SegelmacherNähen für Schiffe, Lkw und Terrassen

Richtig gelesen: Segelmacher nähen Segel für Jachten und Boote, aber sie stellen auch Zelte, Planen und Markisen her. Ihr Joballtag im Beruf der Woche. Von M. Schleufe

Die Segelmacherei hat eine lange Tradition. Früher arbeiteten Segelmacher als Handwerker an Bord von Schiffen , reparierten oder fertigen Segel. Im Laufe der Jahre hat sich das Berufsbild jedoch weiterentwickelt. "Heutzutage fertigen wir nicht nur Segel und Abdeckungen für Boote und Jachten an, wir stellen auch Zelte für Wohnwagen, Planen für Lkw und Markisen", sagt Gerhard Jagow, Segelmacher und Obermeister der Innung Hamburg.

Vom klassischen Segeltuch über beschichtete Stoffe, die etwa beim Zelt- und Planenbau verwendet werden, bis hin zu modernen, extrem leichten Segeln, die aus Polyamid, Polyester und sogar Kohlefaser bestehen und bei Regattaseglern eingesetzt werden: Je nach Produkt müssen die Handwerker die verschiedensten Materialien kennen.

Anzeige

Die Segelmacherei ist immer noch ein traditioneller Handwerksberuf, allerdings hat auch hier die moderne Technik Einzug gehalten. Wurden die Stoffe früher noch von Hand zugeschnitten, erledigt diese Arbeit heute ein Plotter. Das ist ein übergroßer Drucker, der auf unterschiedlichen Materialien großflächig nach Vorgabe drucken oder schneiden kann. So werden die Stoffbahnen in die gewünschten Maße geschnitten und anschließend mit einer Nähmaschine zusammengebracht.  Die Auszubildenden müssen schon ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick mitbringen", sagt Jagow. Er lässt angehende Lehrlinge in seinem Betrieb zunächst ein Praktikum absolvieren und die Jugendlichen einige Probearbeiten erledigen. "Die Praktikanten bekommen ein Stück Stoff, um daraus eine Einkaufstasche zu nähen. Wir wollen schauen, wie sie sich anstellen", sagt Jagow.

Nur handwerkliches Geschick allein macht aber noch keine guten Segelmacher aus. Die Fachkräfte müssen auch kalkulieren können, wie viel Stoffbahnen für ein Segel oder eine Markise nötig sind. "Man muss die Menge so berechnen können, dass möglichst wenig Verschnitt entsteht", sagt Jagow. Grundvoraussetzungen ist also mathematisches und vor allem räumliches Verständnis.

Der Beruf hat übrigens trotz der auf den ersten Blick ähnlichen Produkte kaum Übereinstimmungen mit dem Beruf des Technischen Konfektionärs (Schwergewebekonstrukteur), der Planen und Markisen industriell und maschinell herstellt. Bei Segelmachern ist jedes Stück eine Einzelanfertigung.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die Lehre übrigens nicht erforderlich. Die Ausbildung erfolgt dual und dauert in der Regel drei Jahre. Die Azubis lernen unter anderem den Umgang mit den unterschiedlichen Materialien, den Gebrauch der jeweiligen Maschinen, verschiedene Nähtechniken, aber auch den Umgang mit Kunden. Sollten Segelmacher denn selbst passionierte Wassersportler sein? Zumindest sollten sie sich ein wenig mit Booten auskennen , denn die Fachkräfte müssen manchmal auch auf die Boote ihrer Kunden, um ein Segel auszumessen, sagt der Segelmachermeister.

Wer sich auf eine Fachrichtung – etwa den Markisenbau – spezialisieren möchte, tut dies erst nach der Ausbildung. Somit bietet sich Segelmachergesellen eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten, auch in branchenfremden Berufen, wie etwa in Schneidereibetrieben. 

  • Gehalt: ab ca. 2000 Euro/brutto;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: duale Ausbildung, drei Jahre;
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service