BetriebsausflugMit dem Chef in den Klettergarten

Betriebsausflüge sollen das Betriebsklima fördern und das Unternehmen ganz nebenbei profitabler machen. Mit einmal Turnen mit dem Chef ist es aber nicht getan. von 

Mitarbeiter der Allianz-Versicherung beim Betriebsausflug in den Hochseilgarten

Mitarbeiter der Allianz-Versicherung beim Betriebsausflug in den Hochseilgarten  |  © Allianz

Dem Chef dabei zusehen, wie er langsam durch einen Hochseilgarten wackelt. Wie er Mühe hat, das Gleichgewicht zu halten, in den Tauen hängt und keine elegante Figur abgibt. Und ihm dann ein paar flotte Sprüche zurufen. Da muss er durch, schließlich ist Betriebsausflug.

Tobias Bergmann ist so ein Chef, der Betriebsausflüge in den Hochseilgarten unternimmt. Der Referatsleiter bei der Allianz-Versicherung genießt die gemeinsamen Freizeit-Momente mit seinen Mitarbeitern. "Man hat die Möglichkeit, alle Mitarbeiter mal in ungezwungener Atmosphäre zu erleben. Man kommt viel besser zum Reden, als während des flüchtigen Smalltalks im Büro", sagt der 40-Jährige. Als überzeugter Betriebsausflügler unterstützt er die Vorbereitungen gerne. Etwa 50 Mitarbeiter sind jedes Jahr dabei. Im Herbst ging es in jenen Hochseilgarten. "In den Jahren davor haben wir eine Donauschifffahrt gemacht und die Bavaria-Filmstadt besucht", erzählt Bergmann, "Ach ja, und Isar-Rafting haben wir auch einmal gemacht." Für dieses Jahr gibt es noch keine Pläne. Aber in Kürze wird sich wieder das Organisationsteam um Tobias Bergmann einfinden und nach möglichen Ausflugszielen suchen.

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Warum halsen er und seine Kollegen sich diese Arbeit auf, parallel zum eigentlichen Job? "Weil so ein gemeinsamer Tag immer Spaß macht", sagt Bergmann. Aber, rein aus Chef-Sicht, gebe es auch einen ganz pragmatischen Grund: das Teambuilding. "Wenn die Leute sich im Hochseilgarten gegenseitig sichern, dann arbeiten sie zusammen und müssen sich vertrauen ." Außerdem lerne man sich über die sonst üblichen Büro-Grüppchen hinweg besser kennen und erhalte Einblick in das Arbeitsgebiet des anderen. "Beim nächsten Projekt weiß man dann, wer ein guter Ansprechpartner sein könnte."

Dass Betriebsausflüge helfen, dieses sogenannte transaktive Wissen zu steigern, ist allerdings nicht belegt. "Überhaupt gibt es so gut wie kein empirisches Material zum Thema", sagt Stefan Kunert, Arbeitspsychologe an der Berliner Humboldt-Universität. Um den Sinn von Betriebsausflügen zu verstehen, müsse man daher "einen Gang höher schalten" und sich auf die Abstraktionsebene begeben: "Man geht davon aus, dass sich solche Exkursionen positiv aufs Betriebsklima auswirken." Denn – diese Korrelation immerhin ist nachgewiesen – ein angenehmes Miteinander im Job fördert die Leistung der einzelnen Mitarbeiter und kommt so am Ende dem Unternehmen zugute.

Allerdings: "Betriebsausflüge müssen eingebettet sein in eine ganze Reihe von Maßnahmen", sagt Kunert. Eine gemeinsame Kajaktour, und dann ist das Klima gut, so funktioniere es eben nicht. Für ein angenehmes Betriebsklima seien Orte, die informelle Gespräche im Alltag zulassen – wie etwa die Teeküche – deutlich wichtiger. Elementar seien auch ein "mitarbeiterorientierter Führungsstil" und genügend Freiräume für die Angestellten. Ein weiterer Klima-Baustein können dann eben die Betriebsausflüge sein.

Auch ohne isolierte Messung, Tobias Bergmann von der Allianz ist sich sicher, dass die Betriebsausflüge seinem Team gut tun. "Am Tag darauf spürt man die entspannte Stimmung, die Leute unterhalten sich auf dem Gang und rekapitulieren die lustigsten Ereignisse", erzählt er.

