Sinnsuche "Nicht jeder Mensch ist für Arbeit geboren"

Der Beruf ist prägend für die eigene Identität, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann. Aber wer keinen Sinn im Job findet, wird schnell als gescheitert abgestempelt.

ZEIT ONLINE: Herr Hagemann, sind Menschen, die sich zu ihrem Beruf auch berufen fühlen, glücklicher?

Tim Hagemann: Ja und nein. Sinn und Geld tragen zur Zufriedenheit bei. Befragt nach ihrer ideellen Erfüllung fühlen sich Menschen, die in ihrer Tätigkeit einen Sinn sehen, glücklicher als Menschen, deren Job dem reinen Broterwerb dient. Anders herum kompensiert ein hohes Einkommen eine nicht erfüllende Tätigkeit. So sind beispielsweise Facharbeiter in der Autoproduktion durchaus zufrieden mit ihrem Job, weil sie ein hohes Einkommen erzielen.

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ZEIT ONLINE: Dennoch würden wohl die wenigsten Arbeiter sagen, der Sinn ihres Lebens sei es, Autos zu bauen. Während man einem Arzt durchaus zugesteht, dass er seinen Lebenssinn im Retten von Menschenleben sieht. Wann setzt die Suche nach dem Lebenssinn entwicklungspsychologisch ein?

Tim Hagemann
Tim Hagemann

Tim Hagemann ist Professor an der Fachhochschule für Diakonie am Lehrstuhl Arbeitspsychologie und leitet das Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin (IAPAM) in Berlin. Seit 2012 schreibt Hagemann als Kolumnist für ZEIT CAMPUS.

Hagemann: Schon kleine Kinder stellen diese Fragen. Massiv treten sie aber erst in der Pubertät auf. In dieser Entwicklungsphase lösen sich Kinder von den Lebensentwürfen der Eltern und suchen nach eigenen. Diese Phase fällt mit der ersten beruflichen Orientierung in der Schule zusammen. Manche Teenager entscheiden sich zwar in dieser Zeit bewusst dazu, dem Lebensentwurf der Eltern zu folgen. Insbesondere bei Unternehmerkindern kann man das beobachten. Viele Jugendliche suchen aber nach einem Beruf, der im Widerspruch zur Laufbahn der Eltern steht. Musiker, Künstler, Tänzer rangieren als Traumberufe bei Pubertierenden ganz oben. Diese Berufe werden in den Medien glanzvoll dargestellt, und sie stellen oft einen Gegenentwurf zum Leben ihrer Eltern dar. Mit dem Schulabschluss rückt aber eine andere Frage in den Vordergrund: Welche Tätigkeit wird als sinnvoll erachtet und wie passt sie zur eigenen Identität?

ZEIT ONLINE: Viele junge Menschen wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen und welchen Beruf sie ergreifen sollen.

Hagemann: Junge Menschen können heute unter vielfältigen Lebensentwürfen wählen. Blicken wir mal auf die fünfziger Jahre zurück: Nach dem Weltkrieg hatten die Menschen ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Entsprechend waren bürgerliche Berufe hoch angesehen, die ein sicheres Auskommen und ein angepasstes Leben versprachen. Dann kamen die 68er, die nach Selbstverwirklichung strebten. In den siebziger Jahren entstanden neue kreative und soziale Berufsbilder. Ob Werbung und Medien, Sozialpädagogik – auf einmal ging es um ideelle Selbstverwirklichung. Parallel dazu sorgte die Emanzipation für neue Lebensentwürfe. Frauen mussten sich nicht mehr mit der Rolle als Hausfrau und Mutter begnügen. Mit den Wahlmöglichkeiten stieg jedoch die Erwartungshaltung, etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Es ging nicht mehr nur darum, einen Beruf zu ergreifen, sondern etwas Sinnvolles zu tun und gleichzeitig materiell abgesichert zu sein. Diese Entscheidung wird in einer digitalen, hoch komplexen, flexibilisierten und globalisierten Welt immer schwieriger. Keine Wahl zu treffen, ist auch eine Verweigerung, ein Protest – und ein Zeichen der Überforderung.

