PersonalsuchePer App auf Jobsuche

Die Jobsuche wird mobil: Firmen nutzen Ortungsdienste und eigene Karriere-Apps für das Smartphone, um Handynutzer auf freie Stellen hinzuweisen. Ein neuer Trend? von Simone Janson

Jobs immer und überall suchen: Immer mehr Unternehmen entdecken Apps und Location Based Services (LBS), kleine Programme und Netzwerke für das Smartphone, mit denen sie auf offene Stellen hinweisen. Mobile Recruiting heißt der neue Trend bei der Personalsuche. So testet beispielsweise die Deutsche Bahn am Berliner Hauptbahnhof in einem Pilotprojekt die neue Art der Mitarbeitersuche.

Der Konzern nutzt das Netzwerk Foursquare (4sq), mit dem man seinen Freunden mitteilen kann, wo man sich gerade befindet. Wer angibt, am Berliner Hauptbahnhof zu sein, entdeckt auf 4sq ein sogenanntes Special der Deutschen Bahn – eine Live-Führung durch die Technikräume des Hauptbahnhofes. So kann sich der Nutzer beispielsweise seine Wartezeit am Gleis damit vertreiben, Berufe rund um den Bahnhof kennenzulernen und wird auf freie Stellenangebote bei der Bahn hingewiesen.

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"Wir nutzen die Standortinformation des Bewerbers, um ihm etwas zu bieten, was er nur hier findet", sagt Robindro Ullah, Leiter der Abteilung Zusatzservice bei der Bahn-Tochter DB Services. Das  Unternehmen spart zudem Geld, denn den Dienst 4sq kann man kostenlos nutzen. Die Personalsuche kann somit gratis in ein bestehendes Netzwerk eingebettet werden.

Das Beispiel der Bahn zeigt, was mit der mobilen Personalsuche möglich ist. Noch stecken die Bemühungen der Unternehmen aber erst am Anfang. "Wir zählen schon Jobangebote zum mobilen Recruiting, die man per SMS zugesendet bekommt", sagt Stephan Böhm. Er ist Professor für Telekommunikation und Mobile Media an der Hochschule RheinMain und leitet dort gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Jäger ein Forschungsprojekt zur mobilen Personalsuche. 2009 führten die Forscher eine Befragung unter 370 Personalverantwortlichen durch und fanden heraus, dass erst unter zehn Prozent der befragten Unternehmen eine mobile Version ihrer Karriereseite anboten. 89 Prozent der Befragten gaben aber an, dass die mobilen Anwendungen auch in ihrem Unternehmen künftig eine deutlich größere Rolle beim Recruiting spielen würden.

Entscheidend dafür ist die Verbreitung der Hard- und Software. Bereits vor drei Jahren hat sich die Deutsche Bahn sogenannte Quick Response (QR) Codes zur Personalsuche eingesetzt. Auf Flyern wurde ein schwarz-weißes Kästchen aufgedruckt, das wie ein Barcode aussieht. Die Flyer wurden auf einer Karrieremesse verteilt. Die Besucher konnten den Code mit ihren Fotohandys einscannen und gelangten so auf die Karriereseite des Unternehmens. Die Nutzerzahlen waren allerdings überschaubar. Zum einen besitzt nicht jeder ein Handy mit entsprechender Lese-Software und zum anderen kennen viele QR-Codes gar nicht. "Solche Barrieren lassen sich nur überwinden, wenn Unternehmen das Thema stärker bewerben und Anreize zur Verwendung der Technik schaffen", sagt Professor Böhm.

Problematisch sei zudem, dass die Unternehmen oft vorschnell auf einen Hype aufspringen , sagt der Wissenschaftler. So würden viele i-Phone-Apps nur wenig sinnvolle Inhalte bieten, sondern seien Versuche, ein innovatives Arbeitgeberimage zu vermarkten, sagt Böhm. "Kunden wollen aber einen nachhaltigen Nutzwert. Eine App, die nur Spielerei ist, weckt zwar zunächst Interesse. Sie wird aber auch schnell wieder gelöscht." Besser sei es, plattformübergreifende Lösungen zu entwickeln und auf die eigene Zielgruppe abzustimmen. "Das bringt langfristig wirtschaftlich mehr, als nur jeden Trend mitzumachen."

So zeigt die App der Jobbörse Jobstairs dem Smartphone-Nutzer zwar freie Jobs für die Stadt an, in der er sich gerade befindet. Eine Möglichkeit, mit den Arbeitgebern direkt vor Ort in Kontakt zu treten oder sich auf der Stelle zu bewerben, bietet die App aber nicht.

