Ist die Teilnahme an der Weihnachtsfeier Pflicht?

Das hängt davon ab, ob sie während oder außerhalb der Arbeitszeit stattfindet . "Die Teilnahme an der Weihnachtsfeier ist nicht gesetzlich geregelt. Findet die Veranstaltung zu der regulären Arbeitszeit statt, müssen die Mitarbeiter theoretisch nicht teilnehmen, stattdessen aber arbeiten", erklärt der Arbeitsrechtsexperte und ZEIT-ONLINE-Kolumnist Ulf Weigelt. "Es hat jedoch ein Geschmäckle, wenn man sich nicht blicken lässt", sagt Agnes Jarosch, Mitglied im Deutschen Knigge-Rat und Kommunikationstrainerin. "Wenn man nicht hingeht, sendet man das Signal: Mir ist es nicht wert, meine Freizeit mit meinen Kollegen und dem Chef zu verbringen."

Welche Kleidung ist angemessen?

Der Anlass bestimmt die Kleidung. Plant der Betrieb eine herbstliche Wanderung mit einem anschließenden Bummel über den Weihnachtsmarkt mit Glühwein, sollte bequeme Kleidung gewählt werden. Findet dagegen ein großes Firmenbankett in einem gehobenen Restaurant statt, ist edle Kleidung angemessen. "In vielen Firmen brechen die Mitarbeiter nach Dienstschluss gemeinsam auf. Dann ist es wichtig, bürotaugliche Kleidung zu wählen. Am Abend kann sie aber mit einigen Accessoires versehen werden: Femininer Schmuck und Pumps mit etwas höheren Absätzen für die Damen, eine neue Krawatte für den Herren", rät Kniggetrainerin Jarosch.

Darf, während der Chef eine Rede hält, schon getrunken werden?

Jedes Jahr das gleiche Prozedere: Erst spricht der Chef, dann der Vorstand und schließlich noch der Firmensenior – und die Mitarbeiter sitzen währenddessen auf dem Trockenen und langweilen sich. Sich unterdessen zu betrinken, ist falsch. "Da müssen Sie durch", sagt die Stilexpertin. Die Rolle des Gastgebers übernimmt der Arbeitgeber und bevor nicht er sein Glas erhebt, sollten es die Angestellten auch nicht tun. Ebenso verhält es sich mit dem Essen: "Bis der Gastgeber nicht das Signal gibt, dass nun gegessen werden darf, sollte man warten", sagt Jarosch.

Ist es unhöflich, beim Essen richtig reinzuhauen?

Die Mitarbeiter sollten zwar nicht hungrig nach Hause gehen, aber auch nicht über die Strenge schlagen, nur weil die Firma bezahlt. Insbesondere dann, wenn frei von der Karte gewählt werden darf. "Es könnte der Eindruck entstehen, man wolle der Firma finanziell schaden", sagt Agnes Jarosch. Auch beim offenen Buffet gilt: lieber mehrmals mit einem kleinen Teller gehen, als mit überladenen Tellern negativ auffallen. Wem die angebotenen Speisen nicht schmecken, der soll sich mit negativen Kommentaren zurückhalten. "Stellen Sie sich vor, Sie wären der Gastgeber. Das schickt sich einfach nicht", sagt die Kniggeexpertin. Das gleiche gilt übrigens für etwaige kleine Geschenke: Auch wenn sich die Firma in diesem Jahr knauserig zeigt, gilt doch der Grundsatz: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul." Auf der Weihnachtsfeier zu meckern, ist also verboten.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man die Speisen nicht zu sich nehmen kann?

Die meisten Unternehmen fragen mit der Anmeldung zur Weihnachtsfeier ab, ob Vegetarier unter den Gästen sind. Leider tun dies nicht alle. Und nicht nur Vegetarier, auch Allergiker und Menschen mit anderen Religionen können angesichts einer Gänsestopfleber im festgelegten Menüplan vor einer Herausforderung stehen: Darf man sagen, dass man eine bestimmte Speise nicht essen kann? Ja, aber leise. "Machen Sie kein großes Aufsehen darum und führen Sie keine Diskussionen, weder über Tierschutz noch über Allergien oder über religiöse Weltanschauungen", empfiehlt die Kniggetrainerin. Auch wenn es höflich gemeint ist: Sich laut für seine Essensgewohnheiten zu entschuldigen, wäre falsch. "Lassen Sie das Essen einfach liegen oder geben Sie dem Serviceteam diskret Bescheid. Manche Küchenchefs können auch rasch ein Ersatzmenü kreieren."

Darf der Vorstandsvorsitzende beim Smalltalk einfach so angesprochen werden – und mit welchem Thema?

Smalltalk ist auf der Weihnachtsfeier ausdrücklich erwünscht. Die meisten Vorgesetzten freuen sich, mit den Mitarbeitern in Kontakt zu kommen. Es wird auch gerne gesehen, wenn sich die Abteilungen mischen und junge Mitarbeiter den Kontakt zu den Älteren suchen. " Das zeigt Offenheit und Interesse an der Firma und ist gut für den Zusammenhalt", sagt Agnes Jarosch. Als Thema eignet sich alles rund um die Feier: die Musik, das Essen, der Wein. Allerdings mögen die allermeisten Führungskräfte nicht, wenn Mitarbeiter den Smalltalk als Möglichkeit verstehen, sich plump zu profilieren oder gar nach der nächsten Gehaltserhöhung zu fragen. Smalltalk-Themen sollten unkritisch sein. Allgemeine politische Tagesthemen sind nicht mehr generell verboten. "Bei einer Firmenfeier kann eine aktuelle lokale Bürgerbewegung durchaus ein spannendes Thema sein, das alle interessiert", sagt Kniggetrainerin Jarosch. Sie rät dazu, den Smalltalk als Spiel mit einem Luftballon zu sehen. "Smalltalk ist die Möglichkeit zu spielen – mit einem Ball voll heißer Luft. Werfen Sie Ihrem Gegner also keinen Medizinball zu, bedenken Sie die Situation mit."