Eine Mitarbeiterin sitzt im Papierchaos aus zerknüllten Flipcharts

Kennen Sie die sogenannte planning fallacy? Demnach sitzen die Menschen beim Planen von Projekten regelmäßig denselben Denkfehlern auf.

Und das geht so: Zuerst unterschätzen sie die benötigte Zeit, die Kosten und Risiken – nicht zuletzt, weil sie glauben, in Zukunft werde alles besser sein, sobald das Chaos geordnet ist. Zum Zweiten unterstellen sie sich in dieser Utopie ein künftig besseres Organisationstalent. Kurzum: Sie schmieden wunderbare Tagespläne, malen perfekte Gedankenkarten, weisen allen Projekten die richtige Priorität zu – und kommen trotzdem nicht zu Potte.

Mal ganz konkret gefragt: Kommen Ihnen die folgenden Sätze bekannt vor? "Das hat noch Zeit."– "Erst mal einen Kaffee machen." – "Das bekomme ich heute eh nicht mehr fertig." – "Wo soll man denn da anfangen?" – "Das Bürogeschirr müsste eigentlich mal wieder gespült werden." Wenn Sie gleich an mehreren Stellen stumm genickt haben, sind Sie womöglich ein Aufschieber. Wer nur ab und an so denkt, muss sich freilich nicht sorgen. Jeder tut das irgendwann. Erst wenn die Aufschieberitis chronisch wird und jemand gewohnheitsmäßig Aufgaben vertagt, die eigentlich erledigt werden müssen, spricht man von Prokrastination.

Das kann sich sogar zu einer regelrechten Krankheit auswachsen. Bei Untersuchungen von Psychologen aus Deutschland und den USA kam heraus, dass weltweit fast jeder Fünfte von diesem Phänomen betroffen ist. Der US-Psychologe Joe Ferrari von der DePaul Universität in Chicago ist einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet und sogar der Meinung, dass chronische Aufschieber nur durch eine Verhaltenstherapie geheilt werden können. Wobei Wissenschaftler zunächst zwei Typen unterscheiden:

  1. Der Erregungsaufschieber. Er reagiert erst auf den letzten Drücker und genießt den Kick, den der Hochdruck zum Schluss erzeugt. Meist behauptet er, nur so kreativ zu werden .
  2. Der Vermeidungsaufschieber. Er leidet unter der Angst zu versagen. Deshalb meidet er den Leistungsdruck, den die Aufgabe erzeugt. Dafür ist er ein Meister der Ausreden .

Egal, welcher Typ man selbst ist, das Kernproblem vieler Aufschieber ist häufig dasselbe: Sie tun sich schwer damit, sich lange auf eine Sache zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und leiden unter einem latent schlechten Gewissen, weil sie nicht schaffen, was sie sich vornehmen, was wiederum permanent an ihrem Selbstwertgefühl nagt. Also streben sie nach schnellen Erfolgserlebnissen. Bei zu großen Aufgaben liegen diese jedoch subjektiv zu weit entfernt, Folge: Die Prokrastinierer ziehen kurzfristige kleinere Aufgaben vor, wie aufräumen, abwaschen, beschäftigt aussehen.

Die versprechen Instanterfolg. Und wer über zu viel Arbeit klagt, erntet außerdem meist noch Mitgefühl. Langfristig aber sorgt Prokrastinieren für Frust. Dann beginnt ein Teufelskreis aus Aufschieben, Überforderungs- und Minderwertigkeitsgefühlen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, raten Experten zu ganz unterschiedlichen Wegen. Nicht alle passen zu jedem Typ, dazu ist das Problem wirklich zu individuell. Verstehen Sie die folgenden Tipps also bitte als Sammlung von Methoden – und picken Sie sich die für Sie besten heraus: