Selbstorganisation So besiegen Sie die Aufschieberitis
Wenn sich Mitarbeiter chronisch vor ihrer Arbeit drücken, spricht man von Prokrastination. Wie sich die Aufschieber selbst helfen können, erklärt Jochen Mai.
Kennen Sie die sogenannte planning fallacy? Demnach sitzen die Menschen beim Planen von Projekten regelmäßig denselben Denkfehlern auf.
Und das geht so: Zuerst unterschätzen sie die benötigte Zeit, die Kosten und Risiken – nicht zuletzt, weil sie glauben, in Zukunft werde alles besser sein, sobald das Chaos geordnet ist. Zum Zweiten unterstellen sie sich in dieser Utopie ein künftig besseres Organisationstalent. Kurzum: Sie schmieden wunderbare Tagespläne, malen perfekte Gedankenkarten, weisen allen Projekten die richtige Priorität zu – und kommen trotzdem nicht zu Potte.
Mal ganz konkret gefragt: Kommen Ihnen die folgenden Sätze bekannt vor? "Das hat noch Zeit."– "Erst mal einen Kaffee machen." – "Das bekomme ich heute eh nicht mehr fertig." – "Wo soll man denn da anfangen?" – "Das Bürogeschirr müsste eigentlich mal wieder gespült werden." Wenn Sie gleich an mehreren Stellen stumm genickt haben, sind Sie womöglich ein Aufschieber. Wer nur ab und an so denkt, muss sich freilich nicht sorgen. Jeder tut das irgendwann. Erst wenn die Aufschieberitis chronisch wird und jemand gewohnheitsmäßig Aufgaben vertagt, die eigentlich erledigt werden müssen, spricht man von Prokrastination.

Jochen Mai ist Diplom-Volkswirt und Wirtschaftsjournalist. Er leitet das Ressort Management + Erfolg bei der WirtschaftsWoche und ist Autor des Blogs Karrierebibel.
Das kann sich sogar zu einer regelrechten Krankheit auswachsen. Bei Untersuchungen von Psychologen aus Deutschland und den USA kam heraus, dass weltweit fast jeder Fünfte von diesem Phänomen betroffen ist. Der US-Psychologe Joe Ferrari von der DePaul Universität in Chicago ist einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet und sogar der Meinung, dass chronische Aufschieber nur durch eine Verhaltenstherapie geheilt werden können. Wobei Wissenschaftler zunächst zwei Typen unterscheiden:
- Der Erregungsaufschieber. Er reagiert erst auf den letzten Drücker und genießt den Kick, den der Hochdruck zum Schluss erzeugt. Meist behauptet er, nur so kreativ zu werden.
- Der Vermeidungsaufschieber. Er leidet unter der Angst zu versagen. Deshalb meidet er den Leistungsdruck, den die Aufgabe erzeugt. Dafür ist er ein Meister der Ausreden.
Egal, welcher Typ man selbst ist, das Kernproblem vieler Aufschieber ist häufig dasselbe: Sie tun sich schwer damit, sich lange auf eine Sache zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und leiden unter einem latent schlechten Gewissen, weil sie nicht schaffen, was sie sich vornehmen, was wiederum permanent an ihrem Selbstwertgefühl nagt. Also streben sie nach schnellen Erfolgserlebnissen. Bei zu großen Aufgaben liegen diese jedoch subjektiv zu weit entfernt, Folge: Die Prokrastinierer ziehen kurzfristige kleinere Aufgaben vor, wie aufräumen, abwaschen, beschäftigt aussehen.
Die versprechen Instanterfolg. Und wer über zu viel Arbeit klagt, erntet außerdem meist noch Mitgefühl. Langfristig aber sorgt Prokrastinieren für Frust. Dann beginnt ein Teufelskreis aus Aufschieben, Überforderungs- und Minderwertigkeitsgefühlen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, raten Experten zu ganz unterschiedlichen Wegen. Nicht alle passen zu jedem Typ, dazu ist das Problem wirklich zu individuell. Verstehen Sie die folgenden Tipps also bitte als Sammlung von Methoden – und picken Sie sich die für Sie besten heraus:
- Datum 07.02.2011 - 16:12 Uhr
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hatte ich mir vorgenommen, jetzt was zu kochen. Statt dessen habe ich Zeit - Online gelesen. Und jetzt habe ich mich für die 72-Stunden-Regel entschieden. Binnen 72 Stunden werde ich mit dem Kochen anfangen.
Wie schon richtig im Artikel steht, gibt es eine Vielzahl von Ursachen. Darüberhinaus ist diese "Krankheit" bei manchen mehr und bei anderen weniger stark ausgebildet.
Darum verstehe ich die Sammlung von Tipps nicht. Sowas könnte mir auch meine Oma flüstern.
Wenn jemand wirklich ernsthaft dieses Problem hat, kann er es gar nicht allein lösen. Das ist doch die Krux an der Sache.
