Lesetipp Die 50 schrecklichsten Jobs der Welt
Sherpa auf dem Mount Everest oder Spammer: Justin Racz stellt in seinem unterhaltsamen Buch skurrile Berufe vor, mit Verdienstchancen und Tätigkeitsbeschreibungen.
© Paula Bronstein/Getty Images

Ein Sherpa am Mount Everest
Nein, die 50 Jobs, die der Werbetexter Justin Racz in seinem Büchlein vorstellt, hat er sich nicht ausgedacht. Auch wenn einige so klingen. Es gibt Menschen auf dieser Welt, die als Wurfzwerg, Verfasser von Spam-Mails oder Entsorger von Gefahrenstoffen arbeiten. Und die meisten von ihnen quälen sich morgens nicht mit dem Gedanken aus dem Bett, wie furchtbar ihr Job ist.
In 50 Jobs, die schlimmer sind als deiner präsentiert der amerikanische Autor auf witzige Weise ungewöhnliche, bisweilen skurrile Berufe – mit Foto, kurzer Tätigkeitsbeschreibung, Einkommens- und Aufstiegschancen. Auch bewertet Racz die Jobs und kommt dabei zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass offenbar auch die absurdeste Tätigkeit ihre guten Seiten hat. Beispiel: als Sherpa für Mount-Everest-Bergsteiger zu arbeiten. 5,30 Euro verdienen die Männer am Tag als Grundlohn, einen Bonus erhalten sie für Touren mit über 2000 Kilogramm Gewicht. Das Ansehen der Guides ist indes enorm. In ihren Heimatländern werden Sherpas verehrt. Allerdings ist das Berufsrisiko sehr groß. Einer von 20 kommt auf einer Tour ums Leben.
Dagegen ist der Beruf des Geflügelgeschlechtsbestimmers absolut risikofrei. Die Tätigkeit besteht darin, nach einem Penis bei Küken zu suchen. Wer hätte gewusst, dass verwirrenderweise auch 15 Prozent der weiblichen einen haben? Der Geschlechtsbestimmer kann die Weibchen dennoch sofort erkennen – und aussortieren. Und darum verdient er auch zwischen 300 bis 525 Euro am Tag, plus Spesen, schreibt Racz. Pro Tag untersuchen diese Fachkräfte übrigens zwischen 5000 bis 7000 Küken und haben in der florierenden Geflügelindustrie einen sicheren Job.
Zu den sicheren Jobs zählt Autor Racz auch den des Kondom-Qualitätskontrolleurs. Tatsächlich ist auch dieser Job ein echter Beruf. Anstellung finden die Kontrolleure in Kondomfabriken, wo sie in Schichten von acht Stunden die Maschinen bedienen und überwachen, die den Dichtheits-, Aufblas- und Dehnungstest durchführen. Das Gehalt ist leider nicht ganz so üppig wie das des Kükengeschlechtbestimmers und liegt bei 1500 Euro im Monat eher auf der unteren Skala.
Stumpfsinnig und etwa auf dem gleichen Gehaltsniveau ist der Job des Dateneingebers, eine klassische Aushilfstätigkeit, die darin besteht, Namen und Adressen in Computersoftware einzutippen. Zwischen 7,60 Euro bis 12,80 in der Stunde zahlen Unternehmen dafür – zu Recht eine Beschäftigung, die überwiegend von Studenten ausgeübt wird.

