Von außen passt sich die Münchner Zentrale der Boston Consulting Group an der Ludwigstraße in das denkmalgeschützte Ensemble aus dem 19. Jahrhundert an. Im Inneren herrscht moderner Zeitgeist: Vollverglaste Büros mit Schnittstellen für Notebooks und hochmoderne Telefonanlagen. Transparenz und Offenheit sind hier oberstes Gebot. Die meisten der 500 Mitarbeiter haben keinen festen Arbeitsplatz. "Wir machen das nicht, um Platz zu sparen", erklärt Senior Partner und Büroleiter Georg Sticher, "wir wollen eine bessere Kommunikation erreichen". Die Berater sind viel unterwegs, und wenn sie mal im Büro sind, sollen sie Kollegen treffen.

Die 13 Abteilungen der Beraterfirma heißen "Dörfer". Dadurch sollen sich die Mitarbeiter verbunden fühlen. Die Konferenzräume sind nach den Münchner Hausbergen benannt, die Büros für Bewerbungsgespräche nach bayerischen Seen. Den zentralen Innenhofbereich, Treffpunkt in der Mittags- oder Kaffeepause, nennen alle den "Marktplatz".

Als sich die Boston Consulting Group vor acht Jahren für den Umzug des Münchner Büros in die Ludwigstrasse entschied, haben sich Sticher und seine Kollegen unterschiedliche Konzepte angeschaut, beispielsweise das sogenannte "Hoteling", bei dem jeder Mitarbeiter jeden Tag irgendwo im Haus einen neuen Platz zugewiesen bekommt. Doch dabei würden sich die rund 300 Berater, die nur wenige Tage im Monat im Büro sind, kaum sehen. Also entschied sich die Firma dagegen und für das Dorf-Konzept.

Seither gehören zu einem BCG-Dorf bis zu 30 Kollegen. Die Dörfer haben sogar "Häuptlinge", die dafür sorgen, dass die Kollegen zu "Dorfgemeinschaften" zusammenwachsen. "In einer Gruppe dieser Größe kann ein gutes soziale Gefüge und Vertrauen entstehen", sagt Sticher. Ihm ist es wichtig, dass die Mitglieder eines Dorfes nicht an den gleichen Themen arbeiten. Die Kollegen sollen neugierig aufeinander sein. "Viel wichtiger als die effiziente Zeit- und Flächennutzung ist es, dass unsere Mitarbeiter ihre Erfahrungen und Ideen teilen. Ich kann aus jedem Gespräch etwas mitnehmen", sagt Sticher. Die Wege innerhalb des Münchner Büros sind so organisiert, dass sich die Menschen möglichst häufig begegnen. Weil ein Aufzug ohne Türen diesem Prinzip entspricht, verbindet ein Pater Noster die Büro-Etagen.

Offenheit und Transparenz verlangt BCG auch von seinen Führungskräften: Büroleiter Sticher sieht sich als Vorbild. Er hat ein gläsernes Büro, das er in seiner Abwesenheit Kollegen überlässt. Darum räumt er den Schreibtisch am Ende eines Arbeitstages auch ganz leer, für den nächsten Benutzer.

Die Bürostruktur kann das Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Firma stärken, glaubt der Büroleiter.

Aber wenn die Mitarbeiter die Idee nicht mittragen, dann nutzt auch die modernste Büro-Organisation nichts. In den vergangenen Jahren hat er die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Menschen für diese Strukturen geeignet sind: "Ausgeprägte Individualisten tun sich schwer bei uns, unsere Mitarbeiter brauchen Teamgeist."

Ein etwas anderes Konzept probiert man bei Siemens in der neuen Zentrale in Düsseldorf. Parallel zum Umzug im September in die neu angelegte Airport City startete der Konzern das Pilotprojekt "Siemens Office". Hier praktiziert man seither "Mobile Working" mit freier Arbeitsplatzwahl. Für die 600 Mitarbeiter stehen 400 Arbeitsplätze zur Verfügung, jeder kann sich seinen Platz frei wählen. Und weil nie alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit anwesend sind, reichen die vorhandenen 400 Plätze allemal aus. Einen fixen Schreibtisch gibt es hier nicht mehr .