PartnerschaftVom Glück und Unglück der Karrierepaare

Die meisten Paare finden sich auf Augenhöhe. Doch wenn er und sie Karriere machen wollen, kommt es zu Konflikten. Oft schmerzt Konkurrenz mehr als ein Seitensprung. von 

Liebespaar im St. James Park in London

Liebespaar im St. James Park in London  |  © Ben Stansall/AFP/Getty Images

Für viele gelten sie bis heute als ideales Paar. Nicht weil Jean Paul Sartre von seiner Frau die Hemden frisch gebügelt bekam oder lecker bekocht wurde. Sondern weil Simone de Beauvoir dem Philosophen durch intellektuelle Wellenlänge zur unersetzlichen Partnerin wurde. Die Pariserin war nämlich beruflich ebenfalls sehr erfolgreich, erlangte Anerkennung als Schriftstellerin und Feministin. So wurden Sartre und de Beauvoir Mitte des 20. Jahrhunderts eines der ersten Paare, die einen bürgerlichen Leitsatz infrage stellten: Dass hinter jedem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau stehe – und wohlbemerkt nicht neben ihm.

Sartre und de Beauvoir machten beide Karriere. Das bedeutete Protest gegen das Patriarchat, in dem der Mann der Ernährer war, und die Frau sich um Haushalt und Kinder sorgte. Diese klassische Arbeitsteilung zwischen Paaren gibt es kaum noch, heute ist es Normalität, dass beide Partner nach beruflicher Selbstverwirklichung suchen. "Es macht ja auch viel mehr Spaß, wenn sich beide Partner intellektuell ergänzen", sagt die Berliner Psychologin Birgit Weisswange-Lehmann.

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Gleichwohl findet man sie immer noch, jene Paare mit dem kleinen Hierarchieunterschied. Der Arzt, der mit der Krankenschwester verheiratet ist, der Rechtsanwalt, dessen Ehefrau nur Bürokraft ist und kein Studium gemacht hat. Doch wird zunehmend auf der Berufe-Skala horizontal und nicht mehr vertikal gebalzt. Heute wählt der Arzt eine Ärztin, die Juristin sucht sich einen Juristen. "Dieser Trend ist klar erkennbar", sagt Weisswange-Lehmann. Schon werben deutsche Hochschulen und Unternehmen nicht mehr nur um die besten Köpfe, sondern sorgen sich auch um deren Partner. Immer häufiger ist von Dual Career die Rede, von Doppelkarrierepaaren . Ohne den einen ist der andere nicht zu haben.

Doch wie funktioniert das im Berufsalltag? Ist familiärer Rückhalt noch möglich, wenn beide Partner jeden Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft nach Hause kommen? "Ja selbstverständlich", meint Weisswange-Lehmann. "Rückhalt heißt ja eben nicht, dass einem die Hemden gebügelt werden oder das Bett frisch bezogen wird." Viel wichtiger sei gerade in intellektuellen Beziehungen das gegenseitige Zuhören. Und das könne auch gelingen, wenn beide beruflich eingespannt sind – abends etwa bei einem Glas Rotwein auf dem Sofa. Doppelkarrierepaare hätten für die Hausarbeit meist Personal – sodass sie diese Alltagsprobleme nicht so stark belasten, sagt die Verhaltenstherapeutin. Auch Kindertagesstätten oder Großeltern können beruflich doppelt geforderte Eltern entlasten.

Doch vielen Paaren gelingt diese Alltagseinteilung nicht. Laut einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich an der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern nicht viel geändert – auch wenn beide Partner berufstätig sind. Danach kochen etwa doppelt so viele Frauen wie Männer und kümmern sich um die Kinder. Beim Putzen ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen laut der OECD-Studie sogar eins zu drei. Auch Psychologin Weisswange-Lehmann sagt, dass in vielen modernen, vermeintlich emanzipierten Partnerschaften noch immer antiquierte Vorstellungen über eheliche Pflichten vorherrschten.