Cover von "50 Jobs, die schlimmer sind als deiner"
Deutlich herausfordernder ist der Beruf des Dialogschreibers für Telefonmarketing. Wieder so ein Job, der einem nicht allgegenwärtig ist. Für die Werbegespräche am Telefon gibt es Scripte, die jedes erdenkliche Antwortverhalten des Kunden am Telefon vorsehen und das Ziel verfolgen, ein Geschäft abzuschließen. Jene Scripte erhalten die Verkäufer im Callcenter als Vorgabe – und während jene sich ihr Geld hart verdienen müssen, können Dialogschreiber bis zu 37.800 Euro im Jahr verdienen, hat der Autor recherchiert.
Nicht ganz nachvollziehbar sind verglichen mit diesem Job die Einkommenschancen als Spam-Schreiber. Zwischen 4,50 bis 7,50 Euro die Stunde verdient man durch das Verfassen von Werbemails. Zu wenig, befindet der Autor, aber immerhin sieht er einen Vorteil an diesem Job: "Jeden Tag lesen Millionen Menschen diese Zeilen."
Wie es ist, wenn Millionen von Menschen die eigenen Zeilen lesen, kennt der Autor übrigens – er selbst hat sich schon einen Namen als Werbetexter gemacht und die Slogans für eine bekannte Cola- und Pizzamarke verfasst.
Wenigstens war er nicht schon Vorher-Mann. Ein letzter Job aus dem Büchlein, der an dieser Stelle erwähnt sei. Doch was genau macht so ein Vorher-Mann? Er modelt – als Negativbeispiel für ein Schnell-Abnehm-Programm. Man kennt die bekannten Vorher-Nachher-Werbebilder, auf denen die abgelichteten Personen bloß eine vage Ähnlichkeit miteinander haben. Während das Nachher-Model noch einen halbwegs dankbaren Job hat, sollte der Vorher-Mann hart im Nehmen sein. Bezahlt werden solche Fotos übrigens auch nicht so gut. Rund 40 Euro gibt es für ein solches Bild, wenigstens ist der schwarze Balken über den Augen meist inklusive.
Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis: So öde der eigene Job auch sein mag, es gibt viele Tätigkeiten und Berufe, die wirklich schlimmer sind. Auch wenn das Büchlein nicht ganz ernst gemeint ist, kurzweilig und unterhaltsam ist es allemal. Die letzten Seiten hat der Autor übrigens freigelassen. Hier kann der Leser seinen eigenen Job eintragen und die Vor- und Nachteile bestimmen. Fazit: Ein unglaublich lustiges Büchlein, das jeden noch so trostlosen Job wieder ins rechte Licht rücken dürfte.
- Datum 27.03.2011 - 10:40 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










also ich weiß nicht. mich würde so ein buch nicht fröhlich stimmen. schon beim lesen dieser zeilen ist mir die sonntagmorgen-laune vergangen. und brauchen tu ich sowas auch nicht: zu wissen, welches die 50 schlimmsten jobs sind. wer braucht so was? vermutlich leute, die sich wirklich mit ihrem job anöden. um sich zu vergewissern, daß es noch schlimmeres gibt. nach dem motto: schlimmer geht immer.
Ein Buch, das ich sicher nie kaufen würde. Darüber hinaus: Sollte es mir unerwarteterweise jemand schenken, so wäre mir die Zeit zu schade, auch nur ein Kapitel darin zu lesen.
Ein Job fehlt mit Sicherheit:
Derjenige, Bücher wie das vorgestellte lesen und rezensieren zu müssen.
Im Auftrag handeln sie... - Reklame ist so ziemlich das Blödeste. Weil es ja eh keine sachdienliche Infos sind, weil man dem Zeug nicht vertrauen kann.
Es lesen sicher auch nicht Millionen diese Texte, sondern sie erzürnen schon allein bei Erfassen der Mail und die werden weg gelöscht.
Tut mir leid, Spammer, der Job gehört zu den Überflüssigsten der Welt.
Entfernt. Bitte vermeiden Sie Polemik und argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/lv
... dass es anderen Menschen noch schlechter geht als einem selbst.
Nichts hebt die Stimmung mehr.
Auch der kleine Einwurf bei den Spam-Textern, man (der Autor) hätte auch schon für Millionen geschrieben...
Enthüllt ein schönes Psychogram. Im Mindesten einfach unlustig und konstruiert. Ein Max Gold könnte das vielleicht, aber ein Ex-Werbetexter?
dieser Welt kann der Werbetexter natürlich keine Ahnung haben. Zynismus pur.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/lv
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren