Work-Life-BalanceAuszeit vom Job

Die Situation am Arbeitsmarkt entspannt sich, Unternehmen können ihren Mitarbeitern Auszeiten ermöglichen. Sabbatical, Teilzeit, Bildungsurlaub: Was zu beachten ist.

Am Arbeitsmarkt haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Arbeitgeber müssen sich ins Zeug legen, damit ihre Leistungsträger nicht zur Konkurrenz wechseln. Die Zahl der Arbeitslosen lag im April mit knapp drei Millionen auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Die Zahl der offenen Stellen ist auf Rekordniveau gestiegen. "Die Krise ist vorbei, der Rekrutierungsmarkt wandelt sich vom Bewerber- zum Kandidatenmarkt ", sagt Jens Hohensee, Rekrutierungsexperte bei der Personalberatung Kienbaum. Der Markt für Top-Leute sei derzeit wie leer gefegt. Die vielfach Umworbenen können die aktuelle Situation nutzen, um Gehalt und Karriere zu maximieren . Oder sie nutzen ihren Marktwert, um mal einige Gänge zurückzuschalten.

Vier Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, die sich eine kleine Auszeit gönnen möchten: Teilzeit, Sabbatical, Elternzeit oder Bildungsurlaub.

Anzeige

Die einfachste Art, im Job zu reduzieren, ist die Teilzeitarbeit. Mit dem Arbeitgeber lassen sich sowohl die Zahlen der Stunden pro Tag oder – für Führungskräfte ohne festen Stundenplan sinnvoller – die der Arbeitstage pro Woche reduzieren. 

Auch wenn es auf den ersten Blick zahllose Gründe geben mag, warum der Arbeitnehmer nicht abkömmlich sein soll, ist der Schritt erst vollzogen, funktioniert die Teilzeit vielfach problemlos. In modernen Unternehmen ist sie meist auch nicht karriereschädlich, zumindest wenn der Mitarbeiter eine plausible Erklärung für seinen Wunsch vorbringen kann. Gefragte Fachkräfte können in einigen Fällen sogar von einem Sondereffekt profitieren. Wenn sie sich rar machen, wird den Vorgesetzen der Wert des Mitarbeiters bewusst. In solchen Fällen zeigt der Wunsch nach Teilzeit auch Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein. 

Ablehnen kann der Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit in der Regel nicht. Grundsätzlich gibt es für Arbeitnehmer ein Recht auf Stundenreduzierung . Die Bedingungen dafür regelt das  Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) . Das gilt auch für Führungskräfte und leitende Angestellte. "Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten sich natürlich möglichst einvernehmlich einigen, das Recht auf Teilzeit lässt sich aber auch einklagen", sagt der Arbeitsrechtler Christoph Abeln. 

Einige Bedingungen müssen allerdings erfüllt sein: Das Arbeitsverhältnis muss seit mehr als sechs Monaten bestanden haben, und der Arbeitgeber muss in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen. Der Mitarbeiter muss seinen Wunsch auf Verringerung der Arbeitszeit, den Umfang der Zeitreduzierung und die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit zudem spätestens drei Monate vor Beginn der Teilzeitphase beantragen.

"Soweit betriebliche Gründe dem Wunsch des Arbeitnehmers nicht entgegenstehen, muss der Arbeitgeber der Verringerung der Arbeitszeit zustimmen", sagt Abeln. Seine Entscheidung muss der Chef spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn der Verringerung schriftlich mitteilen. 

Tipps für Teilzeit
  • Es gibt einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Bedingung: Das Unternehmen muss mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen und der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate im Unternehmen sein. Wichtig: Das Gesetz sieht eine einvernehmliche Lösung vor. Ein juristisches Vorgehen gegen den Arbeitgeber ist ein schwerer Bruch des Vertrauensverhältnisses und kann das Ende der Karriere bedeuten.
  • Prüfern Sie informell, etwa im Intranet oder beim Betriebsrat, welche Regelungen im Unternehmen üblich sind. Wenn mehrere Kollegen bereits reduziert haben, erleichtert das die Argumentation.
  • Es ist möglich, die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren oder die Zahl der Arbeitstage.
Steuern

Geht die Reduktion der Arbeitszeit mit einem Einkommensverzicht einher, gilt es die Steuerklasse zu beachten. Sinkt das Einkommen mit der Arbeitszeit, sollte die Steuerersparnis optimal justiert sein. In Hintergrund kann ein Anwalt die entsprechenden Vereinbarungen checken. Gerade Führungskräfte müssen bei Boni, Dienstwagen und Co vorsichtig sein.

