ChefsacheTopleute erkennen, fördern und halten

Gute Mitarbeiter muss man pflegen und aufbauen. Sie sichern den langfristigen Erfolg. Wie man Topleute halten kann, erklärt Sabine Hockling in den Tipps für Vorgesetzte.

Fast die Hälfte aller internen Beförderungen erweist sich als Fehlgriff. Die Beförderten bringen nicht die gewünschte Leistung, sind nicht auf ihre Aufgabe vorbereitet oder verfolgen ganz andere Ziele als das Unternehmen. Das stellt die Unternehmensberatung Corporate Executive Board in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010 fest. Um das zu vermeiden gilt: Führungskräfte müssen Nachwuchs gezielt aufbauen , ihn frühzeitig fördern und im richtigen Moment befördern. Topleute zu halten ist Chefsache .

Als Führungskraft sollten Sie wissen, dass Ihre Toptalente anspruchsvoll sind. Sie arbeiten mehr und länger, härter und besser als der Rest Ihrer Mitarbeiter. Geben Sie Ihrem fähigen Nachwuchs darum interessante Aufgaben, zollen Sie ihm Anerkennung, stellen Sie frühzeitig attraktive Karrieremöglichkeiten und eine Beteiligung am Unternehmenserfolg in Aussicht. Bedenken Sie, dass echte Talente auch selbstbewusst sind. Sie sind nicht nur optimistischer als die Kollegen, eine andere Stelle zu finden, sie suchen auch wesentlich engagierter danach. Und sie werden gesucht.

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Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Gemeinsam mit Ulf Weigelt schrieb sie das Buch Ratgeber Arbeitsrecht. Auf ZEIT ONLINE gibt sie Führungskräften in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung.

Darum sollten Sie Ihre Topmitarbeiter effektiv fördern. Damit binden Sie sie auch langfristig an das Unternehmen. Seien Sie aber nicht naiv. Das Engagement guter Mitarbeiter ist keine gegebene Größe. Ganz im Gegenteil: Sie sollten immer wieder überprüfen, ob die Ziele des Unternehmens mit denen des Nachwuchses übereinstimmen. Leider sieht die Realität oft anders aus: Werden die angepeilten Stellen nicht so schnell frei, wie vom Nachwuchs erhofft , schaut er sich anderweitig um. Stellen Sie deshalb keine Karriereschritte in Aussicht, die nicht erreichbar sind oder auf die Sie selbst nur wenig Einfluss haben. Ein Coach, der in regelmäßigen Treffen prüft, wie die Haltung zum Unternehmen ist und gemeinsam mit den Talenten ihre Erwartungen realistisch bewertet sowie gegebenenfalls Fördermöglichkeiten initiiert, kann dabei eine essenzielle Unterstützung sein.

Binden Sie High Potentials auch schon frühzeitig in wichtige Entscheidungen mit ein. Übertragen Sie ihnen Aufgaben, überlassen Sie ihnen die Lösung von Problemen. Verantwortung ist reizvoll. Zugleich entlasten Sie sich selbst und bringen die High Potentials in Stellung. Schaffen Sie dabei eine Atmosphäre, in der die Talente sich wohl fühlen und zufrieden sind. Aber verwöhnen Sie ihre guten Leute auch nicht zu sehr.

Viele Führungskräfte neigen dazu, die heutige Spitzenleistung von High Potentials mit der zukünftigen Leistung gleichzusetzen. Doch wer heute viel leistet, kann morgen ein Low Performer sein.

Die Kernfrage für Sie lautet daher: Wer bringt auch künftig das nötige Potenzial mit? Die Unternehmensberater Jean Martin und Conrad Schmidt haben in einer Studie drei entscheidende Merkmale identifiziert: Fähigkeit, Einsatz und Ambition.

1. High Potentials müssen fähig sein, immer komplexer werdende Herausforderungen bewältigen zu können.

2. Sie müssen Einsatz zeigen: Wie verbunden fühlt sich der Nachwuchs tatsächlich sich mit dem Unternehmen und dessen Zielen? Wie stark identifiziert er sich? Welche Kriterien hat eine zufriedenstellende Position für ihn? Was würde ihn konkret zu einem Unternehmenswechsel veranlassen?

3. Und schließlich muss der Nachwuchs ambitioniert sein. Unter Ambitionen verstehen Martin und Schmidt den Anspruch auf Wertschätzung, Weiterentwicklung und zukünftiger Anerkennung sowie das Maß der Übereinstimmung zwischen persönlichen und unternehmerischen Zielen.

Leserkommentare
  1. Das klingt ja gerade so, als seien Leistungsträger Charakterschweine:

    "Wenn Sie als Führungskraft alle Mitarbeiter gleich behandeln, vergraulen Sie die Leistungsträger."

    Sozialneid von oben -- ganz übler Charakterzug!

