Über ihren Beruf scheiden sich die Geister. Von "iih, wie eklig" bis "ach, das ist ja interessant!" hat Ruth Ilka Nüß schon alle möglichen Kommentare gehört, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt hat. Sie arbeitet als Tierpräparatorin im Bremer Überseemuseum und hat sich daran gewöhnt, dass ihr Beruf oft als gruselig empfunden wird. "Das ist ein Image, mit dem wir zu kämpfen haben", sagt sie.

Dabei ist die Arbeit vielseitig . Vom Zeichnen und wissenschaftlichen Arbeiten bis zum Schlachten und Ausnehmen reichen die Tätigkeiten. Zumeist bekommen die Präparatoren die toten Tiere aber bereits im gefrorenen Zustand angeliefert. Gelegentlich liegt nur die Haut vor, aus der ein ganzes Präparat entstehen soll. "Manchmal bekommen wir Tiere auch als Alkoholpräparat, die dann zu einem Standpräparat auf- und umarbeitet werden sollen", sagt Nüß.
Das früher übliche Ausstopfen eines Tieres ist heute nicht mehr gebräuchlich. Stattdessen fertigen die Präpartaoren sogenannte Dermoplastiken an. Dabei bringen sie beispielsweise das Fell einer Antilope auf einen künstlichen, anatomisch korrekten Körper auf. Der künstliche Körper besteht entweder aus Gips oder Kunststoff.

© Tim Boyle/Getty Images

Um die richtige Form des Körpers zu rekonstruieren wird zunächst das Fell des toten Tieres abgezogen, anschließend wird das Tier ausgenommen und das Skelett freigelegt. Die Präparatoren richten es anschließend erneut auf und bilden an ihm die Körperform nach. "Das Modell muss anatomisch korrekt sein, weil sonst die Haut nicht drüberpasst. Das ist sozusagen umgekehrte Maßschneiderei. Wir haben die Jacke und machen den Körper", sagt erklärt Ruth Ilka Nüß. Anschließend erstellen die Präparatoren eine Negativform. In sie wird das Material gegossen, aus dem der künstliche Tierkörper später bestehen soll. Erst wenn dieser Körper fertig ist, kann auch die alte Haut oder das alte Fell aufgezogen werden. "Vom Originaltier sieht der Besucher wirklich nur das Fell oder die Haut. Alles andere, Augen beispielsweise, ist künstlich", erklärt die Präparatorin.

Doch wie ist das, wenn man täglich mit toten Tieren hantiert, wird das Tier dann zum Arbeitsgegenstand? "Nein, man baut sogar eine Beziehung dazu auf. Das Tier bekommt einen Namen, das wird abends verabschiedet", erzählt Ruth Ilka Nüß und lacht. Wichtig ist ihr klar zu stellen, dass Tiere nicht zu Ausstellungszwecken getötet werden. "Das war früher in den fünfziger Jahre so, heute kommt das aber nicht mehr vor."

Tierpräparatoren sind Handwerker, Bildhauer und Maler zugleich. "Einige Tiere, Fische oder Reptilien werden auch angemalt. Man könnte auch bei diesen Tieren die Originalhaut verwenden, aber das ist sehr kompliziert und teuer." Bisweilen kommt es sogar vor, dass die Tierpräparatorin Nachbildungen nur anhand von Bildern oder Filmsequenzen erstellt. "Manchmal bekomme ich nur die Haut und einige Bilder. Das ist besonders anspruchsvoll", sagt Nüß.

Natürlich müssen sich die Präparatoren gut mit Biologie, Fauna und Flora auskennen. Aber auch in Chemie sollten sie gut sein. Und sie müssen die Metall, Kunststoff- und Holzbearbeitung beherrschen und Abformtechniken kennen. Aber auch Büro- und Verwaltungsaufgaben fallen an.

Besonders wichtig in diesem Beruf ist außerdem die Hygiene. Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Präparationstechnischen Assistenten oder zur staatlich anerkannten Präparationstechnischen Assistentin, wie die eigentliche Berufsbezeichnung heißt, dauert drei Jahre. Sie erfolgt an der Berufsfachschule für Präparationstechnische Assistenten in Bochum. Es ist die einzige Schule in Deutschland. Später können sich die Fachkräfte auf die Bereiche Medizin, Geowissenschaften oder Biologie spezialisieren. Unter letzteren fällt auch die Tierpräparation.

Voraussetzung für die Ausbildung ist die mittlere Reife, Interesse an Naturkunde, etwas künstlerische Begabung und handwerkliches Geschickt. Auch fit sollten die Bewerber sein, denn die Arbeit ist körperlich anstrengend. "Bei großen Tieren ist das Schlachten richtige Knochenarbeit", erzählt die Bremer Tierpräparatorin.

Der Beruf ist selten. In Deutschland gibt es nur ungefähr 1000 Menschen, die als Tierpräparatoren arbeiten. Meist sind sie in Museen und Forschungsinstituten angestellt oder arbeiten selbstständig und stellen für Jäger oder Schulen Präparate her. Jährlich werden 20 bis 30 Lehrlinge an der Schule ausgebildet. Ihre Jobchancen sind gut. "Momentan werden wieder Präparatoren gesucht", sagt Nüß.

Schattenseiten gibt es für sie in ihrem Beruf so gut wie nicht. Außer vielleicht die Arbeitszeiten. Vor Ausstellungen kann es auch mal sein, dass Überstunden geschoben werden müssen und man auch mal am Wochenende arbeiten muss.

Ihr eigenes Haustier präparieren würde Nüß übrigens nicht. "Das ist fast so, als würde man sich die eigene Großmutter nach dem Tode ausgestopft auf den Sessel setzen."

  • Gehalt: TvöD, Entgeltgruppe 6 bis 10, das entspricht einer monatlichen Vergütung zwischen 1945 und 3775 Euro/brutto, abhängig von den Berufsjahren
  • Arbeitszeit: zwischen 37,5 und 40 Stunden/Woche
  • Ausbildung: dreijährige, schulische Ausbildung an der an der Berufsfachschule für Präparationstechnische Assistenten in Bochum mit Abschluss Präparationstechnische/r Assistent/in