Schlafberater: Experten für guten Schlaf
Ist es die falsche Matratze? Schlafstörungen können viele Ursachen haben. Schlafberater beraten die Leidenden, behandeln dürfen sie aber nicht. Unser Beruf der Woche.
"Wer schlafen kann, darf glücklich sein", sagte Erich Kästner. Allerdings ist ein erholsamer Schlaf nicht jedem vergönnt. Fast 40 Prozent der Deutschen leiden regelmäßig unter Schlafstörungen . "Die Ursachen sind den meisten Patienten unbekannt", sagt Markus Kamps. Er arbeitet als selbständiger Schlafberater.
Kamps kümmert sich jedoch weniger um Patienten als vielmehr um Menschen, die es mit den Patienten zu tun haben. Er führt Informationsveranstaltungen zu Stressbewältigung, Lebensgewohnheiten und Ernährung durch, er berät Unternehmen und ihre Mitarbeiter, in denen Schichtdienst üblich sind und er schult die Mitarbeiter von Bettenfachgeschäften.
- Albträume
Die Hälfte aller Erwachsenen schreckt nachts hin und wieder aus Albträumen hoch, oft hängen sie mit schlimmen Ereignissen oder unbewältigten Konflikten zusammen. Geschieht das mehrmals pro Woche, empfiehlt sich eine Psychotherapie.
- Jetlag
Wer mehr als zwei Zeitzonen überfliegt (besonders gen Osten), leidet meist unter Jetlag: Die innere Uhr hinkt hinterher. Therapie: Am Zielort den Tagesrhythmus konsequent einhalten. Oder weniger fliegen. Jahrelanges häufiges Ost-West-Jetten kann dauerhafte Insomnie verursachen.
- Schichtarbeit
Rund 15 Prozent aller Erwerbstätigen hierzulande arbeiten in Schichten. Drei Viertel all jener, die das länger als drei Jahre tun, erleiden irgendwann eine Schicht-Schlafstörung. Nach Nachtschichten finden sie kaum erholsamen Schlaf. Im Extremfall verliert ihr Körper ganz den Rhythmus, Herzkrankheiten oder andere Störungen drohen. Da helfen nur andere Arbeitszeiten.
- Schlafwandeln
Bei den rund drei Millionen Schlafwandlern aktiviert das Gehirn nachts die Muskeln – nicht aber das Bewusstsein. Meist ist der Spuk nach wenigen Minuten vorbei. Vorsicht vor Stürzen und Unfällen! Medikamente sind nur selten nötig.
- Restless Legs
Das Restless-Legs-Syndrom quält mehr als zwei Millionen Bürger. Sie spüren ein Kribbeln oder Brennen in den Unterschenkeln. Ursache kann Dopamin- oder Eisenmangel sein, Abhilfe verspricht hoch dosiertes Eisen.
Hin und wieder suchen ihn aber auch Menschen auf, die unter Schlafstörungen leiden. Dann berät Kamps vorwiegend in technischen Fragen: Ist der Raum zu hell? Welches Bett und welche Matratze verwendet der Schlaflose? Auch über Stress und Entspannung spricht der Berater mit seinen Klienten. Sobald es aber um medizinische Ursachen und Probleme geht, muss Kamps die Klienten an einen Arzt verweisen. Denn behandeln darf der Schlafberater nicht. "Wir sind Gesundheitsdienstleister und bilden die Vorstufe zu Medizinern."
- Narkolepsie
Narkoleptiker können von einem Moment auf den anderen ganz plötzlich einschlafen. Ihnen fehlt ein Botenstoff, der den Schlaf-/Wachrhythmus regelt. Die rätselhafte Krankheit ist zwar nicht heilbar, mit Medikamenten aber beherrschbar.
- Apnoe
Bei der Schlafapnoe setzt die Atmung immer wieder komplett aus – für bis zu zwei Minuten. Die Folge: Sauerstoffmangel, langfristig drohen Herzinfarkt, Schlaganfall und geistige Störungen. Betroffen sind rund vier Millionen Menschen, am häufigsten Übergewichtige: zu viel Fett im Halsbereich verschließt die Atemwege. Sauerstoffgeräte helfen, vor allem aber ist Abnehmen nötig.
