ArbeitsrechtMuss ich wirklich an allen Feiertagen im Jahr arbeiten?

Der Mitarbeiter hat an Ostern gearbeitet und soll nun auch an Weihnachten und Silvester ran. Darf der Chef ihm das zumuten? Die Antwort in der Arbeitsrechtskolumne von 

Da staunt selbst der Weihnachtsmann: Der Heiligabend ist kein gesetzlicher Feiertag

Da staunt selbst der Weihnachtsmann: Der Heiligabend ist kein gesetzlicher Feiertag  |  © Martti Kainulainen/AFP/Getty Images

"Ich arbeite in der Service-Abteilung eines Softwareunternehmens. Wir haben an Feiertagen stets eine Notbesetzung: Wir Mitarbeiter wechseln uns regelmäßig mit den Einsätzen ab. Nun habe ich in den vergangenen Jahren entweder an Weihnachten oder Silvester gearbeitet. Dieses Jahr habe ich zudem an Ostern gearbeitet. Jetzt wurde ich erneut für einen Feiertagsdienst an Weihnachten eingeteilt. Gibt es eine bestimmte Anzahl von Feiertagen im Jahr, die frei sein müssen?", fragt Ronny Zielke

Sehr geehrter Herr Zielke,

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es herrscht der weitverbreitete Irrtum, dass Mitarbeiter am Heiligabend und an Silvester nicht arbeiten müssen. Heiligabend und Silvester sind jedoch KEINE gesetzlichen Feiertage. Existieren also keine speziellen betrieblichen Besonderheiten, muss gearbeitet werden. Der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sowie Neujahr gelten allerdings als gesetzliche Feiertage.

Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

Laut Arbeitszeitgesetz dürfen Sie an gesetzlichen Feiertagen nicht zwischen 00.00 und 24.00 Uhr arbeiten. In Betrieben mit regelmäßiger Tag- und Nachtschicht können der Beginn und das Ende der 24-stündigen Betriebsruhe um bis zu sechs Stunden vor- oder zurückverlegt werden.

Das Arbeitszeitgesetz regelt allerdings auch etliche Ausnahmen für bestimmte Tätigkeiten und Branchen, wo Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen tätig werden dürfen. Ihr Arbeitgeber muss selbst prüfen, ob die von ihm verlangten Tätigkeiten unter die Ausnahmen fallen, denn er trägt das Risiko einer Sanktion bei Missbrauch.

Als Ausnahmen gelten alle Arbeiten, die an Sonn- und Feiertagen nicht ruhen können, ohne einen wirtschaftlichen Schaden zu erzeugen . Dazu gehören beispielsweise Arbeiten mit vergänglichen Gütern wie Lebensmittel. Aber auch die Reinigung und Instandhaltung von Einrichtungen fallen darunter, wenn sie den Fortgang des Betriebes bedingen. Auch Produktionsarbeiten, bei deren zeitlicher Unterbrechung weit mehr Arbeitnehmer für die Arbeiten beschäftigt werden müssten, sind akzeptierte Ausnahmen.

Für ganze Branchen gibt es außerdem Ausnahmen: Dazu gehören Energie- und Versorgungsbetriebe, das Abfall- und Entsorgungsgewerbe, die Tages- und Sportpresse, Rundfunk und Fernsehen, Bewachungsunternehmen, Not- und Rettungsdienste sowie Feuerwehr, Musik- und Freizeiteinrichtungen, Messen, Märkte und Volksfeste – um nur einige zu nennen. Für bestimmte Bereiche gibt es zudem Sonderverordnungen, beispielsweise für Verkaufsstellen nach dem Ladenschutzgesetz oder die Eisen- und Stahlindustrie.

Leserkommentare
    • TDU
    • 08. Dezember 2010 11:00 Uhr

    Sollter er Familie haben nebst Ehe: scheiden lassen, Hartz IV und mit dem Alleinerziehenden Bonus geht es besser.

  1. Ich glaube die Frage war eher ob die Dienste gleichmässig unter den Angestellten verteilt werden müssen, oder ob der Chef z.B. weil er einige Angestellte für weniger befähigt hält diese von den Diensten ausnehmen kann.

    Das könnte man ja ebenfalls für eine gezieltes Mobben von Mitarbeitern einsetzen.

