KünstlersozialkasseGeschlossene Gesellschaft

Die Künstlersozialkasse soll selbständige Kreative sozial absichern. Aber Tausende Antragsteller werden pro Jahr abgewiesen, weil die KSK ihre Tätigkeit nicht anerkennt. von 

Nein, schnell abspeisen lässt sich Elke Rambow* nicht. Rückgrat wird der jungen Journalistin auch beruflich abverlangt. Momentan braucht die 31-Jährige diese Eigenschaft aber privat. Elke Rambow hat sich mit der Künstlersozialversicherung (KSK) angelegt. Seit über einem Jahr versucht die Autorin, in den begehrten Sonderschutz für selbständige Künstler zu kommen, bislang ohne Erfolg. Ablehnung, Widerspruch, erneute Prüfung: Warum sie als in ihren Augen freie Mitarbeiterin einer Hamburger Lokalzeitung ein solcher Problemfall ist, weiß Rambow selbst nicht genau. Sicher ist nur, dass sie auf die finanziellen Erleichterungen im KSK-Versicherungsschutz dringend angewiesen wäre: "Es geht um meine wirtschaftliche Existenz", sagt sie. Nur mit Mühe halte sie sich derzeit über Wasser.

Kaum eine Behörde des deutschen Sozialwesens gilt als solches Mysterium wie die KSK mit Sitz in Wilhelmshaven. 1983 eingerichtet gewährt sie selbständigen Künstlern den Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung, den sonst nur angestellte Arbeitnehmer haben. Anders als andere Selbständige müssen KSK-Nutznießer bloß die Hälfte ihrer Krankenversicherungsbeiträge selbst zahlen, zudem sind sie rentenversichert . Die andere Beitragshälfte finanzieren ein Bundeszuschuss und Unternehmen, welche die Leistungen der Künstler verwerten. Wer in die KSK aufgenommen wird, kann also einige Hundert Euro im Monat sparen. Für freischaffende Künstler und Freiberufler im kreativen Bereich ist das viel Geld.

Anzeige
Die Künstlersozialkasse

Die Künstlersozialversicherung (KSK) gilt für selbstständige Künstler und Publizisten, etwa Schauspieler, Journalisten, Schriftsteller oder Musiker.
 

Leistung

Versicherten bietet sie einen ähnlichen Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung wie Arbeitnehmer. Für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlen KSK-Versicherte nur die Hälfte der fälligen Beträge ein, die andere Hälfte finanzieren ein Bundeszuschuss und Unternehmen, die Kunst und Publizistik verwerten. Um die KSK nutzen zu können, muss das jährliche Mindesteinkommen über 3900 Euro liegen.

Derzeit sind bundesweit etwa 170.000 Selbständige bei der KSK versichert. Experten gehen davon aus, dass mindestens drei Mal so viele Menschen die Aufnahmebedingungen erfüllen. Nach Meinung vieler Antragsteller entscheide die KSK willkürlich über Aufnahme oder Ablehnung. Ob Grafikdesigner, Journalist oder Schauspieler – "da wird vom Schreibtisch aus entschieden, ob jemand Künstler ist oder nicht", kritisiert beispielsweise Joachim Griebe.

Der Gitarrist und Songschreiber ist quasi der Anführer der vereinten KSK-Gegnerschaft. Vor acht Jahren gründete Griebe im Internet das Künstlersozialkasse Forum . Dort versammeln sich all jene, die aus ihrer Sicht völlig zu Unrecht einen Ablehnungsbescheid aus Wilhelmshaven erhielten. Ein Forumsmitglied etwa beschwert sich bei Griebe über die "reine Schikane" der Behörde. Ein anderer echauffiert sich: "Es war deutlich zu erkennen, dass es keine Zweifel an meiner freiberuflichen und an meiner journalistischen Tätigkeit gab. Ich hatte eher den Eindruck, dass man versuchen wollte, mich weg zu ekeln." An manchen Tagen bekommt Griebe 50 Zuschriften.

Grundvoraussetzung für eine Aufnahme in die Künstlersozialkasse ist eine selbständige und "erwerbsmäßige" künstlerische oder publizistische Tätigkeit. Erwerb heißt Haupterwerb, sprich der Künstler muss von seiner Kunst leben können. Für viele fangen hier schon die Probleme an. Eigentlich wurde die Künstlersozialversicherung ja gerade geschaffen, um notorisch klammen Kreativleuten finanziell unter die Arme zu greifen. Doch ein gewisses Grundeinkommen ist Voraussetzung, um überhaupt in die Künstlersozialkasse zu gelangen. "Für Berufsanfänger kann es schwierig werden. Nach dem Uni-Abschluss verfügen viele gar nicht sofort über die von der KSK geforderten Einnahmen", sagt der Kölner Rechtsanwalt und KSK-Spezialist Andri Jürgensen.