Fristen
  • Der Arbeitnehmer muss seinen Wunsch auf Verringerung der Arbeitszeit, den Umfang der Zeitreduzierung und die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit spätestens drei Monate vor Beginn der Teilzeitphase beantragen.
  • Der Arbeitgeber muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn die Genehmigung der Teilzeit schriftlich mitteilen.
  • Können sich beide Parteien nicht einigen und äußert sich der Arbeitgeber nicht innerhalb der Monatsfrist schriftlich, verringert sich die Arbeitszeit automatisch.

Können sich beide Parteien nicht einigen und äußert sich der Arbeitgeber nicht innerhalb der Monatsfrist schriftlich, verringert sich die Arbeitszeit automatisch. Lehnt der Arbeitgeber endgültig ab, bleibt dem Arbeitnehmer nur der Weg zum Arbeitsgericht, um seinen Anspruch auf Teilzeitarbeit durchzusetzen.

Selbst wenn der Arbeitgeber Teilzeit grundsätzlich unterstützt, gibt es jedoch Konfliktpunkte. Einige Arbeitgeber verlangen für die Zustimmung zur Teilzeitarbeit vom Mitarbeiter, dass dieser Aufgaben abgibt. Das kann auch die eigene Position im Hierarchiegefüge gefährden. Die negativen Folgen lassen sich nur schwer abschätzen. Aufzwingen darf der Arbeitgeber derartige Veränderungen jedoch nicht, denn es gibt keine juristische Grundlage.

Ein weiteres Problem ist eine mögliche Anpassung des Gehaltes. Das Gesetz macht in diesem Punkt keine Vorgaben. Nach einhelliger Rechtsaufassung müssen Mitarbeiter aber Einbußen hinnehmen. Üblicherweise sinkt das Gehalt im Verhältnis eins zu eins mit der Zahl der Stunden. Clevere Mitarbeiter orientieren die Reduzierung an entsprechenden Grenzen für die Einkommenssteuerklassen. 

Gerade Führungskräfte müssen beim Gehalt aufpassen. Viele haben in ihren Arbeitsverträgen häufig keine Zeitvereinbarung getroffen und ein gewisser Umfang von Überstunden wird mit dem Gehalt abgegolten. In diesem Falle stellen sich neue Fragen: In welchem Umfang reduziert sich das Gehalt, wenn man künftig beispielsweise fest 30 Stunden arbeitet, zuvor aber 48 Stunden wöchentlich aktiv war? Was passiert mit dem teilweise privat genutzten Dienstwagen? Und mit den variablen Vergütungsbestandteilen? Die orientieren sich oft an der Leistung oder dem Ergebnis einer Abteilung und nicht an der Arbeitszeit. In diesem Falle ist eine Reduzierung der Prämien bei gleich bleibendem Erfolg natürlich nicht notwendig.  

In solchen Fällen hilft letztlich nur das persönliche Verhandlungsgeschick . Oft lohnt eine arbeitsrechtliche Beratung. Übrigens: Über eine erneute Verringerung der Arbeitszeit kann frühestens nach zwei Jahren verhandelt werden, nachdem der Arbeitgeber einer Reduzierung zugestimmt oder diese berechtigt abgelehnt hat. 

Leserkommentare
  1. "Die Krise ist vorbei, der Rekrutierungsmarkt wandelt sich vom Bewerber- zum Kandidatenmarkt"

    Nach Heinricht Alt (vorstand der Bundesanstalt für Arbeit fehlen derzeit 5,8 Millionen Stellen.
    Wie soll da die Krise für Arbeitnehmer vorbei sein ?
    Warum gibt es dann immer noch soviele arbeitslose Fachkräfte (einschliesslich Ingenieure/Informatiker) ?
    Warum steigen die Löhne nicht steil, sondern immer noch unterdurchschnittlich (gemessen an Europa/Welt) ?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...hat die PR der Regierung voll zugeschlagen...

    ...hat die PR der Regierung voll zugeschlagen...

  2. ...hat die PR der Regierung voll zugeschlagen...

