Mit 1,95 Meter Körpergröße kommt sich Stefan Schmidt an den meisten Schreibtischen wie ein Riese vor. Einen großen Teil seiner Arbeitszeit verbringt der 32-jährige BWLer am Computer – in gekrümmter Haltung. Die Folge: schmerzhafte Verspannungen und Rückenschmerzen.

"Es sind vor allem sehr große Menschen, die schon früh unter Rückenbeschwerden leiden, weil sie an zu kleinen Schreibtischen arbeiten oder auf zu kleinen Stühlen sitzen müssen", sagt Ulf Marnitz, leitender Arzt am Berliner Rückenzentrum. Zu ihm kommen die schweren Fälle. Menschen mit Bandscheibenvorfällen, die viele Jahre lang falsch gesessen und sich selten bewegt haben. Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nie ergonomisch eingestellt waren und deren Arbeitgeber nicht darauf geachtet haben, dass die Büromöbel auch der Körpergröße es Mitarbeiters angemessen sind.

Von solchen Büromöbel weiß auch der Komponist zu berichten. Zuletzt war Schmidt bei einer Beratung angestellt. Die Schreibtische und Stühle hatten Durchschnittsgröße – zu klein für den fast zwei Meter großen jungen Mann. Als Ausgleich für das viele Sitzen macht er Fitnesstraining. Das lindert die Rückenschmerzen, meistens. Vor einigen Wochen hat er sich selbstständig gemacht und will nun endlich einen ergonomisch eingestellten Arbeitsplatz haben, damit Rückenschmerzen erst gar nicht entstehen.

Wie das geht, zeigen ihm die Experten aus dem Berliner Rückenzentrum. Die Einrichtung ist spezialisiert auf Patienten, die bereits ein schweres Rückenleiden haben, und sie bietet Beratung und Präventionskurse für Unternehmen an. Die Angebote reichen von der Rückenschule für ganze Abteilungen bis zur individuellen Arbeitsplatzberatung. Für das betriebliche Gesundheitscoaching am Rückenzentrum ist Katja Witter zuständig. Sie zeigt Arbeitnehmern, wie der Arbeitsplatz richtig einzustellen ist, und mit welchen Übungen sich ein Berufsleben auf dem Bürostuhl auch ohne Beeinträchtigung bewerkstelligen lässt.

Dass sich die Investition lohnt, spricht sich bei Arbeitgebern allmählich herum. Schließlich gibt es immer mehr ältere Arbeitnehmer. Bereits heute wird gut ein Viertel aller Fehltage durch Rückenleiden verursacht, haben die gesetzlichen Krankenkassen ermittelt. Besonders häufig fallen ältere Mitarbeiter ab 50 Jahren aus, aber auch immer mehr Jüngere. Das kostet. Wenn ein Mitarbeiter beispielsweise wegen eines Bandscheibenvorfalls ausfällt, ist er meist über Wochen oder Monate krank geschrieben. Da ist es für den Arbeitgeber günstiger, ergonomisch verstellbare Stühle für die Mitarbeiter anzuschaffen und das Personal zu mehr Bewegung anzuhalten.

Horrende Ausgaben sind gar nicht nötig, sagt Katja Witter. "Ein teurer Stuhl muss es nicht sein, wichtig ist, dass sich die Höhe und die Lehne verstellen lassen", erklärt die Physiotherapeutin. Die Höhe des Stuhls sollte so eingestellt sein, dass die Füße den Boden berühren. Der Schreibtisch darf bei großen Menschen also nicht zu niedrig sein. Die Lehne des Stuhls sollte so eingestellt werden, dass sie ganz leicht in den Bewegungen mitgeht. Hin und wieder sollte sie aber auch festgestellt werden, erklärt Witter.