rhein:Befristungen haben häufig eine ähnliche Funktion wie eine Probezeit . Wer sich bewährt, hat die Aussicht, fest übernommen zu werden. Befristungen kommen vor allem bei Neueinstellungen vor. Wer aber bereits einen festen Job hat, für den sinkt der Anreiz, sich auf eine befristete Stelle zu bewerben .

ZEIT ONLINE: Also haben die Beschäftigten Angst vor Befristung und wechseln sie deshalb lieber nicht?

Rhein: Man muss auch die Rolle der Arbeitgeber sehen. Für viele Firmen ist es nicht sinnvoll, das Personal auszutauschen. Mitarbeiter erwerben während ihrer Betriebszugehörigkeit spezifische Kenntnisse, auf die das Unternehmen nicht oder nur schwer verzichten kann. 

ZEIT ONLINE: Müssen Ihre Kollegen aus der Arbeitsmarkt- und Zukunftsforschung aufgrund der Studienerkenntnisse ihre Prognosen revidieren?

Thomas Rhein
Thomas Rhein

Thomas Rhein studierte Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Marburg und Nürnberg. Seit 1991 ist Thomas Rhein wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Rhein: Nein, der Arbeitsmarkt hat Dynamik, aber die liegt in der hohen internen Flexibilität der Unternehmen. Dass die Arbeitsmarktmobilität zunimmt und sich die Beschäftigten im Laufe ihres Lebens immer häufiger einen neuen Arbeitgeber suchen müssen, lässt sich allerdings empirisch nicht nachweisen. Auch die These, dass die Beschäftigten immer wieder einen anderen Beruf erlernen müssen, hat sich mit unseren Erkenntnissen als nicht stichhaltig erwiesen.

ZEIT ONLINE: Also bleibt alles wie es war und die Mitarbeiter bis zur Rente in einer Firma?

Rhein: So krass würde ich das auch wieder nicht sagen. Immerhin sind nach wie vor gut 15 Prozent aller Beschäftigten kürzer als ein Jahr bei ihrem Arbeitgeber und es gibt Trends, die nicht direkt mit der Beschäftigungsdauer zusammenhängen, aber zeigen, dass der Arbeitsmarkt in Bewegung ist. Das Wachstum des Niedriglohnsektors und der geringfügigen Beschäftigung sind typische Beispiele dafür.

Die Fragen stellte Peter Ilg .

 
Leser-Kommentare
    • oooo
    • 20.10.2010 um 20:57 Uhr

    "Dass die Arbeitsmarktmobilität zunimmt und sich die Beschäftigten im Laufe ihres Lebens immer häufiger einen neuen Arbeitgeber suchen müssen, lässt sich allerdings empirisch nicht nachweisen."

    Seit Jahren überall das gleiche Lied, von "Welt" bis "Zeit", dass doch heute niemand mehr seinen Arbeitsplatz länger als 5 Jahre behalte. Da wurden Interviews geführt über diese neue Entwicklung und seitenweise Vor- und Nachteile besprochen.

    Und jetzt- alles nur ein Gerücht? Obwohl es doch angeblich so "offensichtlich" und "spürbar" war?

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    http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_für_Arbeitsmarkt-_und_Berufsforschung

    ... Seit Oktober 2007 leitet es Professor Dr. Joachim Möller. ...

    http://www.google.de/#hl=.... Joachim Möller INSM&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=&fp=1d280f31b083caa6

    http://www.insm.de/insm/T...

    Und nun beweise jemand das Gegenteil.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_für_Arbeitsmarkt-_und_Berufsforschung

    ... Seit Oktober 2007 leitet es Professor Dr. Joachim Möller. ...

    http://www.google.de/#hl=.... Joachim Möller INSM&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=&fp=1d280f31b083caa6

    http://www.insm.de/insm/T...

    Und nun beweise jemand das Gegenteil.

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_für_Arbeitsmarkt-_und_Berufsforschung

    ... Seit Oktober 2007 leitet es Professor Dr. Joachim Möller. ...

    http://www.google.de/#hl=.... Joachim Möller INSM&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=&fp=1d280f31b083caa6

    http://www.insm.de/insm/T...