  2. In Deutschland gibt es zu viele Feiertage und die Hälfte davon sind christlicher Natur. Immer mehr Menschen wenden sich ab und nutzen die Feiertage als willkommene freie Tage; immer beliebt auch die „Brückentage“ dann wird da mal ganz schnell ein Kurzurlaub von 4 oder 5 Tagen, davon einer meistens im Stau. Fragen man die Menschen nach dem Sinn eines Feiertages ist man überrascht. Meiner Meinung nach sollten die kirchlichen Feiertage abgeschafft werden, andere sollten auf ein Minimum reduziert werden. Wer sich an Feierlichkeiten beteiligen will, soll das aber tun dürfen über Sonderurlaub, ansonsten gilt: Normaler Arbeitstag, keine Probleme mit Benachteiligung. Es arbeiten ohnehin schon zu viele Menschen an solchen Tagen und ich betrachte es als eine Frechheit und Arroganz, wenn Bürger, die sich jeden „Brückentag“ mit einem Urlaub belohnen, dann noch von anderen z.B. im Einzelhandel verlangen, des Sonntags zu arbeiten, weil ja sonst keine Zeit zum shoppen ist. Nach meiner Idee steht dann dafür wieder reichlich Zeit zur Verfügung.
    Leider wird dies nicht möglich sein, wir sollten allerdings mal drüber nachdenken. Die Zeit dafür haben wir ja jetzt.

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    ...wenn dort ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag fallen sollte, ist dann anstatt entweder der Freitag davor bzw. der Montag danach frei. So geht kein Feiertag verloren.

    Gegen unbezahlte Überstunden im Homeoffice an Sonn- und Feiertagen wehrt sich kein Chef, also nur zu!
    Was freilich die ausufernden geöffneten Sonn- und Feiertage anbelangt, da haben Sie Recht. Der Einzelhandel zahlt extrem schlecht, hat viele Mini-Jobs u.ä. und extrem familienfeindliche Arbeitszeiten. Ich erinnere mich noch an den Ladenschluss um 18:30, heute existiert er werktags in vielen Bundesländern gar nicht mehr. Der Einzelhandel ist nicht die Feuerwehr oder das Wasserwerk, die zwangsläufig stets verfügbar sein müssen. Freilich wäre heute der Ladenschluss um 18:30 tatsächlich ein Problem, da sich die Arbeitszeiten immer mehr ausweiten... Daher bin ich auch strikt gegen eine Abschaffung weiterer Feiertage, schließlich sind Dank Tarifflucht gesetzlicher Mindesturlaub und unbezahlte Überstunden ohnehin schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme.

    • Wombel
    • 14. Dezember 2010 19:50 Uhr

    In Niedersachsen gibt es 9 gesetzliche Feiertage,1.Neujahr 2.Karfreitag 3.Ostermontag 4.Tag der Arbeit 5.Christi Himmelfahrt 6.Pfingstmontag 7.Tag der Deutschen Einheit 8.erster Weihnachts Tag 9.zweiter Weihnachtstag mehr nicht!!! Wenn man berücksichtigt das Neujahr von Papst Innozenz XII als Feiertag eingeführt wurde bleiben nocj 2 nicht Kirchliche Feiertage. Da braucht es schon ne menge Brückentage. Aber man sollte auch fragen ob es wirklich auch noch anderes als Arbeit im Leben geben sollte.

    • sturmi
    • 24. März 2012 1:01 Uhr

    WOW, da spricht doch mal ein Arbeitgeber, den leuten nichtmal ne pause gönnen, oder nen kurzurlaub, obwohl man sich für den arbeitgeber den ar... aufreist, ohne mal ein dank zu höhren. das fette geld kommt rein, man sollte sich mal fragen wer es rein bringt!?
    Ich bin auch selbstständig, und arbeitnehmer.
    Ich sehe beide seiten, das ist zum vorteil, um zu verstehen.
    Ich bin sauer, habe frau und kind, mache in der woche min. 50 überstunden, gehe samstags und sonntags 10-14 std. arbeiten, meine freien tage bekomme ich kaum, weil der arbeitgeber zu geizig ist noch einen einzustellen. der arbeitgeber, geht jeden tag um 14 uhr nach hause außer donnerstag bis 18uhr. hat jedes wochenende frei, dem interessiert es gar nicht, das sein arbeiter die ganzen stunden reisst und wochenenden durcharbeitet, das seine familie ihn schon gar nicht mehr kennt ( mit Sie anspricht).
    wenn ich sowas höhre, was Sie da von sich geben, bekomme ich nen puls von 180.
    am besten noch dankbar sein, das ich mir den ar... für jemanden wie sowas aufreisse und dann wenn man in rente geht nur noch tot umfällt, ja, und dann heißt es noch, hätte er weiter gearbeitet, wäre das nicht passiert.

  3. ...wenn dort ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag fallen sollte, ist dann anstatt entweder der Freitag davor bzw. der Montag danach frei. So geht kein Feiertag verloren.

