ManagementWie Konflikte richtig gelöst werden

Im Arbeitsalltag treten oft Konflikte auf. In den meisten Spannungen zwischen Mitarbeitern liegt aber eine Chance – wenn man sie erkennt und richtig nutzt. von 

Als der 36-jährige Oliver Zencke zum Teamleiter in seiner Firma befördert wurde, war plötzlich alles anders. Statt seinen Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen, musste er Anweisungen erteilen und dafür sorgen, dass alle ihre Zielvorgaben erfüllen. Konflikte, das hatte der 36-Jährige geahnt, sind da vorprogrammiert.

"Führung ohne Konflikte gibt es nicht. Überall, wo Menschen miteinander agieren, reiben sie sich auch aneinander", sagt Susanne Klein, Coach für Performance Management. Sie hat das Buch Wenn die anderen das Problem sind geschrieben. Das Buch gibt Führungskräften Tipps für ein erfolgreiches Konfliktmanagement. " Viele Konflikte sind Teil des Arbeitsalltags ", sagt Klein. Beispielsweise da, wo sie schon durch die Unternehmensstruktur angelegt seien. "Dass Außen- und Innendienst häufig unterschiedliche Interessen haben, ist strukturbedingt", so Klein. Eine Vielzahl an Konflikten entsteht jedoch durch mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation oder weil Sach- und Beziehungsebene miteinander vermischt werden.

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An sich negativ sind Konflikte jedoch nicht. "Sie sind immer auch die Chance zur Veränderung und Verbesserung. Auch haben sie eine wichtige Funktion, wenn Teams aufgebaut werden", sagt die Beraterin.

Diese Erfahrung hat auch Oliver Zencke gemacht. Sein Aufstieg in die Leitungsfunktion bedingte eine Neustrukturierung der Abteilung. Für manche war das ein schwieriger Prozess. "Für meine Kollegen kam die Entscheidung, dass ich die Teamleitung übernehme, eher überraschend", erzählt Zencke. Einige Kollegen distanzierten sich von ihm. Und dann kamen mit der Umstrukturierung auch noch zwei neue Mitarbeiter an Bord. Die Karten wurden neu gemischt, jeder in der Abteilung musste seinen Platz neu finden, was für einige schmerzhaft war.

Teambildung vollzieht sich gewöhnlicherweise in vier Phasen: Zunächst gibt es eine Orientierungsphase, in der sich die Mitglieder beschnuppern und besser kennenlernen. Sie stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. Darauf folgt die Phase der Abgrenzung, die mit Konflikten verbunden ist. "Es ist wichtig, dass Führungskräfte diese Phase als solche erkennen und in ihrer Funktion verstehen", sagt Klein. Rivalitäten und Positionskämpfe sind während dieser Zeit nicht unüblich. Erst danach kann es zu einer Klärung kommen, in der sich der Zusammenhalt festigt, weil alle ihre neue Rolle gefunden haben. Anschließend tritt das Team mit einem neuen Wir-Gefühl in die Arbeitsphase ein.

Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter während dieser Phasen unterstützen, Impulse von außen geben, aber sich auch zurücknehmen. Entscheidend ist eine klare Kommunikation. Wenn der Vorgesetzte eindeutige Anweisungen gibt und Zuständigkeiten deutlich benennt, kann jeder seinen Platz in der Gruppe schneller finden. "Gute Kommunikation ist immer eine Hol- und Bringschuld", sagt Klein. Heißt: Nicht nur der Vorgesetzte muss kommunizieren, die Mitarbeiter müssen Informationen einfordern und sagen, was sie auf dem Herzen haben. Wird die konfliktreiche Abgrenzungsphase jedoch zu früh abgebrochen, kann sich kein produktives Wir-Gefühl entwickeln. Die Konflikte schwelen dann im Untergrund weiter – und belasten oftmals die Zusammenarbeit.

Manchmal ist die Situation aber so verfahren, dass Kommunikation und Zusammenarbeit erst wieder gelernt werden müssen. In einem Team, erzählt die Beraterin, schwelten seit 17 Jahren ungelöste Konflikte. "Nach einer so langen Zeit ist es natürlich völlig unsinnig, der Ursache für die Probleme auf den Grund zu gehen. In solchen Situationen ist es wichtig, dass die Mitarbeiter überhaupt wieder lernen, positiv miteinander umzugehen." Um ein so zerstrittenes Team wieder zusammenzuführen, braucht es viel Geduld und Expertise von außen. In den ersten Wochen gab Susanne Klein den Mitarbeitern die Aufgabe, wieder miteinander zu sprechen. Sie sollten sich mal einen Kaffee mitbringen oder etwas für einen Kollegen vom Drucker holen. "Natürlich stieß dieser Vorschlag zunächst auf Unwillen. Aber nachdem die Mitarbeiter es ausprobierten, hatten sie erstmals seit Jahren wieder positive Erfahrungen miteinander", berichtet die Coach.

