Für viele gelten sie bis heute als ideales Paar. Nicht weil Jean Paul Sartre von seiner Frau die Hemden frisch gebügelt bekam oder lecker bekocht wurde. Sondern weil Simone de Beauvoir dem Philosophen durch intellektuelle Wellenlänge zur unersetzlichen Partnerin wurde. Die Pariserin war nämlich beruflich ebenfalls sehr erfolgreich, erlangte Anerkennung als Schriftstellerin und Feministin. So wurden Sartre und de Beauvoir Mitte des 20. Jahrhunderts eines der ersten Paare, die einen bürgerlichen Leitsatz infrage stellten: Dass hinter jedem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau stehe – und wohlbemerkt nicht neben ihm.

Sartre und de Beauvoir machten beide Karriere. Das bedeutete Protest gegen das Patriarchat, in dem der Mann der Ernährer war, und die Frau sich um Haushalt und Kinder sorgte. Diese klassische Arbeitsteilung zwischen Paaren gibt es kaum noch, heute ist es Normalität, dass beide Partner nach beruflicher Selbstverwirklichung suchen. "Es macht ja auch viel mehr Spaß, wenn sich beide Partner intellektuell ergänzen", sagt die Berliner Psychologin Birgit Weisswange-Lehmann.

Gleichwohl findet man sie immer noch, jene Paare mit dem kleinen Hierarchieunterschied. Der Arzt, der mit der Krankenschwester verheiratet ist, der Rechtsanwalt, dessen Ehefrau nur Bürokraft ist und kein Studium gemacht hat. Doch wird zunehmend auf der Berufe-Skala horizontal und nicht mehr vertikal gebalzt. Heute wählt der Arzt eine Ärztin, die Juristin sucht sich einen Juristen. "Dieser Trend ist klar erkennbar", sagt Weisswange-Lehmann. Schon werben deutsche Hochschulen und Unternehmen nicht mehr nur um die besten Köpfe, sondern sorgen sich auch um deren Partner. Immer häufiger ist von Dual Career die Rede, von Doppelkarrierepaaren . Ohne den einen ist der andere nicht zu haben.

Doch wie funktioniert das im Berufsalltag? Ist familiärer Rückhalt noch möglich, wenn beide Partner jeden Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft nach Hause kommen? "Ja selbstverständlich", meint Weisswange-Lehmann. "Rückhalt heißt ja eben nicht, dass einem die Hemden gebügelt werden oder das Bett frisch bezogen wird." Viel wichtiger sei gerade in intellektuellen Beziehungen das gegenseitige Zuhören. Und das könne auch gelingen, wenn beide beruflich eingespannt sind – abends etwa bei einem Glas Rotwein auf dem Sofa. Doppelkarrierepaare hätten für die Hausarbeit meist Personal – sodass sie diese Alltagsprobleme nicht so stark belasten, sagt die Verhaltenstherapeutin. Auch Kindertagesstätten oder Großeltern können beruflich doppelt geforderte Eltern entlasten.

Doch vielen Paaren gelingt diese Alltagseinteilung nicht. Laut einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich an der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern nicht viel geändert – auch wenn beide Partner berufstätig sind. Danach kochen etwa doppelt so viele Frauen wie Männer und kümmern sich um die Kinder. Beim Putzen ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen laut der OECD-Studie sogar eins zu drei. Auch Psychologin Weisswange-Lehmann sagt, dass in vielen modernen, vermeintlich emanzipierten Partnerschaften noch immer antiquierte Vorstellungen über eheliche Pflichten vorherrschten.

Ein klassisches Fallbeispiel aus ihrer Praxis in Berlin-Mitte, das eines beruflich erfolgreichen Akademikerpaares: Er arbeitet in einer großen Werbeagentur, sie ist erfolgreiche Bankerin. "Dann bekommen sie zwei Kinder, aber es ist sie, die mehr Geld nach Hause bringt als er", berichtet Weisswange-Lehmann. Die Frau arbeitet, die Frau kümmert sich maßgeblich um die Kindererziehung, und sie führt den Haushalt. Das ist zu viel. Nachdem die Frau über Jahre die Haupternährerin der Familie ist, schmeißt sie die Ehe hin. "Weil sie immer noch dem Kindheitsmuster nachhängt, dass die Ernährerrolle eigentlich die des Mannes ist und nicht die der Frau", erzählt die Therapeutin. "Dabei wäre genug Geld da gewesen für eine Haushaltshilfe."