    Antwort auf "Des Guten zuviel"
  4. Gegen unbezahlte Überstunden im Homeoffice an Sonn- und Feiertagen wehrt sich kein Chef, also nur zu!
    Was freilich die ausufernden geöffneten Sonn- und Feiertage anbelangt, da haben Sie Recht. Der Einzelhandel zahlt extrem schlecht, hat viele Mini-Jobs u.ä. und extrem familienfeindliche Arbeitszeiten. Ich erinnere mich noch an den Ladenschluss um 18:30, heute existiert er werktags in vielen Bundesländern gar nicht mehr. Der Einzelhandel ist nicht die Feuerwehr oder das Wasserwerk, die zwangsläufig stets verfügbar sein müssen. Freilich wäre heute der Ladenschluss um 18:30 tatsächlich ein Problem, da sich die Arbeitszeiten immer mehr ausweiten... Daher bin ich auch strikt gegen eine Abschaffung weiterer Feiertage, schließlich sind Dank Tarifflucht gesetzlicher Mindesturlaub und unbezahlte Überstunden ohnehin schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme.

    Antwort auf "Des Guten zuviel"
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    @Kaffeebecher: Ich meine gerade den Einzelhandel. Nirgendwo sind die Leute doch besch... dran als im deutschen Einzelhandel, immer mehr Billigjobs und Arbeitszeiten...
    Bis 20.00 Uhr ist normal, aber ab 19:00 Uhr fallen beim hochsubventionierte Nahverkehr viele Verbindungen weg, bzw werden die Zeiten ausgedünnt. Und Brückentage sind für die Beschäftigten im ÖD /Verwaltung eine feine Sache, die Verkäuferin und der Verkäufer hat nichts davon. Und wenn dann diese Menschen auch noch an Sonn- und Feiertagen arbeiten sollen, dann hat die christliche Ethik doch einen Schatten. ich gebe Ihnen Recht, die Tarifflucht kotzt mich an und das Verhalten der Regierung zu Mindestlohn und prekrärer Beschäftigung macht mich wütend. Wegen Ihrer Sachlichkeit habe ich eine Leserempfehlung gegeben. Bleiben Sie gelassen; ändern wird sich ohnehin nichts. Jedenfalls nicht zum Guten.

  5. @Kaffeebecher: Ich meine gerade den Einzelhandel. Nirgendwo sind die Leute doch besch... dran als im deutschen Einzelhandel, immer mehr Billigjobs und Arbeitszeiten...
    Bis 20.00 Uhr ist normal, aber ab 19:00 Uhr fallen beim hochsubventionierte Nahverkehr viele Verbindungen weg, bzw werden die Zeiten ausgedünnt. Und Brückentage sind für die Beschäftigten im ÖD /Verwaltung eine feine Sache, die Verkäuferin und der Verkäufer hat nichts davon. Und wenn dann diese Menschen auch noch an Sonn- und Feiertagen arbeiten sollen, dann hat die christliche Ethik doch einen Schatten. ich gebe Ihnen Recht, die Tarifflucht kotzt mich an und das Verhalten der Regierung zu Mindestlohn und prekrärer Beschäftigung macht mich wütend. Wegen Ihrer Sachlichkeit habe ich eine Leserempfehlung gegeben. Bleiben Sie gelassen; ändern wird sich ohnehin nichts. Jedenfalls nicht zum Guten.

    • lung
    • 10. Dezember 2010 17:47 Uhr

    Wenn keiner sonntags kaufen würde, wären die Geschäfte schnell zu. So sind wir doch die Schuldigen. Warum rufen die Gewerkschaften nicht ihre Mitglieder auf, aus Solidarität mit den im Einzelhandel arbeitenden sonntags nicht einzukaufen. Auch die Kirchen könnten mehr tun. Das fängt bei den frischen Brötchen am Sonntagmorgen an und geht bis zum Verkaufsoffenen Sonntag. Viel zu viele gehen in die Geschäfte, als ob in der Woche nicht Zeit genug wäre. Wenn das Geschäft läuft, wird der Ruf nach mehr verkaufsoffenen Feiertagen immer größer. Es fängt klein an und wird immer mehr (sogenannte Salamitaktik, immer scheibchenweise). Umgekehrt gilt auch: Kein Umsatz kein Wunsch nach Ladenöffnung. Also Solidarität mit den Verkäuferinnen und Verkäufern: Am Sonntag wird nicht eingekauft.

    • Wombel
    • 14. Dezember 2010 19:50 Uhr

    In Niedersachsen gibt es 9 gesetzliche Feiertage,1.Neujahr 2.Karfreitag 3.Ostermontag 4.Tag der Arbeit 5.Christi Himmelfahrt 6.Pfingstmontag 7.Tag der Deutschen Einheit 8.erster Weihnachts Tag 9.zweiter Weihnachtstag mehr nicht!!! Wenn man berücksichtigt das Neujahr von Papst Innozenz XII als Feiertag eingeführt wurde bleiben nocj 2 nicht Kirchliche Feiertage. Da braucht es schon ne menge Brückentage. Aber man sollte auch fragen ob es wirklich auch noch anderes als Arbeit im Leben geben sollte.

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