BerufseinstiegKein Job ohne Praktikum

Das Praktikum nach dem Studium gehört für viele Akademiker zum Berufseinstieg dazu. Viele brauchen dann aber finanzielle Unterstützung ihrer Eltern.

Tanja Althaus kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem sie den ersten unbefristeten Arbeitsvertrag bekam. Alle ihre Freunde und Familienangehörigen sollten davon erfahren: "Ich habe das magische Wörtchen 'unbefristet' in meinem neuen Vertrag stehen", schrieb sie im vergangenen Herbst auf Facebook. Althaus, 32 Jahre alt, hat mehr als vier Jahre dafür gebraucht.

Uns sie ist kein Einzelfall: Eine Studie der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung zur Generation Praktikum kommt zu dem Ergebnis, dass junge Akademiker immer länger brauchen, bis sie auf einer unbefristeten Festanstellung landen. Für die Untersuchung wurden erneut die 674 Absolventinnen und Absolventen befragt, die bereits 2007 Gegenstand einer solchen Untersuchung waren.

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Dreieinhalb Jahren nach dem Studienabschluss haben demnach gerade einmal 36 Prozent einen unbefristeten Job, 28 Prozent sind immerhin befristet angestellt. Der Rest hat sich entweder selbständig gemacht oder befindet sich in einer Weiterbildung. "Junge Akademiker sind die unfreiwilligen Vorreiter einer weitgehend flexibilisierten und damit unsicheren Arbeitswelt", sagt DGB-Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock. Aber: Nur acht Prozent der Befragten sind arbeitslos. Und fast alle haben ein oder mehrere Praktika gemacht.

Auch Tanja Althaus hat nach ihrem Abschluss Praktika absolviert – wie bereits im Studium. Die Kulturwissenschaftlerin hangelte sich monatelang von unbezahltem Praktikum zu Honorartätigkeit, jobbte in Museen und als Stadtführerin, arbeitete als Freiberuflerin in zeitlich befristeten Projekten. Nach zwei Jahren hatte sie endlich Glück: Die Endlosschleife fand ein Ende. Althaus absolvierte ein Volontariat in einem Museum. Um nur 18 Monate später wieder ohne festen Job dazustehen, denn eine freie Stelle war in dieser Einrichtung nicht zu haben.

"Ich wusste natürlich schon zu Beginn meines Studiums, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Kulturwissenschaftler schlecht ist", erzählt die junge Frau. Darum habe sie schon im Studium darauf geachtet, viele Kontakte zu knüpfen und Praxiserfahrungen zu sammeln. Den Jobeinstieg erleichtert hat es ihr allerdings nicht. Oder doch? "Die Flexibilität, die ich mir schon im Studium abgefordert habe, hat mich auf der Suche nach einem Volontariat gelassener gemacht. Ich wusste, dass sich irgendwas immer ergibt", sagt Althaus. Und sie wusste, dass sie mit wenig Geld auskommen kann. Auch nach dem Abschluss wohnte Althaus in Wohngemeinschaften, ihre Eltern übernahmen weiter ihre Krankenversicherung, die Großeltern zahlten ein monatliches Taschengeld. Ohne die finanzielle Unterstützung der Familie wäre es nicht gegangen.

Mehr als die Hälfte aller Absolventen kann sich das Praktikum nach dem Studium nur leisten, weil die Eltern sie finanziell unterstützen. Viele greifen zudem auf Ersparnisse zurück oder werden von ihrem Partner unterstützt. Die meisten jobben noch nebenher. Auch Tanja Althaus musste nebenher Geld verdienen. Über den Nebenjob im Museum ergatterte sie schließlich einen Jahresvertrag, der im vergangenen Herbst entfristet wurde.

Von Ausbeutung will Althaus aber trotzdem nichts wissen: "Praktika sind wichtig, weil man durch sie erste Berufserfahrung bekommt", sagt die Kulturwissenschaftlerin. Darum erstaunt es nicht, dass auch Absolventen solcher Fächer nach dem Abschluss ein Praktikum machen, die eigentlich auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind .

Leserkommentare
  1. Vergessen Sie auch nicht: Viele Dichter und Denker der Vergangenheit lebten auch nicht von ihrer Berufung, sondern von dem, was ihre Eltern ihnen vererbt hatten.

  2. Mediziner werden händeringend gesucht, und werden sich wohl kaum von Praktikum zu Praktikum hangeln. Germanisten brauchen wir (als Deutschlehrer) lange nicht so viele, wie wir ausbilden. Sonstige Orchideenstudenten (Theater, Medien, Marketing-, Kultur-, Politik-, Sprach- und Sonstwaswissenschaften, der ganze IWMM-Bereich) noch weniger - die muss nämlich jemand aus der Wertschöpfungsseite der Gesellschaft bezahlen, entweder via öffentlichen Haushalten oder via Werbebudgets der Industrie. Der Bereich, der direkt Umsatz generiert (Film, Musik) ist recht gering. Dass durch die Masse der in diesen Fächern Studierenden die Wissenschaft in diesen Bereichen (deren Wichtigkeit ich nicht in Abrede stellen will) irgendwie sinnig vorangetrieben wird, kann man nun auch nicht ernsthaft behaupten. Da wird derzeit viel Text produziert, aber wenig Wissen.

