Eigentlich sind die Ergebnisse zweier Studien zum Krankenstand der Krankenkassen DAK und TK erfreulich: Der Krankenstand ist 2010 nicht angestiegen.

Durchschnittlich 12,5 Tage fehlten die Arbeitnehmer. Doch die Analyse der Zahlen ergibt gleich zwei besorgniserregende Trends: Berufstätige fehlen der Studie zufolge immer häufiger aufgrund von Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen, und junge Arbeitnehmer bis 29 Jahre melden sich häufiger krank als ältere Arbeitnehmer, fehlen dann jedoch für kürzere Zeit. Während eine Krankschreibung unter den jüngsten Beschäftigten im Alter von 15 bis 19 Jahren knapp sechs Tage dauert, sind es bei den über 55-Jährigen schon fast 19 Tage. Aber auch die Jüngeren fehlen immer häufiger wegen psychischen Erkrankungen.

Jeder zehnte zwischen 15 und 29 Jahren hat Schmerzen oder andere körperliche Probleme ohne organische Ursache, oft begleitet von Depressionen. Knapp sechs Prozent haben Anpassungsstörungen, also Probleme, mit wichtigen Lebensveränderungen umzugehen.

Psychische Erkrankungen machten im vergangenen Jahr gut zwölf Prozent des gesamten Krankenstandes aus und spielten damit eine beinahe doppelt so große Rolle wie noch 1998, erklärte die DAK. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen um 13,5 Prozent an. Dies sei umso alarmierender, als der Krankenstand insgesamt auf niedrigem Niveau stabil geblieben sei.

Laut DAK-Gesundheitsreport lag der Krankenstand im Aufschwungsjahr 2010 bei 3,4 Prozent wie ein Jahr zuvor in der Rezession. Die alte Faustformel, dass der Krankenstand steige, wenn es der Wirtschaft gut gehe und in Krisenzeiten wieder sinke, gelte offenkundig nicht mehr, erklärte die Kasse. 

Dabei gab es in puncto Krankenstand durchaus Branchenunterschiede. So brachten es Beschäftigte im Bildungssektor, bei Medien oder im Kulturbereich mit 2,7 Prozent auf die geringsten Fehlzeiten, bei Banken und Versicherungen betrug der Krankenstand 2,8 Prozent. Den höchsten Krankenstand wiesen hingegen die öffentliche Verwaltung mit vier und das Gesundheitswesen mit 3,9 Prozent auf. Zwischen Ost und West ging der Krankenstand ebenfalls auseinander. Er lag in den westlichen Bundesländern mit Berlin bei durchschnittlich 3,3 Prozent, während er in den östlichen Ländern im Schnitt 4,3 Prozent betrug.

Alarmierend sei zudem, dass Ärzte schon jeden fünften jungen Erwerbstätigen wegen Rückenschmerzen behandeln mussten. Auch Fettsucht und Bluthochdruck zählten demnach mit jeweils knapp sechs Prozent bereits zu den 40 häufigsten Diagnosen.

Ursache für die Zunahme der durch psychische Erkrankungen bedingten Fehltage könnten gestiegene Anforderungen der Arbeitswelt sein. Berufseinsteigern würde ein hohes Maß an Qualifikation und Flexibilität abverlangt, erklärten die Kassen. Hinzu komme die Unsicherheit durch befristete Arbeitsverträge.