    Und nun beweise jemand das Gegenteil.

    Antwort auf "Peinlich."
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    • Chali
    • 21.10.2010 um 6:59 Uhr

    ein Synonym für "doof".

    • Chali
    • 21.10.2010 um 6:59 Uhr

    ein Synonym für "doof".

  2. 3. *lol*

    Aha.

    Zitat aus der Studie:
    "Für ein vollständiges und umfassendes Bild müsste man z. B. die betriebliche Perspektive heranziehen und auch für einzelne Personengruppen stellen sich Arbeitsmarktchancen
    und -risiken anders dar als in der aggregierten Betrachtung. Das gilt beispielsweise für Leiharbeitnehmer, deren Zahl in Deutschland seit 2002 stark zunahm. Allerdings ist ihr Anteil an allen Arbeitnehmern noch so niedrig, dass er die aggregierten Indikatoren nicht wesentlich beeinflusst."

    Dafür hätte ich dann doch gerne einige Zahlen. Meines Wissen sind mittlerweile zwischen 2-4% aller Beschäftigten in Leiharbeit, Tendenz steigend. Das ist zwar nicht viel, sie treiben aber die Wechselrate enorm nach oben, zumindest wenn man als Arbeitgeber nicht die Leiharbeitsfirma sondern den jeweiligen Auftraggeber nimmt. Wenn die Studie das ausblendet, ist sie in meinen Augen nicht seriös.

    Die Frage ist auch, welchen Zweck die ständigen Forderungen nach *Flexibilisierung* (=Abbau Kündigungsschutz) haben, obwohl es ohnehin schon Leiharbeit gibt und die Beschäftigungsdauer an sich konstant bleibt.

    Der Grund dürfte nun ziemlich klar werden: alte (teure) Verträge kostengünstig loswerden, die AN noch besser unter Druck setzen können. Wer morgen schon auf der Straße stehen kann, der folgt der Bitte nach unbezahlter Mehrarbeit doch gleich viel williger. Hat schon einen Grund warum die Amis weltweit den geringsten Urlaubsanspruch und die längsten Arbeitszeiten haben...

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    2-4% sind tatsächlich wenig. Auch wenn Ihnen diese Vorstellung nicht in den Kopf mag.

    Statistisch (und darum geht es ja zunächst bei empirischen Erhebungen) sind 2-4% kaum relevant. Vor allem wenn sie am Ende so etwas wie einen Durchschnitt berechnen, womöglich mit Menschen die tatsächlich noch zu denen Gehören die mit 18 angefangen haben und nie den Arbeitgeber gewechselt haben.

    Und überhaupt, sind es nun 2 oder 4 %?

    2-4% sind tatsächlich wenig. Auch wenn Ihnen diese Vorstellung nicht in den Kopf mag.

    Statistisch (und darum geht es ja zunächst bei empirischen Erhebungen) sind 2-4% kaum relevant. Vor allem wenn sie am Ende so etwas wie einen Durchschnitt berechnen, womöglich mit Menschen die tatsächlich noch zu denen Gehören die mit 18 angefangen haben und nie den Arbeitgeber gewechselt haben.

    Und überhaupt, sind es nun 2 oder 4 %?

  3. 2-4% sind tatsächlich wenig. Auch wenn Ihnen diese Vorstellung nicht in den Kopf mag.

    Statistisch (und darum geht es ja zunächst bei empirischen Erhebungen) sind 2-4% kaum relevant. Vor allem wenn sie am Ende so etwas wie einen Durchschnitt berechnen, womöglich mit Menschen die tatsächlich noch zu denen Gehören die mit 18 angefangen haben und nie den Arbeitgeber gewechselt haben.

    Und überhaupt, sind es nun 2 oder 4 %?

