Arbeiten in EuropaJob-Hopping quer durch Europa

Jede Woche einen neuen Job und ein anderes Land: Jan Lachner will 33 europäische Länder in acht Monaten bereisen und überall einen anderen Beruf testen. von 

Landwirte in Rumänien: Europa-Jobber Jan Lachner will hier ebenfalls auf einem Hof helfen

Landwirte in Rumänien: Europa-Jobber Jan Lachner will hier ebenfalls auf einem Hof helfen  |  © Daniel Mihailescu/AFP/Getty Images

Immobilienmakler in Luxemburg, Glasbläser im italienischen Murano oder Tierpfleger im Zoo der estnischen Hauptstadt Tallinn: Jan Lachner hat sich viel für die kommenden acht Monate vorgenommen. Der 24-jährige Luftfahrtingenieur aus Paris will die Vorteile der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa nutzen. Darum startet er Ende Juli eine Rundreise der etwas anderen Art. Jede Woche will er in einem anderen europäischen Land sein und einem landestypischen Beruf nachgehen. Wie auf der Walz, nur im Schnellverfahren und in den verschiedensten Jobs quer durch Europa.

"In Europa gibt es so so gut wie keine Grenzen mehr. Aber die Europäer haben die Grenzen in ihren Köpfen", sagt der Deutsch-Franzose. Lachner wuchs in Frankfurt auf, im Alter von zwölf Jahren zog der Sohn einer Französin und eines Deutschen nach Paris. Lachner ist ein junger Akademiker, der von Europa profitiert. "Aber ich glaube nicht, dass die Vorteile allein jungen Akademikern zugute kommen. Jeder kann die Vorteile Europas für sich nutzen. Und genau das möchte ich zeigen", sagt der Ingenieur.

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Statt einen gut bezahlten Jobs in der Luftfahrt anzunehmen, packt Lachner seine Sachen und reist Ende Juli über die Benelux-Staaten nach Skandinavien, von dort durch Osteuropa in den Süden bis nach Griechenland. Von dort geht es weiter über Südwesteuropa und die Alpen nach Deutschland. Schließlich folgt ein kleiner Schlenker über Großbritannien und Island. Die Route führt Lachner im Februar 2012 dann über Malta zurück nach Paris. Reisen will Lachner mit Auto und Zug, übernachten wird er entweder als Couchsurfer oder da, wo ihm vom Arbeitgeber eine Unterkunft gestellt wird.

Eurojobsproject hat Lachner sein Vorhaben genannt und eine Website dazu eingerichtet. Sie soll um ein Blog erweitert werden. Dort und auf einer Fanpage bei Facebook will er über seine Erfahrungen berichten. "Ich hoffe natürlich auch auf etwas Medienecho", sagt Lachner, der in den 33 Ländern verschiedene Medien kontaktiert hat. Sein Ziel: "Mit meinem Projekt die Grenzen überwinden und die Gemeinsamkeiten, die die Länder und Menschen in Europa verbinden, herausstellen. Ich möchte auch andere dazu anregen, meinem Beispiel zu folgen. Alle reden von Arbeitsmigration und denken dabei an Osteuropäer. Aber es geht auch in die andere Richtung", sagt Lachner.

Wichtig ist ihm, auf die Situation der Jugend aufmerksam zu machen. "In vielen europäischen Ländern gibt es eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit. Dabei sind es gerade die Jungen, die mobil sind und zum Arbeiten ins europäische Nachbarland gehen könnten."

Finanzieren will er seine Reise weitgehend mit dem Geld, das er beim Jobben verdient. Trotzdem sucht er noch Sponsoren und interessante Arbeitgeber. Einige hat er schon gefunden: In Dänemark wird Lachner als Versuchsingenieur bei einem Windkraftunternehmen arbeiten, denn in dem skandinavischen Land werden mehr als 20 Prozent der Elektrizität mit Windkraft produziert. 

Leserkommentare
  1. nicht die Realität der Europäischen Arbeitsnomaden abbilden wird, denn der ´gemeine Arbeitnehmer´ wird unfreiwillig in solch Situation gedrängt, zudem bringt er meist eine nichtakademische Berufsqualifikation mit, entsprechend das Salär, so beginnt und endet doch ein Jan Lachner in einer selbstbestimmten Situation.

    Davon können die Europäischen Arbeitsnomaden nur träumen; und ist es doch wahrscheinlich, daß diese ihre 40 Berufsjahre derart gestalten müssen.
    Dann sprechen wir uns wieder; sofern es gelingen sollte, überhaupt solch langen Zeitraum gesundheitlich und finanziell zu überstehen.

    Auf die damit einhergehenden sozialen Probleme, auch gesellschaftspolitischen Folgen des Europäischen Arbeitsnomadentums kann man an dieser Stelle nur kurz hinweisen.

    Dennoch wünsche ich Jan Lachner eine Gute Reise auf seiner Walz.