ZEIT ONLINE: Nun ist der Sinn des Lebens ja nicht allein vom Job abhängig.

Hagemann: Der Beruf hat einen hohen Stellenwert. Er ist prägend für die eigene Identität und weist auch unsere gesellschaftliche Stellung zu. Wenn man jemanden neu kennenlernt, ist eine der ersten Fragen: Was machen Sie beruflich? Man kann sich dem kaum entziehen.

ZEIT ONLINE: Dennoch gibt es andere Werte, die ein Leben sinnvoll machen. Familie, Freunde, gesellschaftliches Engagement beispielsweise.

Hagemann: Auch hier herrscht ein Erwartungsdruck. Unsere Leistungsgesellschaft definiert ein glückliches Leben als eines, in dem ein erfüllender Job Wohlstand und Ansehen einbringt, zugleich braucht es noch einen Traumpartner, eine Traumwohnung, Traumkinder und einen Traumfreundeskreis. Menschen, die sich diesem gängigen Idealbild verweigern, müssen ein großes Selbstwertgefühl haben. Stellen wir uns eine junge Akademikerin vor, die statt einer Laufbahn als Ärztin, statt Ehe und Kindern, einfach lieber in einer WG wohnt und als Kellnerin jobbt. Sie wird diesen Lebensentwurf verteidigen müssen, und sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach als beruflich gescheitert abgestempelt.

ZEIT ONLINE: Beruflich zu scheitern bedeutet gesellschaftliche Abwertung?

Hagemann: Ja, und dabei erfolgt die Definition von außen. Es gibt Menschen, die in ihren Jobs todunglücklich sind. Nehmen wir den Manager, der sich fremdbestimmt fühlt und der heilfroh ist, dass er im Zuge einer Firmenfusion seinen Job verliert und endlich seinen Traum vom Aussteigen wahr machen kann. Er geht vielleicht nach Neuseeland, lebt dort in einer kleinen Ein-Zimmerwohnung und verdient seinen Lebensunterhalt mit einfachen Handwerkstätigkeiten. Beruflich gilt er jedoch als gescheitert, gesellschaftliche Anerkennung gibt es für seinen neuen Lebensentwurf kaum. Gerade deswegen leiden so viele Menschen nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes oder wenn sie als Selbständige gescheitert sind. Beruflicher Misserfolg ist ein Stigma. Das ist übrigens typisch deutsch. In den USA sind die gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen anders. Da fängt man nach einer Pleite wieder von vorn an und kann relativ problemlos einen ganz neuen Beruf ausüben. Die Gesellschaft honoriert das.

ZEIT ONLINE: Hängt der hohe Stellenwert der Arbeit auch mit dem Bedeutungsverlust von Religion und Spiritualität zusammen?

Hagemann: Da besteht sicherlich ein Zusammenhang. Die gesellschaftlichen Werte haben sich stark gewandelt. Früher hatte vor allem die Kirche die Hoheit, den Sinn des Lebens zu erklären. Heute ist an ihre Stelle eine Vielzahl von Möglichkeiten getreten. Verschärfend kommt hinzu, dass es immer weniger Nischen in der Arbeitswelt gibt.

ZEIT ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Hagemann: Ich gehe davon aus, dass nicht jeder Mensch für die Arbeit geboren ist – zumindest nicht für unsere moderne Arbeitswelt. Schauen Sie sich die Biografien von Langzeitarbeitslosen an. Das sind Menschen, die entweder nie auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben oder die irgendwann rausgefallen sind. Für sie scheint es keinen Platz mehr zu geben. Früher war das anders. Ich nenne einmal ein Beispiel aus dem akademischen Bereich: Für jene, die sehr lange wissenschaftliche Mitarbeiter waren, aber es nie zu einer Professur schafften, gab es früher trotzdem Anstellungen sogar auf Lebenszeit. Man hat diesen Menschen Freiraum gegeben und sie auch aus sozialen Gründen mitgetragen. Diese Stellen wurden wegrationalisiert. Solche Nischenjob gab es früher auf allen Ebenen, auch in der freien Wirtschaft. Jetzt haben wir unvermittelbare Langzeitarbeitslose, die gesellschaftlich stigmatisiert sind.

