Leiharbeit "Wir geben Ungelernten die Möglichkeit, sich zu beweisen"
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Im Prinzip ist die Vorsitzende des Interessenverbands Zeitarbeit dafür, sagt sie im Interview. Ungelernte sollen aber weniger verdienen.
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beschäftigte der MAN Diesel & Turbo in Augsburg protestieren Ende Februar gegen Zeitarbeit
ZEIT ONLINE: Das Bundesarbeitsgericht hat den christlichen Gewerkschaften die Tariffähigkeit aberkannt. Diese hatten mit zahlreichen Zeitarbeitsfirmen Tarifverträge zu Dumpinglöhnen abgeschlossen. Nun können Leiharbeiter und Sozialkassen Löhne und Sozialversicherungsbeiträge in Milliardenhöhe nachfordern. Bedeutet dies das Ende zahlreicher Zeitarbeitsfirmen?
Ariane Durian: Die Sorge ist berechtigt, vor allem im Fall von Firmen, die viele Zeitarbeiter mit entsprechenden Tarifverträgen beschäftigt haben. Allerdings war die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts absehbar. Darum hat der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) bereits im Jahr 2003 einen Mindestlohn gefordert und auch keine Tarife mit den christlichen Gewerkschaften abgeschlossen, sondern faire Tarife mit den DGB-Gewerkschaften. Unseren Mitgliedern ist es wichtig, dass es fair zugeht. Darum sind wir sehr glücklich über den Mindestlohn.
ZEIT ONLINE: Warum? Immerhin wird Zeitarbeit dadurch teurer und verliert somit ihren Reiz.

Ariane Durian ist seit 2008 Bundesvorsitzende des Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), der 1950 Mitglieder aus dem Mittelstand hat, und Geschäftsführerin einer mittelständischen Personalvermittlung in Stuttgart
Durian: Nur, wenn man Zeitarbeit als reines Instrument der Kostenersparnis sieht. Wenn man Zeitarbeit jedoch als arbeitsmarktpolitisches Werkzeug begreift, das den Unternehmen mehr Flexibilität bei Auftragsschwankungen ermöglicht, sind ein Mindestlohn und Sicherheit in den Tarifverträgen wichtig. Wenn ein Unternehmen heute rasch einen qualifizierten Controller oder eine kompetente Fachkraft braucht, können wir solche Mitarbeiter sofort vermitteln.
ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie sind für das Equal-Pay-Prinzip, das auch der DGB fordert?
Durian: Wir sind sehr an einer Weiterentwicklung von Tarifverträgen interessiert. Wir tauschen uns mit den Gewerkschaften aus und favorisieren intelligente Lösungen. Dennoch wollen wir, dass die Zeitarbeit eine eigenständige Branche bleibt, mit eigenen Tarifverträgen.
ZEIT ONLINE: Also geht es doch darum, durch den Einsatz von Zeitarbeitern Kosten zu sparen?
Durian: Nein, wir befürworten für qualifizierte Fachkräfte das Equal-Pay-Prinzip, insbesondere, wenn die Mitarbeiter längerfristig für ein Unternehmen tätig sind.
ZEIT ONLINE: Und für Unqualifizierte?
Durian: Wir setzen uns dafür ein, dass Jobs in niedrig qualifizierten Bereich erhalten bleiben und Ungelernte weitergebildet werden, damit sie Aufstiegschancen haben.
ZEIT ONLINE: Wie sieht das konkret aus?
Durian: Es gibt immer weniger Jobs für Ungelernte in Deutschland. Darum darf die Zeitarbeit in diesem Bereich nicht zu teuer werden. Mit steigenden Lohnkosten stiege die Gefahr, dass diese Jobs verschwinden, etwa indem sie in billigere Länder verlagert werden. Hier erfüllt Zeitarbeit jedoch eine wichtige Aufgabe, weil sie Ungelernten wieder Zugang zum Arbeitsmarkt verschafft, die Möglichkeit, sich in einem Unternehmen zu beweisen.
- Datum 07.03.2011 - 12:34 Uhr
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einer Equal Pay Entlohnung weit weg. 11,50 Euro ohne Fahrkostenerstattung für die einfache Strecke von 50 km sind für einen Schreiner in der Zeiarbeit viel. Nach Tarif verdient ein Schreiner oder Tischler Mitte 50 im Handwerk etwa 19 Euro. Man gucke sich die BZA und IGZ Tarife an.
Das sie auch mit weniger als dem Notwendigsten, dass eben noch zu einem fairen, anteilnehmenden Leben in unserer Gesellschaft (auf gleicher Augenhöhe) an Einkommen gebraucht würde, sich mühsam über die Runden hangeln können!?
Leiharbeit, so wie sie hierzulande praktiziert wird, ist schlicht eine moderne Art von Sklaverei!
Sie verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und außerdem auch gegen humane Werte, indem man die Notlage von arbeitslosen Menschen eiskalt ausnutzt; diese chancenlos Geknechteten auch noch um den verdienten vollen Lohn für gute ehrliche Arbeit bringt.