    "Leistungsträger" wird so -- ganz gleich ob im FDP-Sinne (Reiche) oder im Wortsinne (wer wirklich mehr leistet) zum Schimpfwort.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Während man den potentiellen Nachwuchsmanager vielleicht den MBA finanziert oder auf Führungslehrgänge schickt, kann man den Sachbearbeiter für zwei oder drei interessante Fachkonferenzen begeistern.

    Alle werden gefördert, man spart sich Gerechtigkeitsdiskussionen und sind die Förderungen mit Bedacht gewählt, sind solche Maßnahmen in vielerlei Hinsicht ein Gewinn für die Firma.

    "Sozialneid von oben"? Bitte was?

    Es geht darum, dass man einen faulen Hund nicht genauso lobt wie einen 'Leistungsträger'. Wer das fordert, der leidet an Sozialneid -- nicht derjenige, der etwas dagegen hat, weil es natürlich jeden motivierten Mitarbeiter frustriert, wenn seine Leistungen in Gleichmacherei untergehen.

    Während man den potentiellen Nachwuchsmanager vielleicht den MBA finanziert oder auf Führungslehrgänge schickt, kann man den Sachbearbeiter für zwei oder drei interessante Fachkonferenzen begeistern.

    Alle werden gefördert, man spart sich Gerechtigkeitsdiskussionen und sind die Förderungen mit Bedacht gewählt, sind solche Maßnahmen in vielerlei Hinsicht ein Gewinn für die Firma.

    "Sozialneid von oben"? Bitte was?

    Es geht darum, dass man einen faulen Hund nicht genauso lobt wie einen 'Leistungsträger'. Wer das fordert, der leidet an Sozialneid -- nicht derjenige, der etwas dagegen hat, weil es natürlich jeden motivierten Mitarbeiter frustriert, wenn seine Leistungen in Gleichmacherei untergehen.

  2. ...die BESTE Methode ist es, irgendwelche Consulter mit Tagessätzen für über 3.000€ zu beauftragen.

    Und nach dem Meeting im Luxushotel frohgelaunt und entspannt dann den Mitarbeitern am Ende erzählen, sie müssen mehr Kommunizieren, EMails archivieren und Überstunden leisten. Das haben die Consulter so vorgeschlagen. Und Gehaltserhöhung gibt es auch nicht - ist zu teuer und in der aktuellen Lage nicht drin, obwohl man das ja soo möchte...

    9 Leserempfehlungen
  3. Der fundamentalste Fehler, der derzeit auf dem Arbeitsmarkt begangen wird, ist die Entmenschlichung der Mitarbeiter. Sie werden High Potentials und müssen funktionieren wie die Roboter. Die Arbeit muss ihr einziges Interesse im Leben sein. Bei Laune werden sie gehalten, indem man ihre niederen Instinkte - Neid und Gier - anspricht.
    Gute Mitarbeiter haben aber ein Leben, das sie nutzen können, um ihre kreative Energie aufzubauen ( http://karinkoller.wordpr... ). Die Arbeit darf die Menschen nicht vergessen lassen, wofür es sich zu leben lohnt. Ansonsten brennen die Mitarbeiter aus, bevor sie ihr Potenzial entfalten können.

    15 Leserempfehlungen
  4. Wenn ich mir die Arbeitswirklichkeit anschaue geht es darum: Geld einzusparen und Mitarbeiter billig loszuwerden.
    Dann werden im besten Fall ein kleiner Teil der Entlassenen durch billigere Arbeitssklaven ersetzt, meist im billigen Ausland.

    Die angesprochene Pflege der Toptalente hat nicht mit der Wirklichkeit in Deutschland zu tun. Deshalb wandern ja so viele Fachkräfte ins Ausland ab.

    Der Artikel beschreibt eine Traumwelt, die es nicht gibt.

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  5. Beim Lesen solcher Artikel, kriege ich (Akademiker) immer das Gefühl, es geht darum, "hungrige", gierige Nachwuchstalente so hinzubekommen, dass sie dem "Chef" (Unternehmen + Shareholder) schnell mehr Gewinn verschaffen.

    Und das auf Kosten der eigenen Mitarbeiter, fleißiger Chinesen, der Umwelt oder z.B. "kostensparend" am Finanzamt vorbei.

    Brauchen wir dazu wirklich (und vor allen Dingen) "Topleute" oder würden anständige Manager auch reichen, die einen guten Job leisten und gleichzeitig in Kollegen und Kunden auch noch Menschen erkennen?

