Soziale NetzwerkeWas darf ich über meinen Chef auf Facebook posten?

Soziale Netzwerke sind immer öffentlich, auch wenn nur ein kleiner Kreis die Statusmeldungen lesen kann. Mitarbeiter sollten mitdenken, erklärt die Arbeitsrechtskolumne. von 

Was darf ich auf Facebook über meinen Arbeitgeber sagen und was sollte ich tunlichst vermeiden?, fragt Sandra Wiecher

Sehr geehrte Frau Wiecher,

Sie sollten generell vorsichtig sein, was Sie in sozialen Netzwerken über Ihren Chef, Arbeitsplatz und Ihre Kollegen äußern, denn Äußerungen können selbstverständlich arbeitsrechtliche Konsequenzen für Sie haben. Dies dürfte zunächst einmal jedem Mitarbeiter klar sein.

Anzeige
"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie: Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Antworten und Informationen sowie der Rechtsprechung. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Ulf Weigelt, Choriner Straße 63, 10435 Berlin. Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Viele Nutzer (allein Facebook hat über 20 Millionen Nutzer in Deutschland) vergessen häufig, dass auch Kollegen und auch Arbeitgeber (mit-)lesen können , was sie via Twitter, Xing oder Facebook eigenverantwortlich über Ihr Berufsleben mitteilen.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Häufig höre ich von Arbeitnehmern, dass sie ja nicht mit ihren Chef direkt verlinkt seien. Riskant ist das dennoch. Tweets können an Vorgesetzte schnell weitergeleitet werden, von Statusmitteilungen im vermeintlich privaten Account, der nur für wenige sichtbar ist, lassen sich Screenshots machen. Ist einem Kollegen beispielsweise Ihre gute Leistung ein Dorn im Auge, kann er Ihnen durch solche Weiterleitungen enorm beruflich schaden und den Inhalt Ihrer Veröffentlichung generell öffentlich machen. 

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Grundsätzlich gelten im Bereich Social Media die allgemeinen Grundsätze zur Zulässigkeit der privaten Internet- und E-Mail-Nutzung am Arbeitsplatz. Wurde diese Nutzung also am Arbeitsplatz durch den Arbeitgeber nicht erlaubt oder geduldet, ist sie verboten. Dies hatte bereits das Bundesarbeitsgericht mehr als einmal deutlich gemacht. Der Arbeitgeber ist in seiner Entscheidung frei, ob er die Nutzung des Internets für private Zwecke zulässt . Hier rate ich aber auch Arbeitgebern, sich klar und unmissverständlich gegenüber ihren Mitarbeitern zu äußern. Dann weiß jede Partei, woran sie ist.

Ich rate Arbeitnehmern, auf keinen Fall über solche Kanäle zu verbreiten, dass man gerade blau macht, den Job wechseln möchte oder als Krankgeschriebener von außerhäuslichen Ereignissen zu berichten. Auch die Freude darüber, dass nun endlich der neue Arbeitsvertrag eingetroffen ist und man jetzt nur noch den Aufhebungsvertrag mit der angebotenen Abfindung beim Arbeitgeber unterzeichnen müsse, kann nach hinten losgehen. Aus meiner Tätigkeit als Arbeitsrechtler weiß ich: Diese Fällen kommen leider vor. Dann können arbeitsrechtliche Maßnahmen wie Abmahnung oder gar Kündigung drohen, oder aber wie im letzteren Fall die fristgemäße Eigenkündigung ohne Abfindungszahlung.

Grundsätzlich gilt: Seien Sie kein Idiot, denken Sie mit. Kommentare, die den Arbeitgeber bloßstellen oder herabwürdigen oder das Ansehen des Arbeitgebers schädigen, sollten unterlassen werden. Der Unmut über das Arbeitsklima gehört auch nicht in öffentliche Foren, sondern sollte arbeitsrechtlich ausgetragen werden. Eine innerbetriebliche Klärung hat zudem Vorrang. Wenn es einen Betriebsrat gibt, sollten Arbeitnehmer seine Hilfe in Anspruch nehmen. Unternehmensschädliche Aussagen im Internet sind immer eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzungen mit den dann folgenden arbeitsrechtlichen Maßnahmen.

Auch sollten Sie stets daran denken, nicht während Ihrer Arbeitszeit in den sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Wird nämlich die Arbeitszeit für private Zwecke genutzt, kann dies ebenfalls ein Grund für eine fristlose Kündigung sein – es sei denn, Ihr Arbeitgeber hat die Nutzung während der Arbeitszeit ausdrücklich erlaubt.

Ihr Ulf Weigelt

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Arimus
    • 22. Juni 2011 12:07 Uhr

    Mich stört ungemein, wieviel Arbeitszeit durch private Kommentare bei facebook oder wo auch immer vergeudet wird, die meist nichtssagend und belanglos sind. Zudem kommt oftmals auch der Arbeitgeber schlecht weg. Klar, dass dann der Arbeitnehmer mit Folgen zu rechnen hat. In unserer Abteilung wurde vor geraumer Zeit eine fristlose Kündigung ausgesprochen weil durch eine Mitarbeiterin Videos heruntergeladen wurden. Zahlen für die Unterlassungserklärung durfte natürlich der Arbeitgeber (ca. 1000,00 Euro + Anwaltskosten).