Leserkommentare
  1. "Führung ohne Konflikte gibt es nicht. Überall, wo Menschen miteinander agieren, reiben sie sich auch aneinander", sagt Susanne Klein, Coach für Performance Management. Sie hat das Buch Wenn die anderen das Problem sind geschrieben. Das Buch gibt Führungskräften Tipps für ein erfolgreiches Konfliktmanagement. "Viele Konflikte sind Teil des Arbeitsalltags"

    danke an die zeit fuer diese weltveraendernden neugkeiten, waerend die welt brennt! real brennt!
    das muss man sich mal vorstellen dass es erwachsene leute gibt die das auch noch lesen muessen ohne es vorher gewusst zu haben und dann auch noch soviel geld in der tasche haben um das auch noch bezahlen zu koennen.
    wir leben in einer sterilen, degenerierenden, lebensunerfahrenen gesellschaft.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das Ansprechen der "Binsenweisheiten" bei Mitarbeiterführung zu verdammen. Sicherlich "wissen" viele Leute, und erst recht wenn sie Führungskräfte sind, um diese Zusammenhänge. Aber Wissen ist nur die Basis, man muss sich das Wissen auch verdeutlichen. So dass man im Konfliktfalle kühlen Kopf bewahren kann und darüber nachdenkt: "Die Situation kenne ich, davon habe ich letztens erst gelesen, wie war das, wie komme ich hier heil wieder raus?" Vor allem, weil es Mitarbeiter gibt, und das sind nicht einmal wenige, die Vorgesetzten einfach aus Daffke schon mal Schwierigkeiten bereiten, ganz subtil, versteht sich.

  2. das Ansprechen der "Binsenweisheiten" bei Mitarbeiterführung zu verdammen. Sicherlich "wissen" viele Leute, und erst recht wenn sie Führungskräfte sind, um diese Zusammenhänge. Aber Wissen ist nur die Basis, man muss sich das Wissen auch verdeutlichen. So dass man im Konfliktfalle kühlen Kopf bewahren kann und darüber nachdenkt: "Die Situation kenne ich, davon habe ich letztens erst gelesen, wie war das, wie komme ich hier heil wieder raus?" Vor allem, weil es Mitarbeiter gibt, und das sind nicht einmal wenige, die Vorgesetzten einfach aus Daffke schon mal Schwierigkeiten bereiten, ganz subtil, versteht sich.

  3. Dieser Artikel ist doch wohl ganz offensichtlich an die Menschen gerichtet, die als Anweisungsgeber geboren und erzogen wurden.

    Diese haben evtl. gar keine entsprechenden Kenntnisse davon, das es nicht nur ideologische oder philosophische, oder evtl. bei besonders abgeschotteten Erziehungsmaßnahmen nicht mal das, Unterschiede gibt, sondern das es auch verschiedene Menschen mit, jetzt kommt's : "verschiedenen Meinungen" gibt.

    Hinzu kommen auch noch ganz unvorstellbare Umstände für diese, nämlich das es unter Umständen, vielen sogar, verschiedene Möglichkeiten der Realisierung mit gleichem Ergebnis gibt. Und, so von jemandem Entscheidungen getroffen werden müssen, um dieses, aus deren Weltvorstellungen heraus vermutlich kaum nachvollziehbaren Fakt von Unterschieden bedingte, immanente Konfliktpotential aus den Unterschieden zu nehmen.

    Unterschiede bleiben auch, medial gespeichert, erhalten. Menschen wachsen in die so vermittelten unterschiedlichen Sichtweisen und Auffassungen sozusagen hinein.

    Außerdem, was soll eine "lebensunerfahrene Gesellschaft" sein ?

  4. Wenn man Frau Knaths so zuhört, könnte man meinen, dass einzig und allein und immer Frauen "Eier in der Hose" haben (" ... und wer ist die eizige Person, die losprescht mit dem Thema? Die Frau in der Runde, und die Kollegen schauen leise auf den Tisch ... ").
    Erstaunlich ...

  5. Das klingt ja als seien Konflikte mit Fuehrungskraeften eher eine Ausnahme von der Regel, ist das wirklich die Erfahrung, die eine Konfliktberaterin in Ihrem Arbeitsleben gesammelt hat?

    Und den wenigen 'Problemfaellen' raet sie dann, ihre Schwierigkeiten moeglichst frueh anzusprechen, ich gehe davon aus sie meint mit dem Chef. Von moeglichen Folgen wird geschwiegen, die Tatsache dass hier ein Untergebener seinen Boss kritisiert wird einfach vergessen, wer wird denn wen mobben, wenn die Kritik nicht gefaellt?
    Und wenn sich der Angestellte Hilfe holen will? Da sagt sie im selben Satz das viele Chefs keine wollen, Autoritaet angeknackst etc.

    Wie steht man/frau also da, nachdem die Konflikte ganz frueh mit Frau Chefin angesprochen wurden? Allein und zum Abschuss bereit vielleicht?

    Da fehlt doch der wichtigste Teil in diesem ganzen Artikel.

  6. Am besten wissen es Coachs aus 1-2-Mann-Unternehmen oder junge Absolventen. So, wie sie es vielleicht irgendwo gelesen haben. Oder wie sie es mit 5-jähriger Berufserfahrung vermuten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Führungskraft | Kommunikation | Konflikt | Umstrukturierung
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