ZEIT ONLINE: Herr Baum, was zeichnet gute Kommunikation aus?

Thilo Baum: Gute Sprache richtet sich an den Empfänger. Sie ist ziel- und ergebnisorientiert. Sie können beispielsweise eine geschäftliche E-Mail entweder so verfassen: "Wie vereinbart sende ich Ihnen unser Angebot." Oder eben so: "Wie vereinbart erhalten Sie unser Angebot."

ZEIT ONLINE: Das ist doch die gleiche Aussage.

Baum: Nicht ganz. Der Satz "Sie erhalten unser Angebot" richtet sich an die Perspektive des Empfängers. Dieser dürfte sich durch diesen Satz stärker angesprochen fühlen. In dem Satz "Ich sende Ihnen unser Angebot" machen Sie sich selbst zum Thema, das kann egozentrisch wirken. Wenn man verstanden werde möchte, sollte man sicherstellen, dass die Botschaft den Empfänger abholt.

ZEIT ONLINE: Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?

Baum: Die meisten Menschen denken nicht nach, bevor sie sprechen. Wer klar und präzise formulieren möchte, muss vorher strukturiert denken. Die meisten Leute reden einfach drauf los, sprechen über das Warum, aber nicht über das Wozu. 

ZEIT ONLINE: Was doch beinahe das Gleiche ist.

Baum:  Es gibt einen entscheidenden Unterschied. Das Warum fragt nach der Vergangenheit, dem Grund, es ist kausal. Das Wozu hingegen ist final, es fragt nach dem Zweck, dem Ergebnis. Wenn ich möchte, dass meine Botschaft ankommt, ist es sinnvoll, vom Zweck zu sprechen. Klar und präzise. Die wichtigen Botschaften gehören in Hauptsätze, nicht in verschachtelte Nebensatzkonstruktionen. Wenn es klare deutsche Wörter gibt, sollte man keine Fachbegriffe verwenden. Auch ein Arzt versteht das Wort Magenschleimhautentzündung. Warum dann also von Gastritis sprechen? So erhöht man die Chancen, besser verstanden zu werden. Viele reden von finanziellen Mitteln statt von Geld. Ich habe aber noch nie jemanden sagen hören: "Hast Du mal finanzielle Mittel für Zigaretten?".

ZEIT ONLINE: Sie kritisieren, dass die Sprache weichgespült ist?

Baum:  Absolut! Die Sprache, die wir im Beruf verwenden, hat wenig mit unserem normalen Leben zu tun. Politik, Wirtschaft und Medien haben eine Sprachkultur entwickelt, die geprägt ist von Verschleierung. Es ist eine Sprache, die einseift und einfängt, selten konkret wird, meistens indirekt bleibt. Das ist schizophren. Die Welt der Angestellten erscheint mir oft wie ein Paralleluniversum, in der man sich mithilfe einer künstlichen Sprache verständigt. Hören Sie mal hin, wie das Management eines Konzerns spricht. Führungskräfte können Klartext reden – die brauchen auch vor niemanden Angst zu haben. Auch auf den untersten Hierarchiestufen sprechen die Menschen normal. Doch alles dazwischen ist MBA-verseucht, jedenfalls, was die Sprache angeht. Das System der Duckmäuserei spiegelt sich in dieser künstlichen Business-Sprache wider.