Sport ist wichtig, gerade wenn man im Job nur wenig Bewegung hat. Nur zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland gehen einer körperlichen Arbeit nach. Der überwiegende Rest arbeitet im Sitzen. Durchschnittlich 80.000 Stunden verbringt ein Büromitarbeiter im Laufe seines Berufslebens auf Schreibtisch- und Konferenzstühlen. Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte über Rückenschmerzen klagt und ein Viertel unter schmerzhaften Verspannungen leidet. Durch das permanente Arbeiten im Sitzen erschlafft die Bauchmuskulatur und der Rücken verformt sich. Das geht auf die Bandscheiben, und weil die Muskulatur nicht ausreichend durchblutet wird, kommt es zu Verspannungen. Das Alter tut sein übriges: Mit den Jahren nimmt Fettgewebe zu und das Muskelgewebe ab.

Durch den demographischen Wandel wird es künftig mehr ältere Arbeitnehmer geben. Manche Unternehmen tun schon jetzt etwas für die Fitness ihrer Angestellten: Der längst tot geglaubte Betriebssport erlebt ein Comeback. Schließlich steigert ausreichende Bewegung die körperliche Fitness, verhindert Rückenleiden und verzögert den Alterungsprozess.

Viele Fitnesstrainer und Gesundheitsberater bieten ihre Dienste speziell für Unternehmen an. Mit Kniebeugen in einer muffigen Turnhalle oder Kegeln mit der Buchhaltung hat der Betriebssport von heute kaum noch etwas zu tun. Es gibt Yoga für gestresste Lehrer , Rückengymnastik für Autobauer oder Nordic-Walking für Werkzeugmechaniker. Unternehmensberater gehen klettern, Banker machen Aquagymnastik und Softwareentwickler Stepptanz. Bei der Deutschen Bank etwa können die Mitarbeiter an rund 100 Standorten unter 35 Sportarten auswählen. 4000 Mitarbeiter nutzen das betriebseigene Sportzentrum in Frankfurt. SAP bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zum individuellen Gesundheitscoaching, die Arbeitnehmer können zwischen Aerobic, Spinning, Aquafitness oder Tai Chi wählen.

Untersuchungen zeigen: In Unternehmen, in denen die Mitarbeiter regelmäßig Sport treiben, sinkt der Krankenstand. Die Arbeitnehmer sind belastbarer und gesünder. Die gemeinsame Bewegung stärkt den Zusammenhalt, verbessert das Betriebsklima und motiviert. Vorteile hat auch der Arbeitgeber. Immerhin sinken mit dem Krankenstand auch die Kosten, die Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit ihrem Unternehmen und sind produktiver. Außerdem lässt sich der gemeinsame Betriebssport positiv für das Firmenimage vermarkten. In Unternehmen, in denen die Kollegen regelmäßig miteinander Sport treiben, soll es sogar weniger Mobbingfälle geben.

Bevor ein Unternehmen Sport anbietet, müssen allerdings einige Fragen geklärt werden: Wer organisiert die Angebote? Wann finden die Kurse statt und vor allem wo? Für einen Yogakurs eignet sich vielleicht noch der Konferenzraum, für Fußball oder Basketball ist eine Halle notwendig. Hier helfen Sportvereine weiter. Außerdem bieten Betriebskrankenkassen, Mediziner, Sportökonomen und Physiotherapeuten Beratung an.

Arbeitsrechtlich ist zu beachten, dass die Angebote freiwillig sind – auch dann, wenn sie während der Arbeitszeit stattfinden. Allerdings gilt die Sportzeit nicht als Arbeitszeit. Wenn die Technik nachmittags eine Stunde lang turnt, muss diese Zeit am Ende wieder draufgeschlagen werden. Es sei denn, der Arbeitgeber vereinbart mit seinen Mitarbeitern etwas anderes.

In großen Unternehmen kümmert sich meist das Gesundheitsmanagement um die Organisation des gemeinsamen Sportangebots, aber auch die Personalabteilung, der Betriebsrat, einzelne Mitarbeiter oder der Chef höchstselbst können diese Aufgabe übernehmen. Verboten werden darf der Betriebssport auf keinen Fall.