Führungsstil "Manager sollten offener sein für schräge Ideen"
Der Management-Professor Julian Birkinshaw fordert ein fundamentales Umdenken in den Chefetagen. Im Interview spricht er sich für eine neue Vertrauenskultur aus.
© Spencer Platt/Getty Images

Manager gehen die Wall Street in New York entlang
Frage: Professor Birkinshaw, die Finanzkrise scheint ausgestanden. Haben die Manager daraus gelernt?
Julian Birkinshaw: Nein. Viele wollen weitermachen wie bisher. Aber Management der alten Schule, wie es sich in den Hochphasen des industriellen Kapitalismus entwickelte und wie wir es bis heute praktizieren, hat sich überlebt. Wir müssen das Management von Unternehmen neu erfinden.
Frage: Warum?
Julian Birkinshaw: Auch vor der Finanzkrise haben wir immer wieder erschreckendes Missmanagement erlebt. Vor Kurzem gab es eine Umfrage unter MBA-Studenten, die alle schon Vollzeit im Management arbeiten. Auf die Frage nach ihrem Beruf gaben sie alle möglichen Antworten – nur das "M-Word", den Begriff "Manager", haben alle gemieden wie der Teufel das Weihwasser.
Frage: Kein Wunder: Die Imagewerte von Managern haben sich extrem verschlechtert. Zu Recht?
Julian Birkinshaw: Größtenteils ja. In vielen Unternehmen fehlt das richtige Wertegerüst – ein Ziel, an dem sich alle orientieren können, über bloßes Geldverdienen hinaus. Wenn jeder nur auf seine Boni achtet und ihm das Unternehmen ansonsten egal ist, passiert, was wir bei Lehman gesehen haben. Das müssen wir ändern – mit neuen Managementmodellen.
Frage: Davon hatten wir doch in den vergangenen Jahrzehnten genügend. Wollen Sie wieder eine neue Sau durchs Dorf jagen?

Julian Birkinshaw ist Professor für strategisches Management an der London Business School und Autor zahlreicher Bücher zur Zukunft des Managements.
Julian Birkinshaw: Sicher, es gibt Dutzende Managementmethoden. Aber um die geht es nicht. Wir brauchen ein grundlegend neues Verständnis von Unternehmensführung.
Frage: Wie soll das aussehen?
Julian Birkinshaw: Unternehmen organisieren sich immer mehr wie ein Spinnennetz. Das viel zitierte Web 2.0 hat uns nicht nur neue Technologien gebracht, sondern ein ganz neues Verständnis von Vernetzung und Zusammenarbeit – letztlich wie das Internet selbst. Diese Prinzipien gilt es nun auf die Unternehmensorganisation zu übertragen.
Frage: Wie soll das aussehen?
- Datum 25.11.2010 - 08:29 Uhr
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- Quelle WirtschaftsWoche
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Was der Herr da von sich gibt, ist philosophisch gesehen absolut nichts neues. Es sind vielmehr die Grundlagen, die sich alle Unternehmen seit fast 2 Jahrzehnten auf die Fahne schreiben. "Abschaffung von Hierarchiestufen", "Einbeziehen aller Mitarbeiter in Entscheidungen" usw. Das Problem ist die Umsetzung dieser Entscheidungen, auch weil oft die Firmenleitung selbst ein schlechtes Beispiel gibt und bei erster Gelegenheit sich selbst bereichert und alles besser weiss. In Gruppen bilden sich automatisch Hierarchien, in denen der mit der größten Arroganz und Klappe dann alle anderen überfährt und viele gute Ideen vernichtet.
Das Problem ist der Mensch an sich. Er neigt schlicht und einfach zu Hierarchischen Strukturen und auch dazu, einmal durch diese erhaltene Macht schamlos und egoistisch auszunutzen.
Da helfen all die flotten "Leanmanagement" und "flache Hierarchieebene" Sprüche nichts. Es ist heisse Luft und man kann nur hoffen, dass der eigene Chef ein guter Mensch ist.
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