Arbeitsrecht : Was darf im Arbeitszeugnis stehen?

Die Mitarbeiterin möchte den Arbeitgeber wechseln. Was sollte in ihrem Zeugnis stehen und was ist tabu? Ulf Weigelt gibt Antwort in der Arbeitsrechtskolumne.

Ich wechsle im Sommer meinen Arbeitgeber. Worauf muss ich achten, wenn mein Arbeitgeber mir ein Arbeitszeugnis ausstellt?, fragt Christina Walter

Sehr geehrte Frau Walter,

zuerst sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis als sogenanntes Endzeugnis erhalten. Denn ein einfaches Zeugnis enthält keine Angaben über Ihre Leistungen und Ihre Führung, sondern nur Informationen wie Personalien und die Beschäftigungsdauer. Deshalb empfiehlt sich ein einfaches Arbeitszeugnis nur bei kurzzeitigen Arbeitsverhältnissen.

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Generell sollten Arbeitszeugnisse Mitarbeiter in einem guten Licht darstellen. Das Zeugnis muss von einem Wohlwollen getragen sein.

Auch sollten sie ein Gesamtbild von der Persönlichkeit der Arbeitnehmer vermitteln.

Bei der Formulierung und der Wahl der Schwerpunkte für Ihre Beurteilung ist Ihr Arbeitgeber frei. Selbstverständlich müssen die inhaltlichen Angaben der Wahrheit entsprechen. Und auch die Leistungsbewertung muss sich nach Ihrer konkreten Tätigkeit richten.

Die wichtigste Aussage in einem Zeugnis ist die Gesamtbeurteilung. Achten Sie deshalb besonders darauf:

  • "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit": sehr gut
  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit": gut
  • entfällt in der Formulierung der Begriff "stets", handelt es sich um ein befriedigend
  • fehlt dazu noch der Begriff "voll", so signalisiert dies eine unterdurchschnittliche, aber ausreichende Leistung
  • "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt" bedeutet mangelhaft
  • "bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen" spricht für eine völlig ungenügende Leistung
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Auch in der abschließenden Leistungsbewertung hat sich eine spezielle Geheimsprache herausgebildet. Die Wahrheit liest man oft zwischen den Zeilen. Vorsicht ist daher beispielsweise auch geboten, wenn Formulierungen wie "Seine umfangreiche Bildung machte ihn stets zu einem gesuchten Gesprächspartner" auftauchen, das bedeutet übersetzt: "Er war geschwätzig und führte lange Privatgespräche."

Wer heutzutage bei einer Bewerbung kein gutes Zeugnis vorlegen kann, hat selten Chancen. Deshalb ist es ratsam, dass Arbeitszeugnis stets von einem Fachmann prüfen zu lassen.

Entdecken Sie derartige Fallen in Ihrem Arbeitszeugnis und treffen diese objektiv nicht zu, haben Sie einen Anspruch auf Berichtigung. Ist dies der Fall, sollten Sie zunächst direkt Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber aufnehmen und Ihre Änderungswünsche anmelden und um Berichtigung bitten. Oft sind Arbeitgeber kompromissbereit – sofern nicht überzogene Vorstellungen geäußert werden. 

Führt dies nicht zum Erfolg, sollten Sie mit einem anwaltlichen Schreiben noch einmal den Berichtigungsanspruch zunächst außergerichtlich unterstreichen. Ist Ihr Arbeitgeber dann immer noch nicht zur Korrektur bereit, müssen Sie gemeinsam mit Ihrem Anwalt überlegen, ob eine Zeugnisberichtigungsklage sinnvoll ist.

Deshalb rate ich Mitarbeitern stets, sich noch während ihrer Beschäftigungszeit ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen, denn meist ist das Arbeitsklima dann noch in Ordnung und der Arbeitgeber zu größeren Kompromissen bereit. Sie können Ihrem Arbeitgeber auch behilflich sein, indem Sie Ihre Vorstellungen als Entwurf einreichen.

Ihr Ulf Weigelt

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

circulus vitiousus

1. Auch mit hervorragenden Zeugnissen ist bei Knappheit der "Ware" sehr schwer eine Stelle zu finden.

2. Weil Arbeitsstellen so knapp sind, sollten Arbeitszeugnisse hervorragend sein, so vielleicht die Meinung der Zeugnissforscher.

Aber: Eine Vielzahl von Menschen werden nach Beziehungen eingestellt (nicht negativ gemeint); Vitamin-B und Nepotismus gehören dazu.

Experten sind Idalisten und präsentieren lediglich Sachverstand und nicht Beziehungsverstand.

Aus Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass ich niemals wegen meiner Zeugnis eingestellt worden bin, sondern nach meiner Beziehung.

Leute (die keine Arbeitsstelle haben) nutzen Sie auch diese Sozialebene!

Warum? In der Kommunikation spielt die Sozialebene die Hauptrolle; Sachebene spiel eine Nebenrolle.

Peinliche Anpreisung und Hokuspokus

Wer Rat sucht, sollte einfach mal ins BGB schauen, dort ist die Zeugnispflicht des Dienstherrn beschrieben. Ein guter BGB-Kommentar erklärt, um was genau es dabei geht.

Es mag bei der Vielzahl von Dienstherrn schon einige darunter geben, die einfach nicht wissen, was genau sie bezeugen und wie sie ein Zugnis zu verfassen haben.

Es wird leider auch einiger Hokuspokus verbreitet, von selbsternannten Fachleuten.

Wer ein Zeugnis richtig lesen will, sollte über gute Deutschkenntnisse verfügen, das hilft mehr als die Schwätzerei über angebliche Geheimcodes. Hier wird eine mehr als dreissigjährige Legende der ehemaligen Deutschen Angestellten Gewerkschaft aufgewärmt und unreflektiert weitergegeben.

Peinlich ist, dass die ZEIT in dieser als redaktionellem Beitrag getarnten Werbeanzeige für den Rechtsanwalt Ulf Weigelt falsches Deutsch weitergibt:"...vollsten..."

Seriöse Zeugnisse enthalten diesen ausgemachten M... nicht. Wer Wert auf ein einwandfreies und seriöses Zeugnis legt, wird darauf drängen, dass anstelle dessen eine andere und angemessene Formulierung für außerordentliche/hervorragende (= sehr gute) Leistungen verwendet wird.

Es gibt auch Leute,

die haben was gelernt oder sogar auch eine Uni von innen gesehen.

Es soll weiterhin Leute geben, die wissen, dass "zur vollsten Zufriedenheit" ein seit Jahrzehnten eingeführter Terminus ist, welcher durch dutzende Urteile in seiner Bedeutung definiert wurde.

Dagegen weis @Oktogon das alles besser und empfiehlt einen guten BGB Kommentar. Da wünsche ich viel Spaß!

Ich bin zwar kein Physiker aber da gucke ich gleich mal wegen der String Theorie in einen Kommentar. Wozu brauche ich denn Physiker?

deutsche arbeitszeugnisse im ausland

was man vielleicht erwähnen sollte, ist, dass diese überschwengliche art von arbeitszeugnis im ausland teilweise anders interpretiert wird. im skandinavischen raum glaubt man z.b., dass der arbeitgeber den arbeitnehmer los werden will (wenn das entsprechende unternehmen wenige internationale erfahrungen hat). die arbeitszeugnisse dort sind i.a. sehr nüchtern und fachbezogen, nur ein oder zwei sätze zum charakter des mitarbeiters.