Wieder einmal mehr zeichnet sich ab, zu welchen perfiden Auswüchsen dieser widerliche Filz aus etablierter Politik und den neoliberal-kapitalistischen System-Gewinnlern führt; Wie seit Jahr und Tag zu immer noch eklatanteren Nachteilen von unverschuldet in Not geratenen, abhängigen Arbeitnehmer und Bürgern!
Darüber können auch salbungsvolle Verbal-Beschönigungen niemanden hinweg täuschen, was etablierte Politik in diesem unserem Lande tatsächlich ausmacht und allein zu Wege, beschreibt sehr schön das folgende Zitat von Serafín Estébanez Calderón: "Diese traurige Welt bekleidet den, der schon bekleidet ist, und entblößet die Entblößten."...
Selbst wenn ich die warmen Worte der Frau nett finde, aber die kalte Realität sieht leider anders aus: Demnach bleibt es bei den meisten Leiharbeitern immer noch so, dass sie weitaus weniger verdienen als die Stammbelegschaft, nebenbei alle Kosten tragen müssen und die Hälfte ihres Lohns praktisch auf die Firma entfällt!
So etwas ist schlicht Sklavenhandel nach Artikel 233 StGB bis auf den Punkt mit dem fremden Land!
Ich bleibe dabei: So etwas gehört entweder besser bezahlt oder abgeschafft!
Es gibt ein Gesetz, das AüG, aber es taugt nur noch als Kaminfeuer. Leiharbeiter werden grundsätzlich in die falsche Tarifgruppe gesteckt, damit der Gewinn für die Sklavenhändler so hoch wie möglich bleibt. Nach dem Einsatz werden die Leiharbeiter dann mittels "betriebsbedingter Kündigung" ganz schnell auf die Strasse gesetzt. Gesetzgeber macht's möglich. Kein Sklavenhändler zahlt mehr freiwillig einsatzfreie Zeiten! Natürlich kann ich privat gegen die Sklavenhändler klagen. Aber dann stehe ich auf der Schwarzen Liste und bekomme erst Recht keine Arbeit mehr. In den Niederlanden gibt es wenigstens eine zentrale Stelle, bei der man Verstöße der Sklavenhändler melden kann. Hier ist dies politisch nicht gewollt. Und den Klebeeffekt gibt es nicht s. DGB-Studie. Warum auch, wenn Leihsklavern sofort steuerlich absetzbar sind.
Na, das ist eines der typischen Interviews, in denen in üblich-übler Diplomatie ein Teil zugegeben, dann aber auch sofort relativiert, während der Rest bagatellisiert wird. Schaut her, wir sind gar nicht so schlecht, wir sind sogar Helden!
Man kann das Ganze schlicht auch umdrehen. Und dazu kommt, dass viele der schönen Reden zwar gut klingen, aber bedeutungslos bleiben, wenn sie nicht in eine Realität umgemünzt werden. Nein, Leih- und Zeitarbeit, so wie sie in Deutschland gesetzlich etabliert wurde (zusätzlich mit der Hartz-Gesetzgebung als Peitsche) ist und bleibt Sklavenarbeit ZUGUNSTEN großer Firmen, zu denen auch die Verleihfirmen gehören, die ja überhaupt erst dadurch einen Ertrag für sich erwirtschaften können.
Das ist alles ein Teil des Spiels, Arbeitnehmer - und zwar alle - immer weiter zu degradieren. Geschieht auch nebenbei, wenn im Text angeführt wird, es würde immer mehr ungelernte, niedrig qualifizierte Menschen in Deutschland geben. Aber warum? Schulen und Hochschulen sind überbelegt! Leider verstehen viele Betroffene es nicht, dafür um so mehr die großen Spieler, die perfekt justierte Personen zu Interviews hinaus schicken, wie hier. Und es gibt Medien, die das zu gerne abdrucken, andere, die sonst nichts haben.
Denn die Stimme der wirklich Betroffenen ist leise, so mager durch die geringen Mittel gegenüber den Milliardenumsätzen der Großen.
...der arbeitet sogar umsonst!
Was hat der eigentlich gelernt?
Ich habe mit Genugtuung zur Kenntniss genommen, dass das Bundesgericht die Zeitarbeitverträge, in Verbindung mit den Christlichen Gewerkschaften, als nicht verfassungskonform erachtet hat.
Klar ist schon, dass ich lieber für 100€/Stunde arbeite als für den Hungerlohn der Zeitarbeit.
Klar ist auch dass die Zeitarbeit - erinnert sei an Wolfgang Clement - gerne die Sklavenarbeit als erträgliche Einnahmequelle betrachtet.
Nur im Unterschied zur Zeitarbeitsbranche versuche ich nicht meinen Stundenlohn mit der Not anderer zu verdienen. Cum grano salis, Innovation statt Ausbeuterei.
Leiharbeit scheint heute nur noch unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis gesehen werden.
Ich selbst habe es noch anders erlebt das Leihkraefte eingesetzt wurden um ihre Eignung fuer die ensprechende Taetigkeit zu testen. Waren sie geeignet und passten sie in das Team wurden ihnen Arbeitsvertraege angeboten.Ich habe selbst auf diesen Weg nach dem Studium meine erste Anstellung erhalten.
Doch dies ist wohl Vergangenheit da ich vor 10 Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden bin.
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