Banken und Versicherungen haben in der Krise ihr Image ramponiert. Jetzt zieht das Geschäft wieder an. Ob Deutsche Bank oder Zurich-Versicherungsgruppe: Die Unternehmen in der Finanzbranche sind mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Und sie stellen wieder ein, insbesondere die Jobchancen für Universitätsabsolventen sind derzeit sehr gut. In der Versicherungswirtschaft setzt sich damit ein Trend fort: Trotz der Finanzkrise ist deren Akademikeranteil von 16,2 Prozent im Jahr 2005 auf 17,8 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

"Und die Versicherungsunternehmen wollen diesen Anteil in den kommenden Jahren noch beträchtlich erhöhen – vor allem durch die Einstellung weiterer frisch gebackener Akademiker", sagt Michael Gold. Er ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV).

Bei den Banken dagegen gab es im Zuge der Krise durchaus einen Einbruch bei den Neueinstellungen, aber "spätestens seit diesem Sommer hat die Nachfrage nach Absolventen wieder stark angezogen", sagt Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin des Career Centre der Frankfurt School of Finance & Management. Viele Geldinstitute hätten erkannt, dass es ein Fehler wäre, in schwierigen Zeiten das Recruiting zu stoppen. Wer erst in einer Boom-Phase einsteigt, wenn ohnehin alle Wettbewerber um hoch qualifizierten Nachwuchs buhlen, hat es schwer.

Das heißt nicht, dass die Banken derzeit jeden Bewerber mit Kusshand nehmen. Laut Reuschenbach-Coutinho suchen sie weiterhin vorrangig "die absoluten Top-Leute" – bei den Jobeinsteigern sind jene Absolventen gefragt, die zu den besten zehn Prozent ihres Jahrgangs gehören. "Wenn sich der Markt jedoch weiter so entwickelt, stellen die Banken auch wieder Bewerber ein, die mehr durch einen guten theoretischen Hintergrund oder praktische Erfahrungen herausragen", sagt die Leiterin des Career Centers.

Einen anderen Ansatz verfolgt Max Lehmann, Leiter des Talent Centers der Hypo-Vereinsbank. Die Bank plant, im kommenden Jahr 200 Jobeinsteiger einzustellen: "Für uns zählt in erster Linie die Persönlichkeit, wir möchten die Kandidaten daher in zwei ausführlichen Vorinterviews und einem Assessment-Center kennenlernen."

Wie stark die akademischen Noten anschließend in die Beurteilung einfließen, hängt – nicht nur bei der Hypo-Vereinsbank – auch von der Universität ab, an der sie erreicht worden sind: Eine Zwei in Betriebswirtschaft an der Uni Mannheim kann mehr wert sein als eine Eins in Deggendorf.