Mit der Debatte um eine gesetzliche Frauenquote sind viele Frage verknüpft: Werden gleiche Karrierechancen für beide Geschlechter durch mehr Teilzeit-Angebote ermöglicht? Geht das auch in einer Führungsposition? Wie viel Zeit und Präsenz ist im Job wirklich erforderlich? Ist eine Teilzeit-Führungskraft eine gute Führungskraft? Sind es wirklich die Unvereinbarkeit von Arbeit und Kinderbetreuung, die Frauen am Aufstieg auf der Karriereleiter behindert? ZEIT ONLINE hat Managementtrainer Roland Jäger und Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe um ihre Meinung gebeten. Ab 17 Uhr stellen sich die beiden in einer Live-Debatte den Leserfragen. Diskutieren Sie mit!

Contra: Frauen, entscheidet Euch!

Ein Managementposten erfordert 110 Prozent. In Teilzeit ist das nicht zu schaffen, sagt Managertrainer Roland Jäger. Es bleibt, wie es ist: Besonders Mütter müssen sich zwischen Kindern und Karriere entscheiden.

Wie viele Teller kann ein guter Jongleur hochhalten? Fünf, sechs, vielleicht sieben. Dazu muss er sich stark konzentrieren und schnell vom ersten zum siebten Teller laufen, der bereits kräftig vor sich hineiert.

Genau so ist es mit Müttern im gehobenen Management: Wer vielen Rollen gerecht werden will, kann diese nur soweit bedienen, dass ein Teil der Aufgaben gerade so und mit hängender Zunge bewältigt wird. Der Rest wird nur unzureichend erledigt oder fällt ganz hinten runter. Das ist unprofessionell. Denn was beim Jongleur noch Respekt auslöst, führt bei einer "rumeiernden" Frau zu Mitleid und Verärgerung. Und das hat sie nicht verdient.

Sie wird den Erwartungen ihres Umfeldes nicht gerecht und in der Folge auch unzufrieden mit sich selbst. Daraus folgt: Frauen müssen sich entscheiden, was sie machen wollen und das bitte ganz und mit voller Konzentration. Eine rumeiernde Chefin, eine gereizte Mutter oder eine abgeschaffte Ehefrau kann niemand wollen.

Gute Führung benötigt die ganze Frau
Roland Jäger, Managertrainer

Oja, ich weiß genau was Sie denken: Wieder so ein schlauer Berater, der am liebsten die intelligenten, gut ausgebildeten Frauen hinter den Herd verbannen möchte. Irrtum, ganz im Gegenteil. Ich wünsche mir viel mehr Frauen in Führungspositionen, bin jedoch davon überzeugt, dass gute Führung die ganze Frau oder den ganzen Mann benötigt. Eine sicher engagierte, aber zu viele Rollen wahrnehmende Teilzeit-Chefin kann das nicht gewährleisten.

Zur Illustration werfen wir einen Blick in den Alltag einer engagierten Mutter und Managerin: 23:07 Uhr, in der Küche brennt noch Licht. Sonja Mach, 37-jährige Verkaufsleiterin eines Konsumgüterherstellers, setzt sich an ihr Notebook und bearbeitet ihren überquellenden Posteingang. Seit 17:00 Uhr ist sie zu Hause, hat sich um Sarah und Jonas, die sieben- und neunjährigen Kinder gekümmert, mit ihnen gespielt, die Hausaufgaben überprüft, Abendessen für die Familie zubereitet, den Abwasch mit ihrem Mann erledigt und ist während dem Gutenachtgeschichte-Vorlesen friedlich neben ihren Kindern eingeschlafen. So wie Sonja Mach ergeht es vielen kompetenten Müttern. Sie hat eine Vollzeitstelle, ist von Montag bis Mittwoch im Büro und darf dieses um 17 Uhr verlassen. An den verbleibenden Tagen arbeitet sie aus dem Homeoffice und kann sich, bei freier Zeiteinteilung, ihren Führungsaufgaben widmen. Soweit die Theorie.

Schaut man sich an, was nach 17:00 Uhr im Unternehmen passiert, dann sorgt die Abwesenheit der Chefin für Unmut an unterschiedlichen Stellen: Ihr Vorstand benötigt dringend ihren Rat in einer komplexen Fragestellung. Ihre Mitarbeiter brauchen kurzfristig eine Entscheidung, Kunden sind unzufrieden und möchten sich bei der Chefin beschweren. Doch diese glänzt durch Abwesenheit. Und privat? Jonas muss sie zum Fußball fahren, Sarah hat das Ballett für sich entdeckt. Sonja Mach muss einkaufen und Behördengänge erledigen. Aber ihr Tag hat auch nur 24 Stunden. Und wenn eines der Kinder krank wird, gerät das gesamte Zeitmanagement außer Lot. Natürlich will sie es allen Recht machen und bleibt am Ende selbst auf der Strecke. Lebenszufriedenheit und Work-Life-Balance sehen anders aus.

Die Kernaufgaben einer Führungskraft erfordern volle Aufmerksamkeit. Sie hat dafür zu sorgen, dass erwünschte Ziele und Ergebnisse erreicht werden. Dazu muss sie die Mitarbeiter beeinflussen. Das Mittel dazu lautet Kommunikation. Doch Management per Handy, Einflussnahme per E-Mail und Anleiten mittels schriftlicher Anweisung reichen nicht aus. Wer führt, muss präsent sein. Mitarbeiter haben ein Recht auf die ganze Chefin.

Fazit: Etwas richtig und professionell zu machen bedeutet, sich darauf zu konzentrieren. Frauen müssen sich also, wollen sie einen anspruchsvollen Führungsjob im gehobenen Management adäquat wahrnehmen, diesem ganz und gar verschreiben. Ein bisschen Führung geht nicht. Denn dann fallen zu viele Teller herunter und ein Jongleur, dem das passiert, verliert auf Sicht auch seinen Job.