Gute VorsätzeUnd nächstes Jahr werde ich Chef

Motivierter sein, endlich "nein" sagen können oder sich nicht mehr so stressen: ZEIT ONLINE zeigt fünf gute Vorsätze für die Karriere und wie man sie umsetzen kann. von 

Ich will nicht mehr so faul sein

Der gute Vorsatz: Ach ja, wenn Sie sich nur aufraffen könnten! Ein bisschen mehr für den Job brennen, sich aktiver in die Konferenz einbringen, eine Idee äußern und auch umsetzen – und nicht immer schon fünf Minuten vor Fünf das Büro verlassen. Dann würden Sie sich bei der Weihnachtsfeier über das Lob vom Chef und 3000 Euro Sonderbonus freuen. Und wer weiß? Vielleicht klappt dann auch der Sprung auf der Karriereleiter? Schaden könnte ein wenig mehr Motivation jedenfalls nicht. Wäre da nicht der innere Schweinehund.

Das sagt die Trainerin: " Etwas mehr Tatendrang zu zeigen, ist ein beliebter Vorsatz", sagt Business-Coach Bettina Stackelberg. Ihre Klienten fragt sie allerdings zunächst, woher der Wunsch überhaupt kommt. "Wollen Sie nur mit anderen Kollegen gleichziehen, auch wenn Ihnen Karriere gar nicht so viel bedeutet? Wollen Sie möglicherweise nur Karriere machen, weil Ihre Eltern oder Ihr Partner das möchten?", gibt Stackelberg zu bedenken. Erst wenn die intrinsischen Motive, also die eigen bestimmten, verstanden werden, lässt sich auch beurteilen, ob der Vorsatz Aussicht auf Erfolg hat. "Sich stärker im Job zu engagieren, ist mit Anstrengung verbunden. Darum sollte man auch überzeugt davon sein, dass sich diese Anstrengung lohnt", sagt die Trainerin.

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Um den Vorsatz in die Tat umzusetzen , empfiehlt sie ihren Klienten zum Beispiel einen Vertrag mit sich selbst abzuschließen. Darin sollte das Ziel und wie man es erreichen möchte in realistischen Schritten und mit einem realistischen Zeitplan festgehalten werden. Ein Passus sollte eine Belohnung bei Erfüllung und eine Strafe bei Nicht-Erfüllung vorsehen. "Das klingt zunächst vielleicht lächerlich. Aber man kann nur etwas schriftlich formulieren, das man sich auch klar gemacht hat", sagt die Trainerin. Auch sollte der Einsatz ernst gemeint sein. Eine von Stackelbergs Klientinnen, eine Juristin, hatte Schwierigkeiten mit dem Lernen für das Staatsexamen. Also schloss sie einen Vertrag mit sich selbst ab, der vorsah, dass sie sechs Wochen lang auf ihr Auto verzichten würde, wenn sie durchfiel.

Ich will neue Aufgaben übernehmen

Der gute Vorsatz: Eigentlich ist die Arbeit okay. Nur gehen alle Aufgaben mittlerweile routiniert von der Hand. Schlimm ist das nicht, aber manchmal könnte der Job doch spannender sein. Eine Herausforderung muss her. Nicht gleich den Job wechseln, aber vielleicht den Aufgabenbereich?

Bettina Stackelberg
Bettina Stackelberg

Bettina Stackelberg arbeitet seit 20 Jahren als Coach und Trainerin. Sie ist Autorin verschiedener Bücher, darunter Selbstbewusstsein: Das Trainingsbuch und Angstfrei arbeiten.

Das sagt die Trainerin: "Neue Herausforderungen sind wichtig für die persönliche Entwicklung. Viele, die jahrelang das Gleiche tun, beginnen sich zu langweilen. Damit lassen auch Konzentration und Effizienz nach", sagt Bettina Stackelberg. Trotzdem sollte man nicht gleich einen Termin mit dem Vorgesetzten vereinbaren. Auch bei diesem Wunsch sollten sich Arbeitnehmer zunächst fragen, warum sie den Bereich verändern wollen und auch, ob sie den neuen Aufgaben gewachsen sind.  "Es ist wichtig, alle Auswirkungen mitzubedenken. Wer eine Projektleitung übernehmen möchte, muss sich klar darüber sein, dass dies mit mehr Arbeit verbunden ist. Geht das mit der Familie?", fragt die Beraterin. Sie empfiehlt diese Fragen mit Vertrauten zu erörtern. Steht am Ende dieser Analyse immer noch der Entschluss, ist gründliche Vorbereitung für das Gespräch mit dem Chef wichtig. Was würde sich verändern und wie profitiert das Unternehmen von dem Aufgabenwechsel? Die Argumente müssen überzeugend sein. "Chef, ich langweile mich – dieser Satz reicht wahrscheinlich nicht aus", sagt Stackelberg. "Sprechen Sie möglichst nicht im Konjunktiv und treten Sie selbstbewusst auf. Der Vorsatz wird gelingen, wenn Sie vorher eine gründliche Analyse gemacht haben, gut vorbereitet sind und deutlich kommunizieren", sagt die Trainerin.

Ich will endlich "nein" sagen können

Der Vorsatz: Immer wenn es um ungeliebte Arbeiten, um Diensttausch am Wochenende oder darum geht, einen Kaffee aus der Kantine mitzubringen, kommen die Kollegen zu Ihnen? Herzlich willkommen im Club der Gutmütigen. Manches wäre so einfach, wenn man einfach mal eine Bitte abschlagen könnte. Aber das Risiko, dass die Kollegen sauer sind, wollen Sie lieber nicht eingehen. 2011 soll das anders werden. Ab jetzt ist Schluss mit Liebsein, jetzt wird "nein" gesagt. Wirklich?

Das sagt die Trainerin: "Das ist ein Problem, das ich vor allem von Frauen kenne. Hilfsbereit zu sein und anderen einen Gefallen zu tun ist etwas, das eher der weiblichen Geschlechterrolle entspricht", sagt Bettina Stackelberg. Sie rät den künftigen Nein-Sagern, sich zunächst mit der eigenen Harmoniesucht auseinanderzusetzen. Warum fällt es so schwer, die eigenen Interessen zu vertreten? "Die meisten fürchten sich davor, nicht mehr geliebt zu werden. Sie haben Angst vor Konflikten." Die Trainerin rät, im Alltag zu üben. "Wenn der Verkäufer an der Wursttheke 130 statt der verlangten 100 Gramm abschneidet, können Sie 'nein' sagen und sich dabei beobachten: Wie fühlt sich das an? Sie werden bemerken: Wer 'nein' sagt, ist nicht gleich eine hysterische Zicke", so Stackelberg. Auch gebe es Alternativen zum Nein. "Sie können sagen, dass sie jetzt nicht, aber später helfen könnten. Oder Sie verweisen an jemand, der anstelle von Ihnen hilft. Sie müssen es nur ausprobieren!"

Leserkommentare
  1. "Ich will nicht mehr so faul sein" und "Ich will mich nicht mehr so stressen lassen", beide Sätze haben das gleiche Problem wie "Ich will nicht mehr rauchen": Das Unterbewusstsein hört das NICHT nicht. Das ist auch der Hintergrund für das "positive Denken".

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  • Schlagworte Chef | Trainer | Freizeit | Hobby | Karriere | Vertrag
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