    Möge er gesund an Körper und Geist zurück kommen.

    2 Leserempfehlungen
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    • talwer
    • 05. Juli 2011 16:15 Uhr

    Jeder Versuch dauert ja nur eine Woche. Das wird er, ein junger Mann, sicherlich überleben.
    Und nach einer Woche kann er sich mal richtig ausruhen, bis er im nächsten Land ein neuer Job findet.

  2. 24 Jahre alt und Luftfahrtingenieur - er muß sich ja wirklich hineingekniet haben. Respekt. Ich hoffe aber nicht, daß so demnächst die großzügige Arbeitnehmermobilität aussehen soll - das wäre wohl ein bißchen zuviel erwartet.

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  3. Das ist ja der Traum des Grosskapitals, eine Masse entwurzelten Arbeitsviehs, ohne Bindungen zu einem Stück Land, dass sich immer dem Bedarf hinterhertreiben lässt (Umzüge der Industrien sind ja etwas teuer).

    8 Leserempfehlungen
  4. [...]

    Arbeit lohnt sich nicht. Europa lohnt sich nicht.

    Gekürzt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke. Die Redaktion/er

    2 Leserempfehlungen
  5. Ich würde in diesem Fall eher von einem Arbeitstouristen sprechen als von einem Arbeismigranten. Die nicht-touristische Variante der Arbeitssuche enthält nämlich größere Hürden:
    .
    Wenn ich etwa in Rumänien jobben gehe, dann verdiene ich meist nicht genug, um zuhause meine Miete zu bezahlen.
    .
    Ich kann sowas nur machen, wenn ich eine robuste Gesundheit habe. Auf das Gesundheitssystem Osteuropas würde ich mich in meinem Alter nicht mehr verlassen.
    .
    Arbeitsmigranten sind meist nicht ungebunden - sie müssen ihre Familie, wenigstens den Partner (m/w) überzeugen, mitzukommen, oder die eigene dauernde Abwesenheit wenigstens zu tolerieren.
    .
    Längst nicht alle Berufe lassen sich überall ausüben, wenn man nicht die Landessprache kann.

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  6. 6. pfft.

    website, blog, buch-"projekt".

    darunter machen's unsere high-potentials offenbar nicht mehr.

    würde der autor sein vorhaben ernst nehmen, würde er mindestens einen monat dort sein und vorher die landessprache lernen. oder noch länger dort bleiben und sich dabei sprachkenntnisse aneignen. so wie es sich aber jetzt anhört, wird es nur wieder die übliche selbsterfahrungsnummer von einem, der auszieht, um so zu tun, als würde er etwas erleben.

    reine lebenslauf-selbstoptimierungs-nummer. liebe verlage: wir brauchen dringend leute, die richtige bücher schreiben, über richtige menschen, die richtige sachen erleben, und uns dies nicht nur vormachen. unsere welt braucht ideen, keine schaumschläger.

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  7. Werter Herr Lachner,

    ich hoffe Ihnen ist bewußt, daß Ihr Vorhaben auch zur Legitimation einer unseligen neoliberalen Politik dienen kann; diese aber im Ergebnis ´Entwurzelung´ der Menschen in sich trägt.

    Selbst eine aus der Tradition erklärbare ´Walz´ von Handwerksgesellen hatte ein zeitlich absehbares Ende, und diente nur der Erweiterung von Fachkenntnissen.

    Das ist aber ganz sicher nicht der Ansatz der Europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit, basiert die doch auf dem Wunsch des Kapitals nach ungebremster Nutzung der "Human ressource".

    Beste Grüße

    Hräswelger

    3 Leserempfehlungen
  8. Schon seltsam, daß andere Menschen ihre Berufe (z.B. Glasbläser in Murano) in jahrelangen Ausbildungen erlernen, richtig gut aber erst nach jahrzehntelanger Berufspraxis werden (weiß schon, ist eine extrem altmodische Haltung).
    Richtig gut scheint Jan Lachner aber bereits in der Selbstvermarktung zu sein.

    Im Handwerk gibt's das Job-Hopping übrigens traditionell, heißt Walz http://claudiusschulze.co... und wird von vielen Wandergesellen auf Europa nicht beschränkt. Größere Schächte http://bit.ly/kNpScz bestehen aus Zimmerleuten/Tischlern, es gibt aber mittlerweile viele Freireisende auch aus anderen Gewerken (meist solche, die nicht so viel Interesse am Ritual, sondern an Arbeitserfahrung und Reisen haben, darunter übrigens zunehmend viele Frauen).

    Sollte also jemand bei Ihnen zünftig vorsprechen, geben Sie ihr/ihm einen Lift, eine Mahlzeit, ein Bett und/oder Arbeit. Wandergesellen haben am Ende ihrer Reise (mindestens 1 Jahr und 1 Tag fern der Heimat) ihr Buch übrigens fertig: jeder, der mit ihnen zu tun hat, schreibt etwas hinein.

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