    Eine Leserempfehlung
  3. Haben sie Daten zu der Anzahl an tatsaechlich angefragten und bewilligten Sabbaticals? Ich habe einmal fuer ein DAX Unternehmen gearbeitet. Die Anzahl an Mitarbeitern die tatsaechlich einen Sabbatical in Anspruch genommen haben war wohl eher eine Handvoll (uber mehrere Jahre gerechnet). Gerade das Sabbatical, ist eine Scheinleistung, da es in der Praxis nicht funktioniert (meiner Erfahrung nach). Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das man gar nicht erst versuchen sollte so etwas zu beantragen. Es wird "nicht gerne gesehen" heisst es beim Kaffetratsch mit den Kollegen. Oder: "schlecht fuer die weitere Karriere". Hat jemand andere, positivere Erfahrungen gemacht? Vielleicht lag es ja einfach an meinem Unternehmen....

  4. Es scheint ja bei einigen Kommentatoren schon reflexartig zu sein, bei Artikeln, die das Wort Arbeitsmarkt beinhalten, die immer gleichen Phrasen zu dreschen. Furchensumpf bemüht wie immer die PR der Regierung und der Rest macht es auch nicht besser. Wie heißt es so schön, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich zitiere:

    "Der Markt für Top-Leute sei derzeit wie leer gefegt. Die vielfach Umworbenen können die aktuelle Situation nutzen, um Gehalt und Karriere zu maximieren. Oder sie nutzen ihren Marktwert, um mal einige Gänge zurückzuschalten."

    Tja, wie das immer so ist im Leben. Da, wo das Angebot die Nachfrage übersteigt, bleibt alles beim Alten, da wo die Nachfrage größer als das Angebot ist, trifft der Artikel eben zu. Oder gehören die letzten Drei Kommentatoren etwa zu den Top-Leuten? Wahrscheinlich nicht, denn sonst würden Sie den Aufschwung am Arbeitsmarkt eben spüren und die Vorteile für sich nutezn können.

    Aber wie gesagt, viel Spaß beim Frustschieben, Schuld haben sowieso immer die anderen, früher war eh alles besser und irgendwas ist ja auch immer.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie Sie in Ihrem letzten Absatz zurecht festgestellt haben, gilt die gute Entwicklung eben nur für die Top-Leute.

    Es ist zumindest vom Artikel-Autor unsauber, wenn er dann allgemein vom "Arbeitsmarkt" spricht, ohne diesen eben konkret auf die Top-Leute zu beziehen. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass die Arbeitslosen zum Großteil aus gefragten Top-Leuten bestehen, sondern eher aus solchen, die nicht unter diese Kategorie fallen. Das kommt auch wunderbar zum Ausdruck, wenn dort steht, die Leerstellen wachsen, der Markt für Top-Leute sei leergefegt - und wir noch immer offiziell 3Mio. Arbeitslose haben und die inoffiziellen Arbeitslosen und Aufstocker eigentlich noch draufrechnen müssten.

    Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören.

    Wie Sie in Ihrem letzten Absatz zurecht festgestellt haben, gilt die gute Entwicklung eben nur für die Top-Leute.

    Es ist zumindest vom Artikel-Autor unsauber, wenn er dann allgemein vom "Arbeitsmarkt" spricht, ohne diesen eben konkret auf die Top-Leute zu beziehen. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass die Arbeitslosen zum Großteil aus gefragten Top-Leuten bestehen, sondern eher aus solchen, die nicht unter diese Kategorie fallen. Das kommt auch wunderbar zum Ausdruck, wenn dort steht, die Leerstellen wachsen, der Markt für Top-Leute sei leergefegt - und wir noch immer offiziell 3Mio. Arbeitslose haben und die inoffiziellen Arbeitslosen und Aufstocker eigentlich noch draufrechnen müssten.

    Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören.

  5. Wie Sie in Ihrem letzten Absatz zurecht festgestellt haben, gilt die gute Entwicklung eben nur für die Top-Leute.

    Es ist zumindest vom Artikel-Autor unsauber, wenn er dann allgemein vom "Arbeitsmarkt" spricht, ohne diesen eben konkret auf die Top-Leute zu beziehen. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass die Arbeitslosen zum Großteil aus gefragten Top-Leuten bestehen, sondern eher aus solchen, die nicht unter diese Kategorie fallen. Das kommt auch wunderbar zum Ausdruck, wenn dort steht, die Leerstellen wachsen, der Markt für Top-Leute sei leergefegt - und wir noch immer offiziell 3Mio. Arbeitslose haben und die inoffiziellen Arbeitslosen und Aufstocker eigentlich noch draufrechnen müssten.

    Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Die letzten Drei!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören."

    Ich habe eher den Eindruck, ein Großteil stört sich generell an guten Nachrichten. Pflügen Sie sich doch einfach mal spaßeshalber durch die Nachrichten mit guten Meldungen, die es zweifeldfrei gibt. Ein Jammertal, was sich da auftut. Differenzierte Diskussionen zu einem Thema werden i.d.R. im Keim erstickt. Versucht man, etwas Licht in das Dickicht zu bringen, sprich zu differenzieren (darum geht es nämlich bei einer Diskussion) wird man gleich als blauäugig, naiv und im Zweifel als Vasall der Regierung abgekanzelt. Gute Meldungen dürfen einfach nicht sein. Sie würden ja vom eigenen Ungemach ablenken.

    "Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören."

    Ich habe eher den Eindruck, ein Großteil stört sich generell an guten Nachrichten. Pflügen Sie sich doch einfach mal spaßeshalber durch die Nachrichten mit guten Meldungen, die es zweifeldfrei gibt. Ein Jammertal, was sich da auftut. Differenzierte Diskussionen zu einem Thema werden i.d.R. im Keim erstickt. Versucht man, etwas Licht in das Dickicht zu bringen, sprich zu differenzieren (darum geht es nämlich bei einer Diskussion) wird man gleich als blauäugig, naiv und im Zweifel als Vasall der Regierung abgekanzelt. Gute Meldungen dürfen einfach nicht sein. Sie würden ja vom eigenen Ungemach ablenken.

  6. "Dadurch entsteht eben ein falscher Eindruck, an dem sich die Rezensenten zurecht stören."

    Ich habe eher den Eindruck, ein Großteil stört sich generell an guten Nachrichten. Pflügen Sie sich doch einfach mal spaßeshalber durch die Nachrichten mit guten Meldungen, die es zweifeldfrei gibt. Ein Jammertal, was sich da auftut. Differenzierte Diskussionen zu einem Thema werden i.d.R. im Keim erstickt. Versucht man, etwas Licht in das Dickicht zu bringen, sprich zu differenzieren (darum geht es nämlich bei einer Diskussion) wird man gleich als blauäugig, naiv und im Zweifel als Vasall der Regierung abgekanzelt. Gute Meldungen dürfen einfach nicht sein. Sie würden ja vom eigenen Ungemach ablenken.

  7. Kaum erholt sich die deutsche Wirtschaft ein wenig vom (fast) Bankenkrash, man bedenke die horrenden Bürgschaften die auf uns allen lasten, schon geht der Wahn wieder los.

    Man sollte möglicherweise mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kommen. Unternehmen sind keine Sanatorien, Bildungsreiseunternehmen oder chill out Zone!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Man sollte möglicherweise mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kommen. Unternehmen sind keine Sanatorien, Bildungsreiseunternehmen oder chill out Zone!"

    Aber sie sollten auch keine Orte sein, wo man seine Mitarbeiter verheizt und die Kosten dann hierfür der Allgemeinheit aufbürdert (Stichwort Burn-Out).

    "Man sollte möglicherweise mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kommen. Unternehmen sind keine Sanatorien, Bildungsreiseunternehmen oder chill out Zone!"

    Aber sie sollten auch keine Orte sein, wo man seine Mitarbeiter verheizt und die Kosten dann hierfür der Allgemeinheit aufbürdert (Stichwort Burn-Out).

  8. ...ich höre davon zum ersten Male und denke, dass das absoluter Blödsinn ist.Nachdem in den niederen Chargen soviele Leute gewippt worden sind, arbeiten die Leute dort am Limit! Wenn diese dann ihre Stunden reduzieren wollten, bekommen sie diese selbstverständlich auf 0% gekürzt !

    Aber wer kann sich bei den Gehältern schon eine Stundenreduzierung leisten ? Höchstens Leute, deren Abwesenheit sowieso niemanden auffällt !

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service