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  6. schade, ich bin kein "High Potential" :(
    Ich bin Softwareentwickler, mein Privatleben ist mir wichtiger als meine Arbeit, die ich dennoch liebe und ambitioniert weiter entwickeln möchte.
    Wenn ich in 1 oder 2 Jahren meinen Arbeitgeber wechsle, dann such ich mir den neuen nach Betriebsklima, Gehalt und den Projekten, in denen ich arbeiten werde, aus.
    Finde ich hier niemanden, der meinen Vorstellungen entspricht, dann such ich eben woanders danach. Oder ich leb als Expat in China, arbeite in Hilfsprojekten mit oder weiter als Entwickler. Denn ich bin gerne Softwareentwickler, aber ich muss das nicht unbedingt für immer machen.
    Schade, ich bin nicht karriere-orientiert und wohl auch kein High-Potential. Allerding bin ich auch froh, nicht in dieses Schema zu passen :)

    5 Leserempfehlungen
  7. können nur Nachwuchskräfte entwickeln und fördern, wenn sie
    selbst über genügend Leistungspotential und -grösse verfügen.Das soll ja nicht immer der Fall sein.

    3 Leserempfehlungen
  8. Vielleicht ist es ein wenig verwegen zu fragen, warum ein Unternehmen nicht alle Mitarbeiter wie "high potentials" behandeln kann?

    Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern nach o.g. Kriterien abzugrenzen, bietet nicht nur Vorteile. Ist es nicht nur menschlicher, sondern vielleicht auch oekonomischer, sich um jeden Mitarbeiter zu bemuehen, und ihn zu behandeln als waere er ein "high potential"? Sollte es nicht Aufgabe von "Fuehrungskraeften" sein, das "Potenzial", das ein jeder Mensch besitzt, zu erkennen, und so zu "optimieren", dass es die Situation sowohl des Unternehmens als auch des "Humankapitals" selbst verbessert (oekonomisch und sozial)?

    In diesem Zusammenhang, zur obigen Definition von "high potentials": Welcher Mitarbeiter zeigt heute keinen Einsatz, ist nicht ambitioniert, und muss nicht mit immer "komplexer werdenden Herausforderungen" umgehen koennen?

    Zur Praezision des Artikels (auszugsweise):

    "Wie stark identifiziert er sich?"

    (Mit dem Unternehmen selbst, den Zielen des Unternehmens (die er vielleicht gar nicht kennt), oder dessen ethischen Standards?)

    "Welche Kriterien hat eine zufriedenstellende Position für ihn?"

    (Welche Vor- und Nachteile hat eine Position?)

    ...

    Auch darf man die Verwendung der Worte "muessen" und "sollen" in Frage stellen.

    Ein weiterer Artikel, der (im Wesentlichen) gaengige Klischees bedient und damit, wie Frau Koller treffend bemerkte, zur Entmenschlichung von Arbeit beitraegt. Man darf die Autoren beglueckwuenschen.

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo InverseProbability ,
    .
    Sie stellen die wichtige Frage: "Welcher Mitarbeiter zeigt heute keinen Einsatz, ist nicht ambitioniert, und muss nicht mit immer "komplexer werdenden Herausforderungen" umgehen koennen?"
    .
    Noch genauer: sollte es solche Mitarbeiter im Betrieb geben, dann sind die wahrscheinlich schon ausgebrannt. Alarmstufe Rot!
    .
    Arbeitnehmer, egal welcher Leistungsniveaus, sehnen sich nach einem Arbeitsplatz ...
    .
    ... mit angenehmen Chefs und angenehmen Kollegen
    ... wo ihre Leistung bemerkt und anerkannt wird
    ... wo sie nicht von heute auf morgen rausfliegen
    ... wo Kollegen, die weniger leisten, dennoch ihren Platz finden.
    ... in einem Unternehmen mit den richtigen Zielen
    ... wo Entscheidungen von Denen gefällt werden, die Ahnung haben
    ... wo ein Zusammenhang sichtbar ist zwischen Leistung und Beförderung
    ... wo die Chefs mehr zu sagen haben, als blahblah!
    .
    Kein noch so gutes Gehalt kann diese Vorteile auf die Dauer ersetzen.

    Hallo InverseProbability ,
    .
    Sie stellen die wichtige Frage: "Welcher Mitarbeiter zeigt heute keinen Einsatz, ist nicht ambitioniert, und muss nicht mit immer "komplexer werdenden Herausforderungen" umgehen koennen?"
    .
    Noch genauer: sollte es solche Mitarbeiter im Betrieb geben, dann sind die wahrscheinlich schon ausgebrannt. Alarmstufe Rot!
    .
    Arbeitnehmer, egal welcher Leistungsniveaus, sehnen sich nach einem Arbeitsplatz ...
    .
    ... mit angenehmen Chefs und angenehmen Kollegen
    ... wo ihre Leistung bemerkt und anerkannt wird
    ... wo sie nicht von heute auf morgen rausfliegen
    ... wo Kollegen, die weniger leisten, dennoch ihren Platz finden.
    ... in einem Unternehmen mit den richtigen Zielen
    ... wo Entscheidungen von Denen gefällt werden, die Ahnung haben
    ... wo ein Zusammenhang sichtbar ist zwischen Leistung und Beförderung
    ... wo die Chefs mehr zu sagen haben, als blahblah!
    .
    Kein noch so gutes Gehalt kann diese Vorteile auf die Dauer ersetzen.

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