ArbeitsrechtAusnahmezustand im Büro

Das Gesetz versteht auch an Karneval keinen Spaß. Der Bonner Arbeitsrechtler Nicolai Besgen spricht im Interview über die Grenzen der Narrenfreiheit. von Alexandra Werdes

ZEIT ONLINE: Gibt es ein Recht darauf, Karneval zu feiern?

Nicolai Besgen: Weder Weiberfastnacht noch Rosenmontag stehen als gesetzliche Feiertage im Kalender. Grundsätzlich hat also niemand einen Anspruch darauf, frei zu bekommen – da nützt es auch nichts, auf irgendein Recht auf regionales Brauchtum zu pochen.

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ZEIT ONLINE: Warum sind trotzdem so viele auf der Straße?

Besgen: Zum einen, weil natürlich jeder Urlaub beantragen kann. Zum anderen liegt es aber auch im Ermessen des Arbeitgebers, wie großzügig er ist. Gerade im Rheinland ist vielerorts ein Gewohnheitsrecht durch sogenannte betriebliche Übung entstanden: Wenn der Arbeitgeber drei Jahre nacheinander an den tollen Tagen frei gegeben hat, kann er das nicht einfach wieder zurücknehmen.

ZEIT ONLINE: Darf ich mir die Karnevalsumzüge im Fernsehen anschauen?

Besgen: Eher nicht. Die Arbeitsgerichte gehen davon aus, dass Bilder unweigerlich von der Arbeit ablenken – auch wenn viele behaupten, sie würden nur zuhören und gar nicht hinsehen. Noch bedenklicher sind Live-Streams im Internet, die man sich auf dem Bürorechner anschaut. Im schlimmsten Fall droht die Kündigung. Beim Radio hören sind die Gerichte großzügiger, es sei denn Kollegen oder Kunden fühlen sich gestört.

Nicolai Besgen
Nicolai Besgen

Nicolai Besgen ist als Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bonn

ZEIT ONLINE: Wie steht es mit einem Glas Sekt im Kollegenkreis?

Besgen: Es gibt kein grundsätzliches Alkoholverbot, außer das ist betrieblich ausdrücklich anders geregelt. Wenn ich aber sonst auf den Geburtstag anstoßen darf, dann ist auch das Gläschen Sekt oder das Kölsch zum Karneval erlaubt. Allerdings darf mein Alkoholkonsum nicht die eigene Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder die Sicherheit am Arbeitsplatz gefährden. Wobei es für den Arbeitgeber schwierig ist, das nachzuweisen, weil Alkoholkontrollen nur mit Einwilligung der Mitarbeiter durchgeführt werden dürfen.

ZEIT ONLINE: Kann mir jemand verbieten, verkleidet zur Arbeit zu kommen?

Besgen: Das hängt stark vom Job ab. Arbeitgeber können von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich branchenüblich kleiden, vor allem wenn Kundenkontakt besteht. In den Karnevalshochburgen sollte Kostümierung aber selbst in Banken kein Thema sein, vor allem wenn man sich auf Accessoires wie Hütchen oder Brillen beschränkt.

ZEIT ONLINE: Und umgekehrt: Kann mir jemand ein Kostüm aufzwingen?

Besgen: Wer an Karneval völlig spaßfrei ist, der muss auch keine Clownsnase aufsetzen.

Leserkommentare
  1. Bis Aschermittwoch verkrieche ich mich nun und werde jeglichen Kontakt mit der verrückt spielenden Außenwelt vermeiden.

    Und tschüss!

    4 Leserempfehlungen
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    Mir geht´s auch so, wer braucht schon so eine "verordnete" Fröhlichkeit?

  2. Mir geht´s auch so, wer braucht schon so eine "verordnete" Fröhlichkeit?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Jedes Jahr dasselbe."
  3. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/ag

    2 Leserempfehlungen
  4. Zitat: "Wenn ich als Rheinländer an Weiberfastnacht mit Krawatte ins Büro komme, ist von meiner stillschweigenden Einwilligung auszugehen,..."
    Entschuldigung, aber geht's ihnen eigentlich noch ganz gut Herr Besgen ?