Ob Betriebsausflüge am Ende den Umsatz steigern? "Aber nein! Unsere Umsatzzahlen hängen in erster Linie von tollen Sängern und Produktionen ab", sagt Stephanie Bachhuber und lacht. Sie ist Personalrätin an der Bayerischen Staatsoper in München und hielt Betriebsausflüge früher immer für doof: "Ich dachte, den Leuten geht es nur darum, zu trinken. Aber dann bin ich irgendwie ins Organisationsteam gerutscht und musste wohl oder übel teilnehmen."

Leserkommentare
  1. Ich kann dem ganzen wirklich nichts abgewinnen.
    Ich verbringe mehr Zeit mit meinen Arbeitskollegen als mit meiner Frau - 7 Stunden Schlaf nicht mitgerechnet - da muss ich auch nicht noch meine Freizeit oder einen, wenn auch bezahlten, Betriebsausflug mit ihnen verbringen.

    2 Leserempfehlungen
  2. " ...die Möglichkeit, alle Mitarbeiter mal in ungezwungener Atmosphäre zu erleben."
    Na klar, das Fussvolk vergisst, dass der Chef der Chef ist und redet frei von der Leber weg. Retourkutsche kommt ja erst morgen, wenn der Chef wieder der Chef ist.

    Diese Incentives bringen nichts, wenn der betriebliche Alltag nicht ohnehin stimmt - doch was bringen sie denn, wenn der betriebliche Alltag ohnehin schon stimmt?

    2 Leserempfehlungen
  3. "Dass ein Mitarbeiter grundsätzlich seine Teilnahme verweigert, ist weder Tobias Bergmann noch Stephanie Bachhuber je aufgefallen. Mal könne jemand nicht, das sei klar. Aber es gebe keinen, der nie wolle."

    Völlig richtig. Wenn die betreffenden keine Lust hätten, würden sie das ja auch frei von der Leber weg sagen.
    Ich war da auch immer krank. *eyeroll*

    Auch wenn ich meinen Job gerne machen und die Kollegen und dem Vorgesetzten gut leiden kann, gibt es noch immer einen Unterschied dienstlichem und privatem Verhältnis.

    Eine Leserempfehlung
  4. Bei uns geht es dieses Jahr auch in den Klettergarten. Wie toll. Ich nehme nicht teil. Mir stinkt diese Art Zwangsbespaßung. Ansonsten wird nämlich nix getan für die Mitarbeiter. Außer eben Betriebsausflug und Sauferei auf der Weihnachtsfeier.

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    Ja, genau das sollte im Artikel auch deutlich werden: Betriebsausflüge müssen eingebettet sein in andere Maßnahmen. Als alleinige "Zwangsbespaßung", wie Sie es nennen, tragen sie recht wenig zur Mitarbeiter-Motivation bei.

  5. Ja, genau das sollte im Artikel auch deutlich werden: Betriebsausflüge müssen eingebettet sein in andere Maßnahmen. Als alleinige "Zwangsbespaßung", wie Sie es nennen, tragen sie recht wenig zur Mitarbeiter-Motivation bei.

    Antwort auf "Gutelaunezwang"
  6. lassen sie mal nen orthodoxen juden und nen talibanfuehrer seileklettern und den papst als coach.
    bin mir sicher das hilft.
    achja, machts in meinem garten und ich berechne 1800€ pro person.
    wo wir schon dabei sind, gut auch gewalttaetern das GYM und den kickboxunterricht zu finanzieren oder drei millionen tuerken in deutschland erklaeren dass sie sich integrieren muessen aber sich nicht assimilieren muessen aber definieren sie erstmal wo der unterschied leigen soll und wie man das dann umsetzt. vergessen sie aber nicht es in 20 sprachen zu uebersetzen damit sich keine volksgruppe ausgegrenzt fuehlt.
    wenn das alles getan ist ,von leuten die sowas wie seileklettern fuer hilfreich erachten, gehen sie wieder seileklettern und fuehlen sich als survivalheld bevor sie montags morgens wieder in ihrem mobbingbuero ihren langweiligen stuhl besetzen um weltgeschichte zu schreiben.
    dieses thema ist fuer gesellschaften die die realen realitaeten verschlafen haben.

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