"Belohnen Sie sich für Teilerfolge", "Loben sie sich", "Hören Sie auf perfekt zu sein". Das hört mehr nach diesen Erfolgs-Psycho-Seminaren an, bei denen einer auf der Bühne rumhampelt und den Leuten zuschreit wie gut sie sind. Das hat nichts mit Seriösität zu tun.
Das sich jemand nicht belohnt oder das jemand perfekt sein will, hat tieferliegende Gründe. Da kommt man mit einfachen Phrasen nicht ran und bewirkt gar nichts, zumindest nicht mittel- und langfristig.
Die Artikel ist schön für Menschen die vielleicht mal durchhängen, oder mal keinen Bock haben anzufangen.
Aber wenn Sie anfangen Psychologen zu kommentieren, dann sollte Ihr Beitrag viel tiefer gehen. Eben in dem Wissen, dass man sich schlecht selbst therapieren kann.
Aber im Ernst: Vieles von dem, was da steht, ist wirklich wichtig und richtig.
Man kann es auch auf die formel reduzieren
"Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott"
Das heißt nichts Anderes, als dass die Dinge in den Fluss und in die richtige Richtung kommen, wenn wir das uns Mögliche tun. Dann merken wir nach einiger Zeit das positive Feedbeck der Umgebung, es wird leichter. Die Hürde wird immer größer, wenn wir uns ausmalen, was alles passieren kann, wenn wir nichts tun und dann sagen,das habe ja sowieso keinen Sinn. Anfangen könne wir nur selbst. Kein Berater kann ns das abnehmen. Wir könnten höchstens so ehrlich sein, jemand anderes zu bitten, uns zu beobachten und uns dann seine Beobachtung mitzuteilen. Andere erkennen besser, was wir schon vielleicht seit längerer Zeit erfolgreich, aber nicht ohne Folgen verdrängt haben.
So, jetzt muss ich aber wirklich noch etwas tun.
"Prokrastination" von Überlastung?
Was wenn man aufschiebt, weil man ohnehin nicht alles in der gewünschten Zeit *schaffen kann*? Die Krux ist doch auch: umso schneller ich die Listen abarbeite, umso schneller bekomme ich neue Probleme. Zumindest in der Software-Branche ist das so, jeder Wunsch erzeugt bei Erfüllung zehn neue, auf der anderen Seite stellen sich viele Wünsche letztlich als gar nicht sooo wichtig heraus oder werden von einer anderen Entwicklung überflüssig gemacht. Hab ich schon oft erlebt.
Was ebenfalls gern passiert: kaum geht man eine aufwendige Aufgabe an, wird man vom Chef mit etwas *unglaublich wichtigem* unterbrochen und die ganze Einarbeitung war umsonst und die Motivation ist weg.
Ich denke "Prokrastination" tritt viel eher bei selbstverantwortlich Handelnden auf, Unternehmern und Studenten etwa. Aus der Studentenzeit kenne ich das auch noch. Sehr schwer lösbar, weil es keine Trennung zwischen Erholung und Arbeit gibt und man nur mühsam einen produktiven
Rhythmus findet und seine Grenzen aktzeptieren lernt...
Überhaupt nicht. Das ist kein Gegensatzpaar.
Überhaupt nicht. Das ist kein Gegensatzpaar.
"Das kann sich sogar zu einer regelrechten Krankheit auswachsen. Bei Untersuchungen von Psychologen aus Deutschland und den USA kam heraus, dass weltweit fast jeder Fünfte von diesem Phänomen betroffen ist."
Wenn dem wirklich so ist, dann handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um einen Teil der menschlichen Natur; nämlich den Teil, der nicht einsieht, warum er gerade für etwas schuften soll, was ihm nicht gefällt, wenn er es sich doch auch gleich gutgehen lassen kann.
Nach 50000 Jahren menschlicher Evolution kann man halt nicht erwarten, daß der Mensch sich binnen 50 Jahren bürokratischen Erfordernissen einer überbeschleunigten Existenz als Werkzeug anpaßt.
Das hat mit Krankheit nichts zu tun, eher mit der Tatsache, daß versäumt wurde, Arbeitsweisen an unsere Natur anzupassen.
Abgesehen davon läßt sich Kreativität nur sehr begrenzt erzwingen, in Berufen, in denen Denkleistung erforderlich ist, sollte man also durchaus gewisse Prokrastinationsphasen einplanen und zulassen.
Einzig das schlechte Gewissen sollte man dabei überwinden.
im übrigen ist auch die "coffein-induced-sleep-disorden" (wenn man nach dem Kaffetrinken nicht mehr einschlafen kann) in den USA eine anerkannte Krankheit.
