Ich wechsle im Sommer meinen Arbeitgeber. Worauf muss ich achten, wenn mein Arbeitgeber mir ein Arbeitszeugnis ausstellt?, fragt Christina Walter

Sehr geehrte Frau Walter,

zuerst sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis als sogenanntes Endzeugnis erhalten. Denn ein einfaches Zeugnis enthält keine Angaben über Ihre Leistungen und Ihre Führung, sondern nur Informationen wie Personalien und die Beschäftigungsdauer. Deshalb empfiehlt sich ein einfaches Arbeitszeugnis nur bei kurzzeitigen Arbeitsverhältnissen.

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Generell sollten Arbeitszeugnisse Mitarbeiter in einem guten Licht darstellen. Das Zeugnis muss von einem Wohlwollen getragen sein.

Auch sollten sie ein Gesamtbild von der Persönlichkeit der Arbeitnehmer vermitteln.

Bei der Formulierung und der Wahl der Schwerpunkte für Ihre Beurteilung ist Ihr Arbeitgeber frei. Selbstverständlich müssen die inhaltlichen Angaben der Wahrheit entsprechen. Und auch die Leistungsbewertung muss sich nach Ihrer konkreten Tätigkeit richten.

Die wichtigste Aussage in einem Zeugnis ist die Gesamtbeurteilung. Achten Sie deshalb besonders darauf:

  • "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit": sehr gut
  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit": gut
  • entfällt in der Formulierung der Begriff "stets", handelt es sich um ein befriedigend
  • fehlt dazu noch der Begriff "voll", so signalisiert dies eine unterdurchschnittliche, aber ausreichende Leistung
  • "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt" bedeutet mangelhaft
  • "bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen" spricht für eine völlig ungenügende Leistung

Auch in der abschließenden Leistungsbewertung hat sich eine spezielle Geheimsprache herausgebildet. Die Wahrheit liest man oft zwischen den Zeilen. Vorsicht ist daher beispielsweise auch geboten, wenn Formulierungen wie "Seine umfangreiche Bildung machte ihn stets zu einem gesuchten Gesprächspartner" auftauchen, das bedeutet übersetzt: "Er war geschwätzig und führte lange Privatgespräche."

Wer heutzutage bei einer Bewerbung kein gutes Zeugnis vorlegen kann, hat selten Chancen. Deshalb ist es ratsam, dass Arbeitszeugnis stets von einem Fachmann prüfen zu lassen.

Entdecken Sie derartige Fallen in Ihrem Arbeitszeugnis und treffen diese objektiv nicht zu, haben Sie einen Anspruch auf Berichtigung. Ist dies der Fall, sollten Sie zunächst direkt Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber aufnehmen und Ihre Änderungswünsche anmelden und um Berichtigung bitten. Oft sind Arbeitgeber kompromissbereit – sofern nicht überzogene Vorstellungen geäußert werden. 

Führt dies nicht zum Erfolg, sollten Sie mit einem anwaltlichen Schreiben noch einmal den Berichtigungsanspruch zunächst außergerichtlich unterstreichen. Ist Ihr Arbeitgeber dann immer noch nicht zur Korrektur bereit, müssen Sie gemeinsam mit Ihrem Anwalt überlegen, ob eine Zeugnisberichtigungsklage sinnvoll ist.

Deshalb rate ich Mitarbeitern stets, sich noch während ihrer Beschäftigungszeit ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen, denn meist ist das Arbeitsklima dann noch in Ordnung und der Arbeitgeber zu größeren Kompromissen bereit. Sie können Ihrem Arbeitgeber auch behilflich sein, indem Sie Ihre Vorstellungen als Entwurf einreichen.

Ihr Ulf Weigelt