BewerbungHaben Lügen arbeitsrechtliche Konsequenzen?

Der Chef findet heraus, dass sein Mitarbeiter in der Bewerbung gelogen hat. Nur wenn sich Lüge beweisen lässt, kann gekündigt werden, erklärt die Arbeitsrechtskolumne. von 

Ich vermute, dass einer meiner Mitarbeiter in seinem Lebenslauf geschummelt hat. Haben seine Lügen arbeitsrechtliche Konsequenzen für ihn?, fragt Hardy Weber

Sehr geehrter Herr Weber,

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

die Motivation der Schummler ist klar: Der Lebenslauf beziehungsweise die Bewerbungsmappe entscheidet bei Unternehmen meist über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Und nur wer die nötige Qualifikation mitbringt, gelangt meist auch in die engere Bewerberauswahl.

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Öffentlich sind Lügen in den Bewerbungsunterlagen tabu. Doch leider kommen sie in der Praxis häufiger vor als angenommen . Eine Studie zeigt, dass fast jede dritte Bewerbungsmappe Lügen enthält. Dabei sind die Schummeleien über angebliche Hobbys noch harmlos. Häufig werden nicht "nur" Lebensläufe aufgemotzt, sondern gleich ganze Zeugnisse gefälscht.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

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Bitte beachten Sie: Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Antworten und Informationen sowie der Rechtsprechung. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Ulf Weigelt, Choriner Straße 63, 10435 Berlin. Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Dabei können schon die kleinsten Mogeleien arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Hat Ihr Mitarbeiter seine Bewerbungsunterlagen gefälscht, können Sie den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Die Folge für Ihren Mitarbeiter: Sein Arbeitsvertrag ist nichtig, er verliert seinen Arbeitsplatz.

Dabei gibt es jedoch einen Haken! Sie können den Arbeitsvertrag nur erfolgreich anfechten, wenn Sie beweisen können, dass Ihr Mitarbeiter aufgrund des gefälschten Lebenslaufes auch den Arbeitsplatz erhalten hat.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Die Täuschung muss also ursächlich für das Eingehen des Arbeitsverhältnisses gewesen sein. Spielte die gefälschte Information bei der Einstellung keine Rolle, können Sie den Vertrag auch nicht erfolgreich anfechten.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts muss der Täuschende durch Vorspiegelung oder Entstellung von Tatsachen beim Arbeitgeber einen Irrtum erregt und ihn zur Abgabe einer Willenserklärung veranlasst haben. Die Täuschung kann auch in einem Verschweigen von Tatsachen bestehen – nämlich dann, wenn der Mitarbeiter eigentlich die entsprechenden Tatsachen offenbaren hätte müssen. Eine Anfechtung muss allerdings binnen der Jahresfrist erfolgen.

Sie können Ihren Mitarbeiter jedoch auch außerordentlich kündigen – das Arbeitsverhältnis endet dann fristlos. Anfechtung und Kündigung stehen nämlich selbständig nebeneinander, sodass theoretisch eine Anfechtung nicht erfolgreich sein kann, wohl aber eine fristlose Kündigung. Entscheidend ist der Einzelfall. Allerdings muss eine fristlose Kündigung entsprechend § 626 Absatz 2 BGB innerhalb von zwei Wochen erfolgen, nachdem der Kündigungsberechtigte von den Tatsachen Kenntnis erlangt.

Ihr Ulf  Weigelt

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