- Kleine-Levin-Syndrom
Das Kleine-Levin-Syndrom äußert sich durch extremes Schlafbedürfnis (»Hypersomnie«). Betroffene schlafen oft tagelang bis zu 20 Stunden täglich – in den kurzen Wachphasen sind sie meist verwirrt, sexuell enthemmt und essen übermäßig. Die Attacken können zwei Wochen lang dauern und alle paar Jahre wiederkehren. Das Syndrom ist sehr selten, seine Ursache unbekannt.
- Insomnie
Schlaflosigkeit (Insomnie) trifft rund fünf Millionen Menschen. Sie können abends regelmäßig nicht einschlafen, obwohl sie müde sind. Therapie: eine gute Matratze, ein dunkler Raum, Entspannungsübungen – und nicht so viel grübeln.
- Schlafmangel
Wer ständig zu wenig schläft, riskiert langfristig, am Schlafmangelsyndrom zu erkranken. Einige Hunderttausend Menschen in Deutschland leiden darunter, oft ohne es zu merken. Die Leistungsfähigkeit leidet – Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und schließlich Burn-out-Syndrom können folgen. Therapie: konsequent auf genug Schlaf achten.
Nicht alle Schlafberater arbeiten so umfassend wie Markus Kamps. Viele sind entweder auf den Bereich Betten und Matratzen spezialisiert oder sie sind nur in der Stress-Prävention tätig. Schlafberater müssen sich gut mit Ergonomie auskennen – und natürlich mit den Materialien, aus denen Betten und Matratzen angefertigt sind. Zudem brauchen sie auch medizinische und psychologische Kenntnisse. Und sehr viel Empathie. "Schlafstörungen sind ein sensibles Thema, nicht jeder öffnet sich dahingehend gern", sagt Markus Kamps.
Eine staatlich anerkannte Berufsausbildung gibt es nicht. Der Berufsverband Deutsche Präventologen bietet eine Ausbildung an, daneben können sich Menschen aus medizinischen Berufen in verschiedenen Gesundheitsinstituten zum Schlafberater intern weiterbilden lassen.
Schlafberater sind in der Regel selbstständig oder arbeiten als Fachangestellte in Bettenhäusern. Darüber hinaus sind einige Therapeuten und Psychologen auch als Schlafcoach tätig und bringen ihren Patienten Entspannungstechniken für einen erholsamen Schlaf bei.
Schlafbedingungen und Schlafverhalten haben sich erst in den letzten 100 Jahren stark verändert. Zugleich tragen die Anforderungen der Arbeitswelt dazu bei, dass Schlafstörungen stark zugenommen haben , sagt Markus Kamps. "Viele Menschen können Stress nicht mehr bewältigen. Alles wird immer schneller und größer, das belastet den Organismus."
Auch er selbst kennt das. Als Schlafberater ist Markus Kamps viel unterwegs, hält Vorträge in anderen Städten, übernachtet in schlechten Hotelbetten, wie er sagt. Und dann? Beherzige er seine eigenen Tipps. "Kein Mensch schläft immer gut. Das ist aber auch nicht notwendig. Der Körper reguliert das schon selbst. Wenn man mal ab und zu schlecht schläft ist das nicht schlimm, es darf nur nicht über einen längeren Zeitraum passieren."
- Gehalt: variiert
- Ausbildung: keine staatlich anerkannte Ausbildung
- Arbeitszeit: variiert








@Autor: Was verstehen Sie unter Ergnonimie?
Darf ich Ihnen meinen Schlafberater vorstellen, gestatten "...Jonny Walker ist mein bester Freund..."
Jonny Walker hilft zwar... aber auf die Dauer präsentiert er auch seine Rechnung.
So wird aus Stress Alkoholismus.
Jonny Walker hilft zwar... aber auf die Dauer präsentiert er auch seine Rechnung.
So wird aus Stress Alkoholismus.
Jonny Walker hilft zwar... aber auf die Dauer präsentiert er auch seine Rechnung.
So wird aus Stress Alkoholismus.
Warum nicht zum Arzt?
Warum denn das?
Wie mein Vorkommentator schon geschrieben hat, zum Arzt oder zum Psychologen gehen, ist wohl sinnvoller. Und: Seitdem ich regelmäßig 3-4 mal pro Woche Sport mache und versuche so ziemlich immer zur selben Zeit ins Bett zu gehen, schlafe ich gut. Als erstes sollte man also das probieren :)
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