Unzählige Wasserstraßen gibt es in Deutschland. Genauso wie an Land braucht es auch auf dem Wasser Straßenbauer – sogenannte Wasserbauer. Rund 13.000 davon gibt es hierzulande. Sie arbeiten bei der Wasser-Schifffahrtsverwaltung des Bundes und planen und bauen neue Schleusen oder Wehranlagen, setzen Stauanlagen in Stand, sichern Ufer. Von der Reparatur über die Kontrolle bis zur Wartung gibt es eine Menge zu tun: Insgesamt 7.350 Kilometer lang ist das Wasserstraßennetz in Deutschlan d mit 326 Schleusen, 337 Stauanlagen, 39 Wasser- und Schifffahrtsämtern und 110 Außenbezirken. Ein Außenbezirk ist jeweils für einen bestimmten Streckenabschnitt verantwortlich, der bis zu 100 Kilometer umfassen kann.

"Die Außenbezirke sind die Straßenmeistereien am Wasser", sagt Alfred Bätza. Er ist beim Referat für Bundeswasserstraßen Binnen der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe beschäftigt. Die Wasserbauer arbeiten zumeist im Team, berechnen auch die Kosten und führen bei ihren Kontrollen genau Buch. In welchem Zustand befinden sich Schleusen und Sperrwerke? Wie sehen die Uferbefestigungen aus? Hat sich die Durchflussgeschwindigkeit verändert oder die Wassertiefe?

"Oft vergeben wir Arbeiten an Fremdfirmen, die auf den Wasserbau spezialisiert sind. Dann sind wir Bauaufseher", sagt Bätza.

Komplett neue Wasserstraßen werden heute jedoch kaum noch angelegt. "Wir führen vor allem Ersatzneubauten durch, also vertiefen oder verbreitern Wasserstraßen und modernisieren Schleusen und Sperrwerke. Zum Beispiel haben wir jüngst das Schiffshebewerk in Eberswalde bauen lassen oder die Schleusen an der Mosel modernisiert", erzählt Bätza.

Eine wichtige Rolle spielt der Umweltschutz. Bevor es zu baulichen Maßnahmen kommt, müssen sich die Außenbezirke mit den Naturschutzbehörden abstimmen. So werden in den letzten Jahren an der Küste vor allem Faschinen bei der Uferbefestigung verwendet. Das sind zylindrische Reisigbündel, die in Kombination mit Natursteinen verbaut werden. "Der Trend geht dahin, dass Uferbereiche zwar für die Schifffahrt geeignet ausgebaut, aber dennoch wieder naturähnlich gestaltet werden", sagt Bätza.

Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Wasserbauer sind ein Hauptschulabschluss mit guten Noten in Mathematik, Physik und Deutsch. Die staatlich anerkannte, duale Ausbildung dauert drei Jahre und kann nur in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und bei den Wasserverbänden der Länder erfolgen.