Auch datenschutzrechtlich gibt es einige Bedenken am mobile Recruiting. Schließlich erfahren die Unternehmen über solche Apps allerhand Daten über potenzielle Bewerber. Datenschützer fordern deshalb, dass die Nutzer jedes Mal neu zustimmen müssen, wenn ein Unternehmen personenbezogene Daten erhält. Auch sollten Art und Umfang der verwendeten Daten kontrollierbar sein. Zudem sollten Bewerber ihre Zustimmung jederzeit widerrufen dürfen und die Unternehmen sollten keine Nutzerprofile mit Ortsbezug speichern dürfen.

Stephan Böhm glaubt, dass mobiles Recruiting vor allem dort eingesetzt werden wird, wo beispielsweise schnell eine Aushilfe gesucht wird und Zeit- und Ortsaspekte eine wichtige Rolle spielen. Für die gezielte Jobsuche braucht es indes Ruhe – und hier bleibt vor allem der Schreibtisch und Rechner zu Hause wohl das wichtigste Mittel.

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Leserkommentare
  1. Na toll, dann wird jetzt die 2 Klassen Gesellschaft auf einer neuen Ebene geschaffen.

    Nicht jeder will dauernd mit einem Mobiltelefon im Internet hängen und seine Position preisgeben.

    Abgesehen davon müsste man auch anmerken dass Arbeitslose eigentlich nicht unbedingt Geld für einen Mobilfunkvertrag verschwenden sollten.
    Wenn es um Erreichbarkeit geht ist Prepaid ausreichend.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ruphus
    • 03. Februar 2011 19:56 Uhr

    In den letzten drei Absätzen wird wohl deutlich, dass "mobile recruiting" eindeutig nicht die neue techische Innovation ist, um seinen Arbeitsplatz en passent zu bekommen.

    Gruß

    • ruphus
    • 03. Februar 2011 19:56 Uhr

    In den letzten drei Absätzen wird wohl deutlich, dass "mobile recruiting" eindeutig nicht die neue techische Innovation ist, um seinen Arbeitsplatz en passent zu bekommen.

    Gruß

    Antwort auf "2 Klassen Gesellschaft"
    • Elite7
    • 03. Februar 2011 20:31 Uhr

    Soll ich jetzt quer durch die Welt reisen mit dem Blick aufs Mobiltelefon? Also sorry, aber ich finde Jobs anders. Ich weiß doch schließlich wo ich arbeiten möchte und es gibt genügend Jobsuchmaschienen. Ich wüsste nicht, was mir das nützen sollte.

  2. Hier eine Äpp, da eine Äpp. Warum werden die restlichen 67% der Telefonbesitzer ignoriert?

  3. Als Sprecher der Stellenbörse JobStairs muss ich zu dem Artikel sagen: Mobile Recruiting ist für eine gezielte Jobsuche absolut geeignet. Schauen Sie doch mal in die Busse und Bahnen und Wartezimmer, womit sich Berufstätige in diesen "Leerzeiten" beschäftigen: Zunehmend nicht mehr mit Illustrieren, sondern mit ihrem Handy, iPhone, Blackberry etc. Wenn man dann auch noch auf dem Handy sehen kann, ob geeignete Jobs in unmittelbarer Nähe meines Lebens-und oder Arbeitsmittelpunkts ausgeschrieben sind, ist das doch ein echter Mehrwert.
    Man sollte bei der Betrachtung allerdings nicht den Fehler machen und die Jobsuche von unterwegs direkt zur Bewerbung nutzen zu wollen. Die Recruiting-Apps der Stellenbörsen und Unternehmen wollen nicht die Bewerbung an sich vereinfachen, sondern die Stellensuche variabler und bequemer machen. Ziel ist es nicht, dass Jobsuchende Ihre Bewerbungen im Bus oder im Wartezimmer beim Arzt schreiben. Bei der Vielzahl der benötigten Unterlagen wäre das sicherlich etwas umständlich. Aber warum sollen sie diese Zeit nicht effektiv nutzen, um sich über aktuelle Stellenangebote zu informieren? Sieht so nicht gerade eine gezielte Jobsuche aus?
    Beste Grüße von Carsten Franke (Sprecher von JobStairs.de)

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Deutsche Bahn | App | Smartphone | Unternehmen
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