Ich arbeite als Vertriebsassistentin 20 Stunden die Woche in Teilzeit. In meinem Arbeitsvertrag findet sich der Passus "Wettbewerbsverbot", der besagt, dass ich "meine berufliche Arbeitskraft ausschließlich für die Belange der Arbeitgeberin zur Verfügung zu stellen" habe, und ein Verstoß gegen diese Bestimmung die Arbeitgeberin zur "Kündigung aus wichtigem Grunde" berechtigt. Darf mir mein Arbeitgeber tatsächlich grundsätzlich eine zusätzliche Tätigkeit verbieten? Auch wenn meine Teilzeitstelle dadurch nicht beeinträchtigt wird? Und selbstverständlich wäre der Zweitjob auch nicht bei einem direkten Wettbewerber!, fragt Claudia Perk

Sehr geehrte Frau Perk,

Sie können unbesorgt sein, denn grundsätzlich können Arbeitnehmer – ungeachtet der Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung – einer Nebentätigkeit auch ohne eine ausdrückliche Genehmigung des Arbeitgebers nachgehen .

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Durch Ihre Teilzeitstelle haben Sie Ihrem Arbeitgeber bei Abschluss des Arbeitsvertrages nicht Ihre ganze Arbeitskraft, sondern nur eine bestimmte Zeitspanne zur Verfügung gestellt. Daraus folgt, dass es Ihnen frei steht, eine Nebenbeschäftigung aufzunehmen und zwar auch dann, wenn Ihr Arbeitgeber dies nicht genehmigt hat. Nur Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich Nebentätigkeiten genehmigen zu lassen.

Häufig beinhalten Arbeitsverträge Bestimmung wie diese, die auch Sie in Ihrem Arbeitsvertrag haben. Häufige Formulierungen sind: "Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses ist jede unentgeltliche oder entgeltliche Nebenbeschäftigung unzulässig" oder "Nebentätigkeiten bedürfen der Zustimmung des Arbeitgebers". Solche Klauseln beschränken Arbeitnehmer aber unangemessen in ihrer Berufsfreiheit. Darum sind sie unzulässig.

Unzulässig sind auch Formulierungen, die bei einem etwaigen Verstoß eine fristlose Kündigung als "logische Konsequenz" in Aussicht stellen – so wie in Ihrem Vertrag. Ob in einem solchen Fall eine Kündigung gerechtfertigt ist oder nicht, bedarf immer der Einzelfallprüfung und unterliegt keinem Automatismus.

Damit Sie noch eine Orientierung haben, welche Nebentätigkeiten für Sie infrage kommen, hier eine Liste von Gründen, die vonseiten des Arbeitgebers gegen die Nebentätigkeit eines Mitarbeiters sprechen können. Die meisten Gründe sprechen eigentlich für sich selbst:

- Der Mitarbeiter macht mit seiner Nebentätigkeit seinem Arbeitgeber Konkurrenz.

- Der Mitarbeiter übt seinen Nebenjob bei einem Mitbewerber seines Arbeitgebers aus.

- Die Arbeitszeiten beider Tätigkeiten überschneiden sich.

- Die Arbeitszeiten beider Jobs führen zur Überschreitung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit.

- Durch die Nebentätigkeit hält der Mitarbeiter nicht die gesetzlichen Ruhezeiten ein.

Treffen diese Gründe bei der von Ihnen gewählten Nebentätigkeit nicht zu, dürfen Sie diesen Nebenjob grundsätzlich annehmen.

Mitarbeiter sollten allerdings generell darauf achten, dass ihre Nebenbeschäftigung nicht ihren Hauptberuf behindert oder gegen das berechtigte Interessen des Arbeitgebers verstößt. Wie Sie schreiben, haben Sie dies ohnehin nicht vor.

Ihr Ulf Weigelt