    Ich für meinen Fall würde bei solch einem vorkommnis mit Körperlicher Gewalt agieren, ganz einfach aus dem Grund dass ich mich durch eine 'vermutlich angetrunkene' mit einer Schere in der Hand persönlich bedroht fühlen würde.
    Und vor allem, weil ich mir nicht's aufzwingen lasse.

    Das was sie in diesem Satz beschreiben ist genau diese Narrenfreiheit, die es nicht gibt!

    Im weiteren schließe ich mich meinen Vorrednern an. Zeitlich festgelegte fröhlichkeit ist völlig absurd.

    2 Leserempfehlungen
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    • redfox
    • 04. März 2011 16:45 Uhr

    offenbar keinen Respekt für das Brauchtum.

    Ävver Ävver Ävver: Poppe, Kaate, Danze - Datt kannste, datt kannste...

    Jedenfalls:
    Mir sin dafür, denn mir sin kölsche Mädcher, mir Bütze de Luxe, und zwar viel dieser Tage.

    Karneval is ja wirklich nur für ne Moment, und jeder braucht aff un zo etwas, was er hinterher als superjeilezick bezeichnen kann. Ich zumindest bedauere den Rest der Republik dafür, dass er nichts Vergleichbares hat...

    *Disclaimer: Dies ist ein Beitrag zur Völkerverständigung und ein musikalischer Gruß an alle, egal ob Jeck oder Spaßbefreit*

    • redfox
    • 04. März 2011 16:45 Uhr

    offenbar keinen Respekt für das Brauchtum.

    Ävver Ävver Ävver: Poppe, Kaate, Danze - Datt kannste, datt kannste...

    Jedenfalls:
    Mir sin dafür, denn mir sin kölsche Mädcher, mir Bütze de Luxe, und zwar viel dieser Tage.

    Karneval is ja wirklich nur für ne Moment, und jeder braucht aff un zo etwas, was er hinterher als superjeilezick bezeichnen kann. Ich zumindest bedauere den Rest der Republik dafür, dass er nichts Vergleichbares hat...

    *Disclaimer: Dies ist ein Beitrag zur Völkerverständigung und ein musikalischer Gruß an alle, egal ob Jeck oder Spaßbefreit*

    Antwort auf "Ich glaube es Hackt"
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    Ja, wenn das meint, mich nicht bis zum Umfallen 5 Tage lang zu saufen muss, mir die heikelsten und "sexiesten" Kostüme mit Röckchen und tiefem Ausschnitt ausdenken muss und damit "Vergewaltige mich" schreie und mich von oben gefeuerten Schokoladentafeln bewusstlos werfen lassen muss, bin ich gerne spaßfrei.
    Mit meiner Generation kann man leider nicht vernünftig und traditionell Karneval feiern. Schönen ausgefallene und vor allem selbstgemachte Kostüme, Sitzungen mit wortwitzigen Büttenreden und Frohsinn sind leider durch Alkohol ersetzt worden.

  5. Ja, wenn das meint, mich nicht bis zum Umfallen 5 Tage lang zu saufen muss, mir die heikelsten und "sexiesten" Kostüme mit Röckchen und tiefem Ausschnitt ausdenken muss und damit "Vergewaltige mich" schreie und mich von oben gefeuerten Schokoladentafeln bewusstlos werfen lassen muss, bin ich gerne spaßfrei.
    Mit meiner Generation kann man leider nicht vernünftig und traditionell Karneval feiern. Schönen ausgefallene und vor allem selbstgemachte Kostüme, Sitzungen mit wortwitzigen Büttenreden und Frohsinn sind leider durch Alkohol ersetzt worden.

    Antwort auf "Sie haben"

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