Nikolaus-DarstellerMit rotem Mantel und goldenem Buch

Echte Nikolaus-Darsteller tragen ein anderes Kostüm als zu Weihnachten: So will es die Tradition. Was sonst für den Nebenjob nötig ist, zeigt der Beruf der Woche. von 

Ein Darsteller im amerikanischen Santa-Claus-Kostüm mit einem Kind

Ein Darsteller im amerikanischen Santa-Claus-Kostüm mit einem Kind  |  © Lisa Maree Williams/Getty Images

Ein letzter Blick in den Spiegel: Sitzt die Mütze richtig? Sind die Augenbrauen weiß genug? Verdeckt der Bart das Gesicht? Die Details machen einen guten Nikolaus aus, sagt Michael Martin. Kinder merken schnell, wenn jemand in einem Nikolauskostüm steckt, der nur seinen Job macht. Martin arbeitet seit 13 Jahren in der Vorweihnachtszeit als Nikolaus und Weihnachtsmann und erfreut Familien mit Kindern ebenso wie Angestellte in Firmen. Eigentlich verwendet er den Begriff "arbeiten" für seinen Nebenjob ungern. Denn der Auftritt mit Bart und Mütze ist für Martin eine Berufung . "Man sollte die Tätigkeit als Gelegenheit sehen, anderen eine Freude zu machen. Es geht vor allem darum, den Geist der Weihnachtszeit aufrecht zu erhalten", sagt Martin.

Genau diese Einstellung vermisst er bei vielen seiner weißbärtigen Kollegen. "Ein guter Nikolaus sollte an sich selbst glauben, schauspielerisches Talent besitzen und in seiner Rolle aufgehen. Nur wer sich zu 100 Prozent mit ihr identifiziert, ist überzeugend."

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Leider kennt nicht jeder Darsteller den Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus. So beruht die Figur des Nikolaus auf der Existenz des Nikolaus von Myra , einem Bischof, der im 4. Jahrhundert im heutigen Griechenland gelebt hat. Der Weihnachtsmann hingegen ist eine erfundene Figur. Und wer hätte gewusst, dass sich die Kostüme von Weihnachtsmann und Nikolaus unterscheiden?

"Der heilige Nikolaus tritt eigentlich im Bischofskostüm mit goldenem Buch und Bischofsstab auf", erklärt Martin. In einige Gegenden sei das auch heute noch so, überwiegend wünschen seine Kunden aber einen Nikolaus als dickbäuchigen Mann im roten Zweiteiler. Ein wenig bedauert das der Darsteller. "Die Leute wollen das amerikanische Modell, den Santa Claus, auch am 6. Dezember als Nikolaus. Die beiden Figuren verschmelzen immer mehr zu einer Person", sagt Martin.

Wer als Darsteller arbeiten möchte, sollte keine Berührungsängste haben. Erlernen kann man das Darsteller-Know-how übrigens an einer Schule in Köln . Einzige Aufnahmebedingung: Man muss an den Nikolaus und Weihnachtsmann glauben. Die Kursteilnehmer lernen alles Wissenswerte für den Auftritt, lernen traditionelle Lieder und Gedichte kennen und erfahren, welche Verkleidung in welcher Region gewählt werden sollte oder wie man brenzlige Situationen mit ängstlichen Kindern löst. Auch auf eigentlich Selbstverständliches wird hingewiesen. "Weihnachtsmänner oder Nikolause sollten keinen Schmuck oder keine Uhr tragen. Auch dürfen die Augenbrauen nicht schwarz oder braun sein. Das fällt Kindern sofort auf", sagt Martin. Und natürlich hat der Nikolaus auch kein klingelndes Handy im Jutesack. "Das geht gar nicht", findet Michael Martin.

Wenn es nach ihm ginge, sollte es auch für alle Nikolaus-Darsteller Pflicht sein, ein Schulungsseminar zu besuchen, in dem alte Traditionen und Gebräuche vermittelt werden.

© Tim Boyle/Getty Images

Und wie sieht nun der Joballtag aus? Das hängt von den Einsätzen ab – und natürlich davon, was der Darsteller hauptberuflich arbeitet. Kurz vor Weihnachten kann der Tag als Weihnachtsmann oder Nikolaus schon mal lang werden. "Da kann es vorkommen, dass ich von morgens um zehn bis nachts um ein Uhr unterwegs bin, wenn ich beispielsweise auch eine Diskothek besuche", sagt Martin. Für ihn ist es tabu, von einem Termin zum nächsten zu hetzen. "Die Auftritte dürfen nicht zur Massenabfertigung verkommen. Besonders bei Familien sollte man sich auch mal eine Stunde Zeit nehmen", sagt Martin.

Auch bringt seine Tätigkeit mitunter unangenehme Begebenheiten mit sich. "Manche Eltern meinen, der Nikolaus arbeite auch als Erzieher. Ich habe schon erlebt, dass ich darum gebeten wurde, mit der Rute ordentlich auf den Tisch zu hauen", sagt Martin. Er lehnt es ab, die Rolle dafür zu missbrauchen, Kindern Angst einzujagen. Dennoch überwiegen für Martin die schönen Seiten. "Das ist eine Herzensangelegenheit."

  • Gehalt: variiert;
  • Ausbildung: keine, Schulung möglich, aber nicht vorgeschrieben;
  • Arbeitszeit: von Anfang November bis 25.Dezember, in der Hochzeit bis zu 14 Stunden pro Tag
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Leserkommentare
  1. Und was will man uns damit sagen? Viel gesprochen, nichts gesagt! Die Infos in diesem Artikel sind mehr als dürftig. Wieso wird sowas veröffentlicht? Schreibübung für den Praktikanten?

  2. schade dass nun auch bei uns dieser rotgekleidete Coca-Cola Typ auftritt.

    Sollte ich je für meine Kinder den Nikolaus ins Haus bestellen ist es der mit der Bischofsmütze, mit dem Knecht Ruprecht dabei, und vielleicht ein Engelchen. So wie es in meiner Kindheit war.

    Globalisierung ist schön und gut, aber es ist für mich sehr traurig wenn wir hierbei unsere jahrhundertalten Bräuche gegen eine amerikanische Kitsch-Erfindung des letzten Jahrhunderts eintauschen.....

    Eine Leserempfehlung
  3. Ist wirklich ein sehr interessanter Job. Habe das Mal selber gemacht. Ist ein tolles Gefühl die Freude den Kindern zu vermitteln. Man kann sich übrigens im Arbeitsamt dafür bewerben und darf die Geschenke verteilen. Kann ich jedem nur empfehlen :)

  4. Sehr geehrter Herr Schleufe,
    nette Geschichte, die geschilderten Erfahrungen kann ich bestätigen nach 15 Jahren Nikolaus im "Kindergarten-Einsatz".
    Das macht in Einrichtungen mit katholischem Träger und Original-Bischofskostüm mit Kindern, die die historische (?) Person aus Erzählungen kennen, sehr viel mehr Spaß als in KIGärten mit weltlichem Träger im Weihnachtsmannkostüm...

    Eine Korrektur ist nötig:
    Myra liegt in der heutigen Türkei,
    guckst Du hier:
    http://www.zeit.de/wissen...

    LG
    P.F.
    alias "petepille"
    alias "Nikolaus von Myra"

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  • Serie Beruf der Woche
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bischof | Schmuck | Einstellung | Familie | Gedicht | Griechenland
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