Immobilienmakler in Luxemburg, Glasbläser im italienischen Murano oder Tierpfleger im Zoo der estnischen Hauptstadt Tallinn: Jan Lachner hat sich viel für die kommenden acht Monate vorgenommen. Der 24-jährige Luftfahrtingenieur aus Paris will die Vorteile der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa nutzen. Darum startet er Ende Juli eine Rundreise der etwas anderen Art. Jede Woche will er in einem anderen europäischen Land sein und einem landestypischen Beruf nachgehen. Wie auf der Walz, nur im Schnellverfahren und in den verschiedensten Jobs quer durch Europa.

"In Europa gibt es so so gut wie keine Grenzen mehr. Aber die Europäer haben die Grenzen in ihren Köpfen", sagt der Deutsch-Franzose. Lachner wuchs in Frankfurt auf, im Alter von zwölf Jahren zog der Sohn einer Französin und eines Deutschen nach Paris. Lachner ist ein junger Akademiker, der von Europa profitiert. "Aber ich glaube nicht, dass die Vorteile allein jungen Akademikern zugute kommen. Jeder kann die Vorteile Europas für sich nutzen. Und genau das möchte ich zeigen", sagt der Ingenieur.

Statt einen gut bezahlten Jobs in der Luftfahrt anzunehmen, packt Lachner seine Sachen und reist Ende Juli über die Benelux-Staaten nach Skandinavien, von dort durch Osteuropa in den Süden bis nach Griechenland. Von dort geht es weiter über Südwesteuropa und die Alpen nach Deutschland. Schließlich folgt ein kleiner Schlenker über Großbritannien und Island. Die Route führt Lachner im Februar 2012 dann über Malta zurück nach Paris. Reisen will Lachner mit Auto und Zug, übernachten wird er entweder als Couchsurfer oder da, wo ihm vom Arbeitgeber eine Unterkunft gestellt wird.

Eurojobsproject hat Lachner sein Vorhaben genannt und eine Website dazu eingerichtet. Sie soll um ein Blog erweitert werden. Dort und auf einer Fanpage bei Facebook will er über seine Erfahrungen berichten. "Ich hoffe natürlich auch auf etwas Medienecho", sagt Lachner, der in den 33 Ländern verschiedene Medien kontaktiert hat. Sein Ziel: "Mit meinem Projekt die Grenzen überwinden und die Gemeinsamkeiten, die die Länder und Menschen in Europa verbinden, herausstellen. Ich möchte auch andere dazu anregen, meinem Beispiel zu folgen. Alle reden von Arbeitsmigration und denken dabei an Osteuropäer. Aber es geht auch in die andere Richtung", sagt Lachner.

Wichtig ist ihm, auf die Situation der Jugend aufmerksam zu machen. "In vielen europäischen Ländern gibt es eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit. Dabei sind es gerade die Jungen, die mobil sind und zum Arbeiten ins europäische Nachbarland gehen könnten."

Finanzieren will er seine Reise weitgehend mit dem Geld, das er beim Jobben verdient. Trotzdem sucht er noch Sponsoren und interessante Arbeitgeber. Einige hat er schon gefunden: In Dänemark wird Lachner als Versuchsingenieur bei einem Windkraftunternehmen arbeiten, denn in dem skandinavischen Land werden mehr als 20 Prozent der Elektrizität mit Windkraft produziert.