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich hoffe nur, Sie haben ausgestempelt.

  1. Ich hoffe nur, Sie haben ausgestempelt.

    6 Leserempfehlungen
    • Neon
    • 22. Juni 2011 12:19 Uhr

    und Facebook, Twitter und der ganze andere Unsinn fuer die Minderbegabten.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In meiner Facebook-Gruppe habe ich "minderbegabte" Professoren, "minderbegabte" Techniker, "minderbegabte" Ingenieure, "minderbegabte" Betriebswirtschaftler, "minderbegabte" Unternehmer und den einen oder anderen "minderbegabten" Studenten. Ach ja, "minderbegabte" Hausfrauen sind auch dabei... und sogar "minderbegabte" Rentner...

    Hätten Sie sich doch nur an Ihre überschrift gehalten!

    Ansonsten kann ich nur #4 und #6 zustimmen, soviel verstehe ich gerade noch mit meiner eigenen Minderbegabung :-)

    Reden ist Silber und Schweigen ist Gold? Wenn alle Menschen so handeln würden, könnten staatliche Überwachungen noch leichter stadtfinden, würden üble Chefs noch länger Mitarbeiter um ihre Rechte betrügen. Es ist im "analogen" leben, bei Kollegen ja schon verpönt ihre Löhne miteinander zuvergleichen und das, obwohl sich auch ehrliche Lohnbüros mal vertun. Ich kann deshalb nur beipflichten und sagen, Hirn einschalten und dann reden, oder in der Digitalen Welt schreiben. Alles andere ist Bödsinn.

  2. Wir, Deutsche, lieben diese Frage. Unfähig zur Selbstermächtigung wünschen wir uns umfassende, unbedingte und einklagbare Sicherheit. Und solch dumme Sprüche wie Reden sei Silber und Schweigen sei Gold ist auch kennzeichnend für uns, Deutsche.

    Hach... Was darf ich nur??? Wenn ichs wüsst, wärs mir wohler. Eines dürft Ihr: Getrost E10 tanken ;-)

    2 Leserempfehlungen
  3. .... das was mensch in der analogen Welt nie tun würde sollte auch in der digitalen nicht getan werden.

    Das ganze passiert nämlich durchaus in der "realen" Welt.

    Zu meiner Schulzeit, als unsere Computer noch nicht vernetzt waren und das ARPANet nicht für jeden zugänglich war, bezeichnete einer meiner damaligen Freunde unseren Sportlehrer als Axxchloch. Soweit nix besonderes, Sportlehrer haben ja oft diese Eigenschaft. Allerdings war er der Lieblingsschüler des Lehrers und er hat das in einer Gruppe von 5 Leuten (alles Schüler, alle miteinander befreundet) gesagt.
    Beim nächsten Sportunterricht hat er dann trotzdem ein Vier-Augen-Gespräch bekommen und war komischerweise dann garnicht mehr so beliebt bei dem Lehrer.
    Wie oben erwähnt, es gab damals kein Twitter, Facebook, etc.. selbst Handys spielten damals noch in der C-Klasse und wollten mit Kleinwagenpreisen bezahlt werden.

    Noch ein andere Sache.
    Hier wurde vor zwei Jahren mal eine Podiumsdiskussion zum Thema Social Networks veranstalten, unteranderem wurde dazu ein Werbevideo gedreht, dass dann z.B. auf YouTube zu sehen war. In diesem Video sagte dann eine Studentin: "Hätte ich gewusst, dass jeder meine Bilder auf Facebook sehen kann, dann hätte ich nicht die Nacktfotos von mir da reingestellt."
    Wäre es keien Schauspielerin gewesen, sondern echt, dann hätte ich sie gefragt, ob sie denn auch Ihre Nacktfotos ans schwarze Brett an der Uni hängen würde.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Die Redaktion/sc

    Eine Leserempfehlung
  4. In meiner Facebook-Gruppe habe ich "minderbegabte" Professoren, "minderbegabte" Techniker, "minderbegabte" Ingenieure, "minderbegabte" Betriebswirtschaftler, "minderbegabte" Unternehmer und den einen oder anderen "minderbegabten" Studenten. Ach ja, "minderbegabte" Hausfrauen sind auch dabei... und sogar "minderbegabte" Rentner...

    Hätten Sie sich doch nur an Ihre überschrift gehalten!

    Ansonsten kann ich nur #4 und #6 zustimmen, soviel verstehe ich gerade noch mit meiner eigenen Minderbegabung :-)

    4 Leserempfehlungen
    • Arimus
    • 22. Juni 2011 13:02 Uhr

    Richtig, einfach mal den Kopf einschalten und gerade nicht Videos während der Arbeitszeit herunterladen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Der beste Ratschlag"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service