Ich habe einen Arbeitsvertrag (40-Stunden-Woche) in einem Callcenter, wo die Anwesenheit elektronisch erfasst wird. Nun verlangt unser Arbeitgeber, dass wir deutlich vor Schichtbeginn erscheinen, sodass wir den PC und die Programme starten, bevor unsere Schicht beginnt. Diese Rüstzeit dauert etwa 15 Minuten. Unser Chef sagt, wir sollen exakt zu Schichtbeginn anfangen können zu telefonieren. Ebenso zählt die Nacharbeit – also das Herunterfahren der Programme und des Computers – nicht zu unserer Arbeitszeit. Diese wird über eine weitere Zeiterfassung am Telefon gemessen. 

Meine Frage ist jetzt: Zählt diese Rüstzeit zu meinen Hauptpflichten und somit zur vergütungspflichtigen Arbeitszeit, oder nicht? In unserem Arbeitsvertrag wird diese Zeit nicht erwähnt. Wir haben auch keine Tarifzugehörigkeit, fragt Daniel Kaden

Sehr geehrter Herr Kaden,

die Rüstzeit umfasst laut Definition jene Zeiten, die erforderlich sind, um ein Arbeitssystem vorzubereiten, einen Auftrag auszuführen oder um die Arbeitssysteme nach Erledigung des Auftrags in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Das Hochfahren Ihres PC oder das Starten des benötigten Programms beispielsweise sind als Ihre Hauptleistungspflicht einstufen – mit der Folge, dass Ihnen diese Zeit auch entlohnt werden muss .

Schließlich wäre die Arbeit ohne einen funktionsfähigen Computer nicht durchführbar. 

Allerdings ist diese Thematik keineswegs unumstritten, wie das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 11.Oktober 2000 (Aktenzeichen 5 AZR 122/99 ) zeigt.

In diesem Fall ging es allerdings um das Waschen und Reinigen. Geklagt hatte ein Müllfahrer, der diese Tätigkeiten als Arbeitszeit vergütet haben wollte.

Das verneinte das Gericht mit der Begründung, dass das Umkleiden und Waschen gerade nicht zur Hauptleistungspflicht eines Müllwerkes gehöre.

Ihr Ulf Weigelt