Leserkommentare
    • Impuls
    • 18. Januar 2011 18:49 Uhr

    zum Schutz des Steuerzahlers streng sein!
    Sie ist kein Sozialamt!
    Wie kann zudem eine Journalistin behaupten, Künstler zu sein?
    Ich als Architekt bin es auch nicht, auch wenn ich gestalte.
    Daß man nach einem Studium an der Kunstakademie in der Regel nicht ein ausreichendes Einkommen gaben wird, war allen Studenten schon von Begonn an klar!
    Was soll also das Gejammer?
    Kunst ist eine Ausnahmeberuf und nicht ein Massenberuf!
    In der Regel brauche ich dafür auch noch einen Brotberuf, wie Lehrer, Briefzusteller, Maurer, ...!
    Dieses allzu schnelle Schielen auf diese Kasse nach dem Studium ist widerwärtig und der Anfang einer Hartz-4 Karriere!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann nicht erkennen, was an dem "Schielen auf diese Kasse nach dem Studium widerwärtig" sein soll, geschweige denn, was das mit dem "Anfang einer Hartz4-Karriere" zu tun haben soll.

    Als Architekt verdienen Sie vermutlich ein Vielfaches von dem, was ein freier Künstler, Schriftsteller, Übersetzer, Journalist etc. verdient. Wenn man als publizierender Übersetzer einen Tagesverdienst von 100 Euro einfährt (was nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, wenn überhaupt), können Sie sich leicht ausrechnen, dass man sich, wenn es die KSK nicht gäbe, weder eine Kranken-, noch eine Rentenversicherung leisten könnte.

    Von dem Beruf, dem man nachgeht, leben können zu wollen, kann ich beim besten Willen nicht widerwärtig finden. Ohne die KSK wäre das ungleich viel schwieriger. Für die, die aus irgendwelchen Gründen abgelehnt wurden, ist es das. Und zwar gerade nach dem Studium, wo kaum ein Freiberufler viel mehr als 1000 Euro brutto im Monat verdient. Und davon dann noch 300 Euro Krankenkasse, von Rentenversicherung mal gar nicht angefangen? Mahlzeit. Machen Sie das mal vor, dann unterhalten wir uns wieder.

    ".....Wie kann zudem eine Journalistin behaupten, Künstler zu sein?...."
    -----------------------------------------------------

    Lesen Sie bitte hierzu folgendes:

    ---
    Künstlersozialversicherungsgesetz:
    Gesetz über die Sozialversicherung der
    selbständigen Künstler und Publizisten
    (Künstlersozialversicherungsgesetz - KSVG)

    ....Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt.
    Publizist im Sinne dieses Gesetzes ist, wer
    als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder
    Publizistik lehrt.
    ---

    Auszug aus WikiPedia:
    Die Künstlersozialversicherung (KSV) ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherung. Sie ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, wobei sie lediglich die Arbeitnehmerbeiträge zahlen.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Sie sehen also, daß Journalisten auch in die KSK aufgenommen werden können.

    • Impuls
    • 18. Januar 2011 18:57 Uhr

    Geld über Werbung verdient, als Künstler anerkannt werden?
    Danach ist ja dann auch jeder Verischerungsmann und jeder Maurer ein Künstler.
    Mit sicherheit ist ein Landschaftsgärtner, der Pläne in
    3D umsetzen muß, also Hügel und Täler platisch gestaltet und Pflanzen arrangiert, Viel viel mehr ein Künstler als ein auf Werbung basiertes Blogging!Der selbstständige Gärtner muß sich aber auch ganz hart ohne staatliche Hilfe SELBST versichern [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Die Redaktion/lv

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Angenommen, jemand betreibt privat einen Fernsehsender, und lässt Spielfilme und TV-Serien produzieren, dann kann es sein, dass die einzigen Einnahmen des Senders: Werbeeinnahmen sind (sic!). Bei allen Privatsendern, die mir bekannt sind, läuft das so. Und dennoch sind diese Sender, und erst recht der Chef des Senders, publizistisch/journalistisch/künstlerisch tätig! Also nicht per se "Werbefritzen".

    Ich sehe dann auch keinen Unterschied zu jemandem, der bloggend publiziert, und seine konkreten Einnahmen von den Werbekunden, die seine Webpräsenz nutzen, bekommt.

    • Fliff
    • 18. Januar 2011 18:57 Uhr

    bei einem Einkommen von 10.000 Euro im Jahr, warum wuerde sich ein selbstaendiger (Kuenstler), knapp bei Kasse, dort versichern lassen wollen ?

    • SBA-S
    • 18. Januar 2011 19:01 Uhr

    Die KSK ist auch für Publizisten, also Journalisten und Schriftsteller zuständig.
    Was im Artikel fehlt: Berufsanfänger müssen nicht das jährliche Mindesteinkommen erreichen. Diese Regelung gilt für die ersten drei Jahre der Versicherungszeit.

  1. Ich kann nicht erkennen, was an dem "Schielen auf diese Kasse nach dem Studium widerwärtig" sein soll, geschweige denn, was das mit dem "Anfang einer Hartz4-Karriere" zu tun haben soll.