Ein ähnlicher Gedanke kam mir auch bei der Lektüre. Möglicherweise handelt es sich einfach darum, dass der Mensch keine Maschine ist und nicht immer 100% Leistung erbringen kann. 1/5 der Bevölkerung kann eigentlich nicht krank sein, das wäre dann schon eher ein Normalzustand, der leider mit den überzogenen Wünschen des Chefs kollidiert.
im übrigen ist auch die "coffein-induced-sleep-disorden" (wenn man nach dem Kaffetrinken nicht mehr einschlafen kann) in den USA eine anerkannte Krankheit.
Ein ähnlicher Gedanke kam mir auch bei der Lektüre. Möglicherweise handelt es sich einfach darum, dass der Mensch keine Maschine ist und nicht immer 100% Leistung erbringen kann. 1/5 der Bevölkerung kann eigentlich nicht krank sein, das wäre dann schon eher ein Normalzustand, der leider mit den überzogenen Wünschen des Chefs kollidiert.
im übrigen ist auch die "coffein-induced-sleep-disorden" (wenn man nach dem Kaffetrinken nicht mehr einschlafen kann) in den USA eine anerkannte Krankheit.
Ein ähnlicher Gedanke kam mir auch bei der Lektüre. Möglicherweise handelt es sich einfach darum, dass der Mensch keine Maschine ist und nicht immer 100% Leistung erbringen kann. 1/5 der Bevölkerung kann eigentlich nicht krank sein, das wäre dann schon eher ein Normalzustand, der leider mit den überzogenen Wünschen des Chefs kollidiert.
Ich gebe zu - ich prokrastiniere. Immer dann, wenn ich mich übervorteilt fühle, wenn ich merke, ich kann nicht gewinnen, gleichgültig, was ich mache. Diese Dinge schiebe ich gerne auf - und sehr seltsam - sie erledigen sich überwiegend von selbst.
Wenn ein Beruf, die Arbeit als solches, Spaß macht, erledigt sie sich fast wie von selbst. Anstatt Tipps zu geben, wie man an einem ungeliebten Job doch noch Freude haben kann, sollten sich die Verantwortlichen der Studien fragen, welche anderen Möglichkeiten den Elan, die Freude, die pünktliche Erledigung der Aufgaben wieder im Menschen wecken.
Mein eigenes Fazit: Einen ungeliebten Job kann nichts attraktiv machen, die Energie geht verloren, und auch kein psychologischer Trick kann diese wieder zurück bringen.
Wenn ich ein Projekt nicht innerhalb von 72 Stunden anfange, dann ist das womöglich nicht Aufschieberitis, sondern kann auch bedeuten, dass ich nicht voll hinter diesem Projekt stehe und es - sehr wahrscheinlich - nicht zu Ende bringen kann, weil es mir keine Freude macht.
Eine Krankheit? Nein, meines Dafürhaltens eher eine Lustlosigkeit, den Ansprüchen anderer gerecht zu werden, ein Leben nach den Maßgaben anderer zu leben. Einfach ausgedrückt: Mehr Haben als Sein.
Liebe Grüße
Bastetqueen
Hübsch unbefangen analysiert, Bastetqueen. Stimmt, wenn ich mich zur eigentlichen Aufgabe bereits nicht zwingen kann, dann wohl auch nicht zu irgendwelchen Tricks, um mich selbst hineinzulegen. Schließlich setzt mein (Unter)Bewusstsein seine eigenen Prioritäten - und das recht beharrlich.
Es gibt zwei Zustände, 'driven', also hinterdrein hetzend, zu spät, un(frei)willig, gestresst - und 'ahead', also vorbereitet, euphorisch, zielstrebig, erwartungsvoll.
Das Geheimnis liegt in der Motivation, welche eine Perspektive und in weiterer Folge ein realistisches Ziel voraussetzt. Habe ich aufgegeben oder sehe ich Ansatzmöglichkeiten, mir mein Umfeld und meinen näheren Lebensweg zu gestalten und einzurichten? Wohl zuletzt auch eine Frage der Erziehung, bestätigt zu werden, mit dem Ziel persönlicher Autonomie.
Hübsch unbefangen analysiert, Bastetqueen. Stimmt, wenn ich mich zur eigentlichen Aufgabe bereits nicht zwingen kann, dann wohl auch nicht zu irgendwelchen Tricks, um mich selbst hineinzulegen. Schließlich setzt mein (Unter)Bewusstsein seine eigenen Prioritäten - und das recht beharrlich.
Es gibt zwei Zustände, 'driven', also hinterdrein hetzend, zu spät, un(frei)willig, gestresst - und 'ahead', also vorbereitet, euphorisch, zielstrebig, erwartungsvoll.
Das Geheimnis liegt in der Motivation, welche eine Perspektive und in weiterer Folge ein realistisches Ziel voraussetzt. Habe ich aufgegeben oder sehe ich Ansatzmöglichkeiten, mir mein Umfeld und meinen näheren Lebensweg zu gestalten und einzurichten? Wohl zuletzt auch eine Frage der Erziehung, bestätigt zu werden, mit dem Ziel persönlicher Autonomie.
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