ZEIT ONLINE: Gibt es ein Recht darauf, Karneval zu feiern?

Nicolai Besgen: Weder Weiberfastnacht noch Rosenmontag stehen als gesetzliche Feiertage im Kalender. Grundsätzlich hat also niemand einen Anspruch darauf, frei zu bekommen – da nützt es auch nichts, auf irgendein Recht auf regionales Brauchtum zu pochen.

ZEIT ONLINE: Warum sind trotzdem so viele auf der Straße?

Besgen: Zum einen, weil natürlich jeder Urlaub beantragen kann. Zum anderen liegt es aber auch im Ermessen des Arbeitgebers, wie großzügig er ist. Gerade im Rheinland ist vielerorts ein Gewohnheitsrecht durch sogenannte betriebliche Übung entstanden: Wenn der Arbeitgeber drei Jahre nacheinander an den tollen Tagen frei gegeben hat, kann er das nicht einfach wieder zurücknehmen.

ZEIT ONLINE: Darf ich mir die Karnevalsumzüge im Fernsehen anschauen?

Besgen: Eher nicht. Die Arbeitsgerichte gehen davon aus, dass Bilder unweigerlich von der Arbeit ablenken – auch wenn viele behaupten, sie würden nur zuhören und gar nicht hinsehen. Noch bedenklicher sind Live-Streams im Internet, die man sich auf dem Bürorechner anschaut. Im schlimmsten Fall droht die Kündigung. Beim Radio hören sind die Gerichte großzügiger, es sei denn Kollegen oder Kunden fühlen sich gestört.

ZEIT ONLINE: Wie steht es mit einem Glas Sekt im Kollegenkreis?

Besgen: Es gibt kein grundsätzliches Alkoholverbot, außer das ist betrieblich ausdrücklich anders geregelt. Wenn ich aber sonst auf den Geburtstag anstoßen darf, dann ist auch das Gläschen Sekt oder das Kölsch zum Karneval erlaubt. Allerdings darf mein Alkoholkonsum nicht die eigene Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder die Sicherheit am Arbeitsplatz gefährden. Wobei es für den Arbeitgeber schwierig ist, das nachzuweisen, weil Alkoholkontrollen nur mit Einwilligung der Mitarbeiter durchgeführt werden dürfen.

ZEIT ONLINE: Kann mir jemand verbieten, verkleidet zur Arbeit zu kommen?

Besgen: Das hängt stark vom Job ab. Arbeitgeber können von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich branchenüblich kleiden, vor allem wenn Kundenkontakt besteht. In den Karnevalshochburgen sollte Kostümierung aber selbst in Banken kein Thema sein, vor allem wenn man sich auf Accessoires wie Hütchen oder Brillen beschränkt.

ZEIT ONLINE: Und umgekehrt: Kann mir jemand ein Kostüm aufzwingen?

Besgen: Wer an Karneval völlig spaßfrei ist, der muss auch keine Clownsnase aufsetzen.