    Antwort auf "*lol*"
    • lepkeb
    • 21.10.2010 um 1:14 Uhr

    wie von einem dt. Volkswirt nicht anders zu erwarten ausgeblendet, Zeitarbeit und deren Anteil der Beschäftigten in der Industrie und Diensleistungsbranche.

    Ein Link zur Studie wäre nett gewesen, damit man sie und den wissenschaftlichen Gehalt einordnen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber Lepkeb,

    den Link zur Studie finden Sie unter "erstaunliche Ergebnisse" oder hier: http://doku.iab.de/kurzbe...

    Generell hat Herr Rhein im Interview mit Herrn Ilg ja eingeräumt, dass sich die Untersuchung auf jene in Festanstellung konzentrierte - und die Prekarisierung und zunehmenden Flexibilitätsanforderungen im Bereich Niedriglohnsektor, Leih- und Zeitarbeit stattfindet. Trotzdem ist es doch interessant, dass seit 1992 - das sind immerhin 18 Jahre - die Beschäftigungsdauer konstant ist bzw. sogar leicht gestiegen ist. Bedeutet im Umkehrschluss doch auch: Wer es erst einmal in ein festes, unbefristetes Arbeitsverhältnis geschafft hat, kann mit einer halbwegs abgesicherten Existenz rechnen. Wobei wohl vor allem (und natürlich) die ältere Generation Beschäftigter in die Studie eingeflossen sein dürften. Wie eine solche Langzeitstudie in 18 weiteren Jahren aussieht, dürfte interessant sein.

    Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin

    Redaktion

    Lieber Lepkeb,

    den Link zur Studie finden Sie unter "erstaunliche Ergebnisse" oder hier: http://doku.iab.de/kurzbe...

    Generell hat Herr Rhein im Interview mit Herrn Ilg ja eingeräumt, dass sich die Untersuchung auf jene in Festanstellung konzentrierte - und die Prekarisierung und zunehmenden Flexibilitätsanforderungen im Bereich Niedriglohnsektor, Leih- und Zeitarbeit stattfindet. Trotzdem ist es doch interessant, dass seit 1992 - das sind immerhin 18 Jahre - die Beschäftigungsdauer konstant ist bzw. sogar leicht gestiegen ist. Bedeutet im Umkehrschluss doch auch: Wer es erst einmal in ein festes, unbefristetes Arbeitsverhältnis geschafft hat, kann mit einer halbwegs abgesicherten Existenz rechnen. Wobei wohl vor allem (und natürlich) die ältere Generation Beschäftigter in die Studie eingeflossen sein dürften. Wie eine solche Langzeitstudie in 18 weiteren Jahren aussieht, dürfte interessant sein.

    Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin

    • Chali
    • 21.10.2010 um 6:59 Uhr

    ein Synonym für "doof".

  4. Herr Rhein sollte noch einmal einen Statistik-Grundkurs besuchen. Ohne Angaben der Bezugsgrößen haben seine Aussagen keinen Wert. Man muß schon Zweifel an den Qualitäten des IAB haben, wenn solche Zahlen veröffentlicht werden. 2008 als die große Entlassungswelle einsetzte kam Herr Rhein auf den höchsten Durchschnittswert. Spätestens an diesem Punkt hätte er einmal nachdenken müssen. Das Beispiel zeigt wie polemisch Politik gemacht wird.

  5. Diese "Studien" sind in alle bezahlte Auftragsarbeiten. Notfalls werden die statistischen Rohdaten "mathematisch" so bearbeitet bis das gewünschte Ergebnis in der Studie steht.

    Niemand bezahlt Ökonomen für objektive Meinungen. Um das tägliche Brot zu verdienen muss ein Volkswirt arbeiten - egal ob gewerkschaftsnah oder arbeitgebernah objektive Meinung gibt es nicht. Genausowenig wie die ZEIT es als Ihre Aufgabe sieht neutral und umfänglich zu informieren (wie keine Zeitung). Auch hier gibt es doch klare Interessen.

    Früher hatte man einen passenden Ausdruck für die meisten veröffentlichten Informationen - man nannte es Propaganda. Heute ist es Marketing.

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