WeinküferKellerarbeiter bei der Weinherstellung

Ein Beruf im Wandel: Früher stellten Weinküfer nur die Fässer für das Getränk her. Heute begleiten sie die ganze Weinherstellung von der Lese bis zum Abfüllen. von 

"Wein ist der befeuernde Geist aller Feste und der König aller Getränke", sagte einst Theodor Heuss. Die Begeisterung für den Trank aus dem vergorenen Saft der Weinrebe ist bis heute ungebrochen, einer Studie des kalifornischen Wine-Institute zufolge konsumierten die Deutschen 2008 pro Kopf mehr als 24 Liter des alkoholischen Getränks.

Recht unbekannt ist dagegen der Beruf des Weinküfers. Der Küfer kümmert sich um den kompletten Prozess der Weinherstellung. Die Arbeit ist abwechslungsreich und wird von den Jahreszeiten bestimmt. "Es gibt einen Jahreszyklus, die einzelnen Arbeiten bauen aufeinander auf. Weinküfer begleiten den Wein von der geernteten Traube bis zum Abfüllen in die Flasche", sagt Jürgen Wörthmann, Bundesvorsitzender des Verbands des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks e.V..

Anzeige

Hochsaison ist im Herbst, wenn die Trauben geerntet werden. Nach der Weinlese prüfen die Weinküfer das Gewicht und den Säuregehalt der Trauben. Erst dann darf der Wein gekeltert, die Trauben also ausgepresst werden. Mit dem Gärungsprozess beginnt der Wein innerhalb der kommenden Wochen und Monate zu reifen. Weinküfer nennen diesen Arbeitsprozess Ausbau. "Zum Weinausbau gehört die Abtrennung von der Hefe, die Filtration und stete Analyse des entstehenden Weines. Je nach Weinsorte kann dieser Prozess sogar mehrere Jahre dauern", erklärt Jürgen Wörthmann. Die Küfer müssen den Wein während dieser Zeit ständig kontrollieren. Wenn er zu sauer wird, müssen sie eingreifen.

© Tim Boyle/Getty Images

Dabei helfen ihnen technische Geräte. Am wichtigsten ist jedoch der eigene Geruchs- und Geschmackssinn. "Ein Bewerber mit eingeschränkten Geruchs- und Geschmackssinn wird sich in diesem Beruf schwer tun", sagt Wörthmann.

Ansonsten sind die Ausbildungsvoraussetzungen aber nicht hoch: Ein guter Hauptschulabschluss sowie Interesse an Chemie, Biologie und gute Mathematikkenntnisse reichen aus. Natürlich sollten die Lehrlinge auch gerne Wein trinken. 

Die duale Ausbildung ist staatlich geregelt und dauert drei Jahre. Nach der bestandenen Prüfung dürfen sich die Azubis Weinküfer-Geselle oder -Gesellin nennen.

Zu den Ausbildungsinhalten gehören die Hygiene- und Desinfektionsvorschriften, auch müssen die Lehrlinge den nationalen und internationalen Weinmarkt gut kennen. Auch Grundkenntnisse im Marketing, Kundenberatung und Recht werden während der Lehre vermittelt. "Es gibt ein sehr strenges Weinrecht in Deutschland, das genau regelt, wie die Qualität eines Weines eingestuft wird", sagt Jürgen Wörthmann.

Und schließlich lernen die Auszubildenden, wie man als Weinküfer richtig riecht und schmeckt. "Ja, das kann man lernen", bestätigt Wörthmann, "Anhand von Riechproben wird der Geruchssinn geschärft."

Aber was bedeutet eigentlich die Berufsbezeichnung? "Der Begriff stammt von der Küferei, auch Fassbinderei genannt. Früher war der Weinküfer eigentlich nur für die Herstellung, Reparatur, und Kontrolle der Weinfässer zuständig." Im Laufe der Jahre hat sich das Berufsbild aber gewandelt.

Zu den Schattenseiten zählen auch in diesem Job lange Arbeitszeiten, insbesondere während der Weinlese. Überstunden und Wochenendarbeit sind dann keine Seltenheit. Dafür bieten sich Weinküfern gute Berufsaussichten, besonders im Ausland sind in Deutschland ausgebildete Weinküfer gefragt. Neben der Weinproduktion können die Fachkräfte auch in der Zulieferindustrie, etwa bei einschlägigen Maschinenherstellern oder Weinbehandlungsmittelherstellern, einen Job finden.

  • Gehalt: ab 1500 Euro/brutto, variiert je nach Anbaugebiet
  • Arbeitszeit: 37 bis 40 Stunden/Woche, variiert saisonal
  • Ausbildung: dual, drei Jahre
Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Serie Beruf der Woche
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Theodor Heuss | Auszubildende | Getränk | Wein
    Service