    Dass man aber ausgerechnet Juristen überhaupt für irgendwas brauche, halte ich nur wirklich für ein ganz großes Gerücht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hallo ?"
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se.

    ...nochmal des Wort "händeringend" höre, bekomme ich einen Blutrausch !
    Sicher werden sie gebraucht, die Ings, die Meds und auch alle anderen, aber man will nicht für sie bezahlen ! Und was ihre sensationelle Eingebung angeht, sich selbstständig zu machen : Sie sind sicher auf dem Markt eingeschlagen wie eine Bombe ! Endlich ein Berufsanfänger, der keine Ahnung hat und wahrscheinlich noch nicht einmal eine Berufshaftpflicht, aber aber dafür Rechnung stellt wie ein etabliertes Unternehmen ! What a guy !!
    Wie oft mussten ihre Eltern ihre Miete zahlen, ihnen Lebensmittel vorbeibringen, bis das erste Geld gekommen ist ? Diesen Selfmade-Mist können sie auf dem nächsten FDP-Stammtisch erzählen !!!

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se.

    ...nochmal des Wort "händeringend" höre, bekomme ich einen Blutrausch !
    Sicher werden sie gebraucht, die Ings, die Meds und auch alle anderen, aber man will nicht für sie bezahlen ! Und was ihre sensationelle Eingebung angeht, sich selbstständig zu machen : Sie sind sicher auf dem Markt eingeschlagen wie eine Bombe ! Endlich ein Berufsanfänger, der keine Ahnung hat und wahrscheinlich noch nicht einmal eine Berufshaftpflicht, aber aber dafür Rechnung stellt wie ein etabliertes Unternehmen ! What a guy !!
    Wie oft mussten ihre Eltern ihre Miete zahlen, ihnen Lebensmittel vorbeibringen, bis das erste Geld gekommen ist ? Diesen Selfmade-Mist können sie auf dem nächsten FDP-Stammtisch erzählen !!!

  3. Mediziner finden auch gut Jobs, genauso wie Mathematiker.

    Ingenieur ist nur ein plakatives Beispiel, aber wer Architektur studiert oder BWL/Soziologie, würde wohl weder Mathematik, noch Medizin, noch Physik oder einen Ingenieursstudiengang studieren.

    "...also bei Studienantritt schon gewusst, dass sie bei erfolgreichem Abschluss sofort eine Stelle bekommen ? "

    Ja, das habe ich damals gewußt, weil ich auch wußte, dass ich mich selbstständig machen würde, wenn ich keine Anstellung finden würde.

    Die Anstellung gab es trotz eines nicht überragenden Diploms noch vor dem Abschluss, die Teilzeit-Selbstständigkeit ist als zweites Standbein dazu gekommen.

    Abgesehen davon: Es wäre ja langweilig, wenn ich mit 20 schon wüßte, was ich mit 28 genau machen werde. Das weiß ich teilweise jetzt nicht einmal für die Zeit in einem Jahr.

    Es gibt doch nichts langweiligeres als ein Mainstreamleben. Sterben werden wir Alle.

    Antwort auf "Hallo ?"
  4. Ich schließe mich dem Kommentar von Chris 7 an. Diese ganzen Probleme sind hausgemachte Probleme des deutschen Bildungswesens, die nicht so massiv geworden wäre, wenn schon 1945 die Professorenschaft und die Studienräte das amerikanische Bildungswesen in Westdeutschland übernommen hätten. Wir hätten kein 3 geteiltes Schulwesen, das duale Ausbildungssystem wäre durch Fachhochschulstudiengänge ersetzt worden. Jedoch weigerten sich die deutschen Krankenschwestern 1945 erfolgreich, als ihnen vorgeschlagen wurde, doch zu studieren. Nun läuft alles doppelt gemoppelt im deutschen Bildungssystem. Es wird Heilpädagogen mit Baechelor geben und Heilpädagogen mit Ausbildung usw. Ich frage mich, inwiefern die unzähligen Bildungsministerien auf Landes-und Bundesebene über diese Tematik reflektieren. Aber die Reflexion nützt wahrscheinlich wenig, da es immer genügend Leute gibt, die ihren Bereich nicht reformieren, sondern aus was für Gründen schützen möchten. Darüber hinaus: es ist doch mal wieder Wortklauberei, ob man ein Praktikum als Ausbeutung bezeichnet oder nicht. Fakt ist: es wird in irgendeiner Form Arbeit geleistet, die oft nicht so bezahlt wird, das eine Person davon leben kann. Wahrscheinlich verdient ein Maurer in der Ausbildung mehr als ein hier oft "verunglimpfter" schöngeistiger Prakikant. Ich bin als Praktikant in einem angesehenden Wissenschaftsverlag um 16 Uhr nach Hause gegangen, mir wurde jedoch empfohlen, bis 20 Uhr dort zu arbeiten für einen "Appel"

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    Der Denkfehler liegt darin: SOlange es Menschen gibt, die für kein Geld arbeiten, solange wird es diese Praktika geben.