Ein klassisches Fallbeispiel aus ihrer Praxis in Berlin-Mitte, das eines beruflich erfolgreichen Akademikerpaares: Er arbeitet in einer großen Werbeagentur, sie ist erfolgreiche Bankerin. "Dann bekommen sie zwei Kinder, aber es ist sie, die mehr Geld nach Hause bringt als er", berichtet Weisswange-Lehmann. Die Frau arbeitet, die Frau kümmert sich maßgeblich um die Kindererziehung, und sie führt den Haushalt. Das ist zu viel. Nachdem die Frau über Jahre die Haupternährerin der Familie ist, schmeißt sie die Ehe hin. "Weil sie immer noch dem Kindheitsmuster nachhängt, dass die Ernährerrolle eigentlich die des Mannes ist und nicht die der Frau", erzählt die Therapeutin. "Dabei wäre genug Geld da gewesen für eine Haushaltshilfe."

Leserkommentare
  1. es geht im Artikel doch um Karriere. Was hat Karriere mit Intellektualität zu tun? Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
    Außerdem: unbedingt Karriere machen wollen heißt in erster Linie Machtgeilheit. Das verträgt sich generell schlecht mit allem Zwischenmenschlichen. Kein Wunder, dass da Beziehungen zu Bruche gehen.

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    "Dabei wäre genug Geld da gewesen für eine Haushaltshilfe."
    Wer in Berlin so geizig ist, stammt ursprünglich wohl aus Württemberg. Selbst schuld!
    "Auch Psychologin Weisswange-Lehmann sagt, daß in vielen modernen, vermeintlich emanzipierten Partnerschaften noch immer antiquierte Vorstellungen über eheliche Pflichten vorherrschten."
    Glücklicherweise bleibt dem intellektuellen Paar der Neuzeit immer noch die alte und doch ewig moderne Methode der ehelichen Pflicht als bestes Mittel zum Abbau von Streß.

  2. "Dabei wäre genug Geld da gewesen für eine Haushaltshilfe."
    Wer in Berlin so geizig ist, stammt ursprünglich wohl aus Württemberg. Selbst schuld!
    "Auch Psychologin Weisswange-Lehmann sagt, daß in vielen modernen, vermeintlich emanzipierten Partnerschaften noch immer antiquierte Vorstellungen über eheliche Pflichten vorherrschten."
    Glücklicherweise bleibt dem intellektuellen Paar der Neuzeit immer noch die alte und doch ewig moderne Methode der ehelichen Pflicht als bestes Mittel zum Abbau von Streß.

    3 Leserempfehlungen
  3. Ja, auch die gibt es. Und zwar solche, die, obwohl intellektuell ebenbürtig, ihrer Partnerin jahrelang die bessere, erfolgreichere Karriere (und nebenbei sogar Kinder) ermöglichen. Die Zeiten, in denen Frauen hinter erfolgreichen Männern zurückstehen mussten sind doch längst vorbei. Da muss man schon auf Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir zurückgreifen. Wann kommt denn mal ein ZEIT-Artikel über die Männer hinter den Karrierefrauen? Beispielsweise über Herrn Sauer hinter (neben?) Frau Merkel...

    Eine Leserempfehlung
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    "Wann kommt denn mal ein ZEIT-Artikel über die Männer hinter den Karrierefrauen? Beispielsweise über Herrn Sauer hinter (neben?) Frau Merkel..."

    Hm gut, aber das von Ihnen genannte Ehepaar hat meines Wissens nach keine Kinder, wie so viele Karrierepaare die ich kenne. Denn nicht zu vergessen in vielen Jobs ist Karriere stark mit Mobilität verbunden. Ich kenne Paare, die seit fast zwei Jahrzehnten zusammen sind, aber noch nie in der gleichen Stadt wohnten. Hier muss Frau oder Mann sich auch fragen, ist es das wert.

    Desweiteren kritisiere ich die unterschwellige Kritik an Beziehungen, die "nicht auf Augenhöhe" sind (klassisch Arzt-Krankenschwester). Denn zum einen wurde schon angeführt dass Intelligenz und Intellekt nicht zwangsläufig mit Bildung und Karriere einhergehen.
    Mir persönlich wäre z.B. eine nette, hübsche, natürliche,
    charakterfeste und ehrliche Krankenschwester mit Charme lieber, als eine Karrierefrau a la Dr. Koch-Mehrin. Zumal wie letztlich bewiesen wurd, auch akademische Titel oft nichts über die tatsächliche "Intellgenz" Ihrer Träger ausssagen.

    Also lieber auf dem Teppich bleiben.....

