ZEIT ONLINE: Herr Häusler, Sie wollen mit ihrem Unternehmen den Journalismus verändern. Wie?

Felix Häusler: Meine beiden Partner, Leo Fasbender und Gabor Guzmics und ich planen eine Art Youtube für Texte. Newsgrape soll eine Plattform sein, auf der sich Leser und Schreiber auf einer Ebene treffen. Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber auch auf ZEIT ONLINE gibt es die Redaktion auf der einen Seite und die Nutzer auf der anderen. Die Leser dürfen die Texte kommentieren und manchmal antwortet ein Autor auch – aber wirklich gleichberechtigt sind Leser und Schreiber bei den klassischen Medien im Internet nicht. 

ZEIT ONLINE: In Redaktionen schreiben Journalisten für die Leser Nachrichten, bewerten sie und ordnen sie ein. Sie haben eine entsprechende Ausbildung.

Häusler: Das ist auch gut und richtig so. Newsgrape ermöglicht aber ein bisschen mehr für alle: Die Schreiber können ihre Texte sehr vielen Lesern zugänglich machen, die Leser finden die Texte, die sie interessieren, ohne sich viele verschiedene Zeitungen kaufen zu müssen oder mühsam interessante Texte in den Blogs zu suchen. Newsgrape bringt Leser und Schreiber zusammen.

ZEIT ONLINE: Das macht doch jede Suchmaschine auch.

Häusler: Das hängt von der Suchmaschinenoptimierung der Texte ab. Und dann weiß ich immer noch nichts über die Qualität des Artikels. Bei Newsgrape gibt es eine optimierte Suche, welche auch die Qualität misst. Denn die Nutzer kommentieren und bewerten die Artikel auch.

ZEIT ONLINE: Hat nicht jeder im Netz schon jetzt die Möglichkeit, seine Texte zu veröffentlichen?

Häusler: Schon, aber nur sehr wenige Blogs haben auch eine hohe Anzahl an Lesern. Die Bloggingwelt lässt sich mit vielen kleinen Fachgeschäften in einer Stadt vergleichen. Man muss sie kennen und sehr lange Wege zurücklegen, um alles zu bekommen, was man braucht. Effizienter ist ein Einkaufszentrum, in dem alle Geschäfte unter einem Dach zu finden sind. Genauso funktioniert Newsgrape – und zwar international. Wir denken nicht in Ländern, aber in Sprachen. Der Nutzer kann die Sprache der Oberfläche und die Sprache der Artikel wählen. Auf Newsgrape findet man Texte von den verschiedensten Autoren zu den verschiedensten Themen. Der Nutzer kann die Autoren abonnieren. Leser und Schreiber können Texte und Autoren Charts, Kategorien, Genres, Tags und Rubriken zuordnen. Alle können kommentieren. Es ist auch möglich, Magazine zu gründen.

ZEIT ONLINE: Klingt eher nach einer Schülerzeitung für alle. Wie wollen Sie Qualität gewährleisten, wenn jeder Hobbyschreiber die Plattform nutzt?

Häusler : Ein Algorithmus errechnet und bewertet die Qualität jedes Beitrags anhand des Leseverhaltens seiner Leser. Qualität entsteht quasi von selbst und garantiert so eine niveauvolle Lektüre. Im Idealfall steigen die großen Verlage mit ein und veröffentlichen die Artikel ihrer Journalisten. Das dürfte sich auch deshalb lohnen, weil wir die Schreiber mit 75 Prozent an den Werbeerlösen beteiligen.

ZEIT ONLINE: Warum sollten die Verlage das tun und damit ihre eigenen Onlinemedien kaputt machen?

Häusler: Das wollen wir gar nicht, wir wollen Partner der etablierten Medien sein. Die Verlage könnten Kurzfassungen ihrer Artikel bei uns veröffentlichen, um so neue Leser und Zielgruppen anzusprechen und zusätzlich ihre Werbeeinnahmen zu erhöhen.