    Als Architekt verdienen Sie vermutlich ein Vielfaches von dem, was ein freier Künstler, Schriftsteller, Übersetzer, Journalist etc. verdient. Wenn man als publizierender Übersetzer einen Tagesverdienst von 100 Euro einfährt (was nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, wenn überhaupt), können Sie sich leicht ausrechnen, dass man sich, wenn es die KSK nicht gäbe, weder eine Kranken-, noch eine Rentenversicherung leisten könnte.

    Von dem Beruf, dem man nachgeht, leben können zu wollen, kann ich beim besten Willen nicht widerwärtig finden. Ohne die KSK wäre das ungleich viel schwieriger. Für die, die aus irgendwelchen Gründen abgelehnt wurden, ist es das. Und zwar gerade nach dem Studium, wo kaum ein Freiberufler viel mehr als 1000 Euro brutto im Monat verdient. Und davon dann noch 300 Euro Krankenkasse, von Rentenversicherung mal gar nicht angefangen? Mahlzeit. Machen Sie das mal vor, dann unterhalten wir uns wieder.

  2. ".....Wie kann zudem eine Journalistin behaupten, Künstler zu sein?...."
    -----------------------------------------------------

    Lesen Sie bitte hierzu folgendes:

    ---
    Künstlersozialversicherungsgesetz:
    Gesetz über die Sozialversicherung der
    selbständigen Künstler und Publizisten
    (Künstlersozialversicherungsgesetz - KSVG)

    ....Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt.
    Publizist im Sinne dieses Gesetzes ist, wer
    als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder
    Publizistik lehrt.
    ---

    Auszug aus WikiPedia:
    Die Künstlersozialversicherung (KSV) ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherung. Sie ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, wobei sie lediglich die Arbeitnehmerbeiträge zahlen.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Sie sehen also, daß Journalisten auch in die KSK aufgenommen werden können.

    • SBA-S
    • 18. Januar 2011 20:21 Uhr

    Es handelt sich bei den Beträgen, die anstelle der Arbeitgeberbeiträge für die KSK-Versicherten gezahlt werden, nicht um eine staatliche Subvention. Diese werden vielmehr aus den Abgaben der sog. Verwerter gezahlt, die die Arbeit der in der KSK versicherten Freiberufler nutzen und dafür keine Beiträge direkt an die Krankenkasse und die Rentenversicherung abführen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... denn der 'Arbeitgeberanteil' wird u.a. von den Unternehmen bezahlt, die die Arbeit von Freiberuflern in Anspruch nehmen – egal ob diese in der KSK versichert sind oder nicht. Meiner Meinung nach ein unglaubliches Vorgehen. Mir, ich arbeite als freiberulicher Grafiker, ist es immer ein wenig peinlich, neue Auftraggeber über die Pflicht dieser Abgabe aufzuklären. Und ehrlich gesagt kann ich auch gar nicht verstehen, dass man sich über die KSK versichern möchte. Selbstständig arbeiten > privat versichern, ist doch super. 'Künstler', die eine gesetzliche Absicherung anstreben kann ich nicht ernst nehmen. Wenn es so gar nicht klappen will mit der Kommerzialisierung der eigenen Kunst, wäre doch ein in Armut und Krankheit frühzeitiges Ableben das größte Werk.

    • ubaehr
    • 18. Januar 2011 20:58 Uhr

    ... sagt der Redakteur, dass sie Freie ist. Soll sich ja nicht reinklagen. NATÜRLICH lehnt die KSK das ab - die ist ja nicht dafür da, die Sozialkosten für die Zeitungen, die ihre Redaktionen outsourcen, zu übernehmen.
    Die KSK will sehen, dass man für unterschiedliche Auftraggeber arbeitet. Das macht es gerade am Anfang schwierig, da sich viele ja gerade dann trauen, sich selbstständig zu machen, wenn sie einen festen Kunden haben, der sie sichert.
    Andererseits ist dieser Druck gut: man wird gezwungen, vernünftig zu handeln und zu diversifizieren.
    Am Anfang reicht es in der Regel, nachzuweisen, dass man sich um weitere Kunden bemüht, sich also selbst vermarktet. Wer das als Zumutung begreift, sollte sich überlegen, ob er wirklich für die Selbständigkeit gemacht ist.
    Dass viele die Rechnung: "Ich lasse mich von dem Regionalmonopolisten-Blatt frei ausbeuten und beziehe die Rente über die KSK" aufmachen, ist verständlich. Dass sie nicht aufgeht, ist gut.

    Das Geld, dass die Rechtverwerter mit der Arbeit der Freien machen, sollte auch an diese Freie gehen. Schlecht bezahlte Pauschalisten oder "Abhängige" (also nicht angestellte, nicht freie) Journalisten sind ein Missstand, der auf einem anderen Feld gelöst werden muss.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service