    Würden die Absolventen nicht kostenlos arbeiten, würden die Arbeitgeber auch etwas zahlen.

    Bei großen Firmen beobachtet man auch - so eine HR Verantwortliche - dass die meisten Bewerber sagen, Geld sei nicht so wichtig, weil man sich davon einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern verspricht.

    Sorry, wenn ich für jemanden arbeite, dann ist Geld für mich schon wichtig und das sage ich bei Vorstellungsgesprächen auch so.

    Der Denkfehler liegt darin: SOlange es Menschen gibt, die für kein Geld arbeiten, solange wird es diese Praktika geben.

    Würden die Absolventen nicht kostenlos arbeiten, würden die Arbeitgeber auch etwas zahlen.

    Bei großen Firmen beobachtet man auch - so eine HR Verantwortliche - dass die meisten Bewerber sagen, Geld sei nicht so wichtig, weil man sich davon einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern verspricht.

    Sorry, wenn ich für jemanden arbeite, dann ist Geld für mich schon wichtig und das sage ich bei Vorstellungsgesprächen auch so.

  5. Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se.

    Antwort auf "Brauchen wir?"
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    Was ist denn unsachlich an der Frage, was zwei Juristen am Meeresboden sind?

    Ich habe ja die Antwort nicht geschrieben.

    Was ist denn unsachlich an der Frage, was zwei Juristen am Meeresboden sind?

    Ich habe ja die Antwort nicht geschrieben.

  6. ...was ist ein "Nutzlosfach"?
    Wenn es jetzt 50.000 Studenten im Bereich Ingenieurwissenschaften gäbe, wären die, nach ihrem Abschluss dann auch nutzlos?
    Und was macht ein Studienfach nutzlos ?

    Antwort auf "[...]"
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    Muss man immer studieren wäre die richtige Gegenfrage.

    Muss man Praktika machen und sich staatliche Systeme überlegen, damit Praktikanten von ihrem Praktikum leben können?

    Wie seltsam ist die Forderung, die man hier lesen konnte, dass Banken Kredite vergeben sollten, wenn jemand ein Praktikum macht?

    Sollte die junge Generation nicht einfach mal etwas selber auf die Beine stellen, anstatt nach Papa/Mama Staat zu rufen und im Prinzip nichts an den Zuständen zu verändern, nur dass der Staat dann eben die Fürsorge übernimmt?

    Sorry, aber vielleicht bin ich da zu direkt: Wenn's nicht in meinem Traumjob klappt, oder ich dort jahrelang unbezahlte Praktika machen müsste, dann würde ich mir einen anderen Job suchen. Ich verschulde mich doch nicht für meinen Arbeitgeber, wenn der mir noch nichteinmal was zahlt... Das wäre ja noch schlimmer, als unbezahlte Praktika zu machen und einen Zweitjob zu haben.

    Muss man immer studieren wäre die richtige Gegenfrage.

    Muss man Praktika machen und sich staatliche Systeme überlegen, damit Praktikanten von ihrem Praktikum leben können?

    Wie seltsam ist die Forderung, die man hier lesen konnte, dass Banken Kredite vergeben sollten, wenn jemand ein Praktikum macht?

    Sollte die junge Generation nicht einfach mal etwas selber auf die Beine stellen, anstatt nach Papa/Mama Staat zu rufen und im Prinzip nichts an den Zuständen zu verändern, nur dass der Staat dann eben die Fürsorge übernimmt?

    Sorry, aber vielleicht bin ich da zu direkt: Wenn's nicht in meinem Traumjob klappt, oder ich dort jahrelang unbezahlte Praktika machen müsste, dann würde ich mir einen anderen Job suchen. Ich verschulde mich doch nicht für meinen Arbeitgeber, wenn der mir noch nichteinmal was zahlt... Das wäre ja noch schlimmer, als unbezahlte Praktika zu machen und einen Zweitjob zu haben.

  7. Der Denkfehler liegt darin: SOlange es Menschen gibt, die für kein Geld arbeiten, solange wird es diese Praktika geben.

    Würden die Absolventen nicht kostenlos arbeiten, würden die Arbeitgeber auch etwas zahlen.

    Bei großen Firmen beobachtet man auch - so eine HR Verantwortliche - dass die meisten Bewerber sagen, Geld sei nicht so wichtig, weil man sich davon einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern verspricht.

    Sorry, wenn ich für jemanden arbeite, dann ist Geld für mich schon wichtig und das sage ich bei Vorstellungsgesprächen auch so.

  8. Was ist denn unsachlich an der Frage, was zwei Juristen am Meeresboden sind?

    Ich habe ja die Antwort nicht geschrieben.

    Antwort auf "Frage..."

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