    Doppelposting. Die Redaktion/wg

  4. Mein Mann und ich arbeiten in ähnlichen Berufen des gleichen Qualifikationslevels in der mittleren Führungsebene. Was ich an einer solchen Beziehung schätze ist, dass wir uns gegenseitig verstehen, wenn wir mal nach einem anstrengenden Tag ausgepowert sind, dass wir uns gegenseitig Tips geben können und uns motivieren können. Früher waren wir direkte Konkurrenten im Job und das war sehr schwierig, aber heute machen wir doch unterschiedliche, aber trotzdem noch fachverwandte Sachen.

    Ende letzten Jahres haben wir uns von unserer Haushaltshilfe getrennt, weil ich immer nachputzen musste und mich dann entschieden habe, es lieber gleich selbst zu machen. Der Auftrag war Böden putzen, Küche und Bad. Den Rest kriegen mein Mann und ich zusammen hin. Ein Irrtum! Bis März habe ich 10-11 Stunden täglich im Büro gearbeitet und danach noch gekocht und geputzt. Im April war ich mit den Nerven fertig und habe nichts mehr gemacht und dabei festgestellt, dass es zumindest bei meinem Mann extrem viel braucht, bis er sich zu jegwelcher Putzaktion überwinden kann. Nur beim Bügeln ist er unschlagbar. Seither leben wir schmuddelig, aber glücklich vor uns her. Ab August habe ich aber trotzdem vor wieder eine Haushaltshilfe zu suchen.

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  5. "Wann kommt denn mal ein ZEIT-Artikel über die Männer hinter den Karrierefrauen? Beispielsweise über Herrn Sauer hinter (neben?) Frau Merkel..."

    Hm gut, aber das von Ihnen genannte Ehepaar hat meines Wissens nach keine Kinder, wie so viele Karrierepaare die ich kenne. Denn nicht zu vergessen in vielen Jobs ist Karriere stark mit Mobilität verbunden. Ich kenne Paare, die seit fast zwei Jahrzehnten zusammen sind, aber noch nie in der gleichen Stadt wohnten. Hier muss Frau oder Mann sich auch fragen, ist es das wert.

    Desweiteren kritisiere ich die unterschwellige Kritik an Beziehungen, die "nicht auf Augenhöhe" sind (klassisch Arzt-Krankenschwester). Denn zum einen wurde schon angeführt dass Intelligenz und Intellekt nicht zwangsläufig mit Bildung und Karriere einhergehen.
    Mir persönlich wäre z.B. eine nette, hübsche, natürliche,
    charakterfeste und ehrliche Krankenschwester mit Charme lieber, als eine Karrierefrau a la Dr. Koch-Mehrin. Zumal wie letztlich bewiesen wurd, auch akademische Titel oft nichts über die tatsächliche "Intellgenz" Ihrer Träger ausssagen.

    Also lieber auf dem Teppich bleiben.....

    9 Leserempfehlungen
  6. Doppelposting. Die Redaktion/wg

    • fegalo
    • 05. Mai 2011 21:25 Uhr

    aus dem Tagebuch der Verhaltenstherapeutin Birgit Weisswange-Lehmann.

    Ach Gottchen!

    5 Leserempfehlungen
  7. " ... daß in vielen modernen, vermeintlich emanzipierten Partnerschaften noch immer antiquierte Vorstellungen über eheliche Pflichten vorherrschten."

    Vielleicht darf ich ja hier mal eine Diskussion anregen, die der Frage nachgeht, WARUM das denn WIRKLICH so ist. Das Agenda-getriebene "jetzt sind die doch so modern und haben gefälligst dem Stereotyp der 'neuen, modernen Partnerschaft' zu folgen" wird ja offensichtlich von der Verhaltensrealität widerlegt.

    In Partnerschaften folgen Männer und Frauen offensichtlich ganz anderen Neigungen und Bedürfnissen, als wir das von der befreiten Frau und vom angepasst-emanzipierten Mann erwarten. Das nur auf "alte Verhaltensmuster" zurückzuführen ist doch kaum mehr als Propaganda, die man natürlich lieber liest, weil sie einem vermeintlich gerechten und wünschenswerten Idealbild entsprechen, und vor allem: weil das eine EINFACHE Erklärung ist, die man schnell abnicken kann ohne noch mehr Gehirnschmalz zu bemühen.

    Also, liebe ZEIT, mal ein bisschen besser die Hausaufgaben gemacht, dann kommt man der Sache vielleicht endlich ein bisschen besser - und vor allem agendafrei - auf den Grund.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jean-Paul Sartre | Simone De Beauvoir | Glück | Partnerschaft | OECD | Arzt
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