Hoffentlich hat er sich richtig gekleidet: Ein Mann betritt die UBS-Filiale in Manhatten © Chris Hondros/Getty Images

Es war wahrscheinlich gut gemeint, brachte der Bank aber viel Häme ein. Ein zunächst für Angestellte in fünf Pilot-Filialen der Großbank UBS gedachtes 52-seitiges Papier mit Bekleidungs-Tipps und -Richtlinien löste Häme in den Medien aus und veranlasste die Bank zum Wochenende zu einem internen Memo, um, wie es dort hieß, Ungenauigkeiten und Missverständnisse auszuräumen.

In dem "UBS Corporate Wear Dress Guide for Women und Men" ist Nützliches mit eher Trivialem gemischt. Es gibt eine Anleitung, wie der Windsor-Knoten einer Krawatte zu binden ist, aber auch die Vorschrift, dass weibliche Angestellte hautfarbene Unterwäsche und Seidenstrümpfe zu tragen hätten. Männer sollten rasiert und nicht mit Dreitage-Bart zur Arbeit erscheinen. "Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie einen elektrischen Rasierer benutzen oder sich auf die altmodische Art rasieren", hieß es in der auf Englisch und Französisch vorliegenden Broschüre. Zu erfahren ist auch, dass Schminke Frauen kompetenter aussehen lässt und dass man unter der Woche möglichst keinen Knoblauch essen sollte.

UBS war in der Finanzkrise fast unter die Räder gekommen , musste Staatshilfe in Anspruch nehmen und in der Schweizer Öffentlichkeit viel Kritik einstecken. Um die zum Teil abgewanderten Kunden wieder zurückzuholen, hat die Bank eine Image-Kampagne entwickelt, die vom Formel-1-Sponsoring bis zur optischen Auffrischung der rund 300 Filialen in der Schweiz reicht, die am Ende ein einheitliches Erscheinungsbild aufweisen sollen.

Im Kern gehe es darum, dass Angestellte einen dunklen Anzug mit weißem Hemd oder Bluse, eine rote Krawatte oder ein Halstuch und schwarze Schuhe zu tragen haben, hieß es in dem am Freitag verfügten Memo. Die Vorschriften würden angewandt, wenn die ersten der neu renovierten Filialen wieder eröffneten.

Ursprünglich seien die Richtlinien 2009 für Menschen geschrieben worden, die bei Drittfirmen angestellt sind und vorübergehend auf Veranstaltungen der UBS arbeiten, erklärte ein Sprecher. Sie wurden dann wohl auf den Empfangsbereich und auf Fahrer ausgeweitet. Es handele sich mehr um Empfehlungen als um harte Vorschriften, sagte der Sprecher. Ob alle Filial-Angestellten in der Schweiz sich mit den 52 Seiten vertraut machen müssen, hänge auch davon ab, wie die Belegschaft in den Pilot-Filialen darauf reagiere.