ZEIT ONLINE: Aber am Ende definiert doch jeder für sich selbst, ob das eigene Leben sinnvoll ist.

Hagemann: Ja – darum sind ja auch andere Säulen neben der Arbeit so wichtig für ein glückliches und gesundes Leben. Freunde, Familie, Hobbys. Das Einkommen spielt übrigens nur eine untergeordnete Rolle. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat in einer Auswertung von mehr als 450.000 Datensätzen herausgefunden, dass die Lebenszufriedenheit von Menschen ab einem Haushaltseinkommen von cirka 60.000 Euro im Jahr nicht mehr mit dem Einkommen korreliert. Die Lebensqualität steigt nur bis zu dieser Marke. Mehr Geld macht also nicht glücklicher.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Mensch arbeitet in manchen Regionen viel zu viel. Schauen wir geschichtlich zurück, da wurden materielle Werte angehäuft um dann wieder sich gegenseitig zu zerfleischen.
    Heute sind wir zum Teil in der glücklichen Lage einen Beruf zu wählen der zu einem passt oder auch nicht.
    Normalerweise braucht bei uns keiner Hunger leiden.
    Allerdings haben wir noch Gene in uns die sich nicht vertragen
    mit einer immer wiederkehrenden gleichen Arbeit und so sind wir todunglücklich in einem Beruf der uns nicht befriedigt.

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    zu 1
    Bester Wolfgang,
    das sind nicht unsere Gene, die uns hindern. Sondern unsere Zellen, sagt die moderne Zellbiologie.
    Buchtipp: Intelligente Zellen, wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Von Bruce H.Lipton, Ph.D.
    Ein Buch über ein AHA-Erlebnis dieses Zellforschers und was sein Leben zum Glücklichsein verändert hat.

    zu 1
    Bester Wolfgang,
    das sind nicht unsere Gene, die uns hindern. Sondern unsere Zellen, sagt die moderne Zellbiologie.
    Buchtipp: Intelligente Zellen, wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Von Bruce H.Lipton, Ph.D.
    Ein Buch über ein AHA-Erlebnis dieses Zellforschers und was sein Leben zum Glücklichsein verändert hat.

  2. wenn man, wie Hagemann es formuliert "nicht für Arbeiten geboren ist". Ich habe keine Idee, wie Otto oder Ottilie Normalverweigerer, die aus dem Arbeitsprozess heraus gegangen sind oder nie drin waren, dieses Glück per Geld erreichen sollen.

    Erwerbstätige mit FH-Abschluss kommen oft nur auf ein Jahreseinkommen von 30.000 Euro brutto im Jahr....

    14 Leser-Empfehlungen
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    haushaltseinkommen muss nicht gleich jahreseinkommen einer person sein!

    ... können sich diese diplomierten oder bachelorierten Malocher ihr Glück gleich mal in die Haare schmieren. Geld für ein Studium ausgegeben, dass am Ende nicht wirklich was bringt, weder Sinn noch Geld.

    Und nicht Lieschen?

    Ottilie ist eine sehr tragische Frauengestalt aus Goethes "Wahlverwandschaften".

    Sagt man das so: Otto und Ottilie? Goehtes Ottilie hat sich nicht verweigert. In den Wahlverwandschaften geht es eher darum, daß man trotz besseren Wissens ins Schicksal hineingezogen wird.

    Eben "Wahlverwandschft", ein chemisches Phänomen.

    "Erwerbstätige mit FH-Abschluss kommen oft nur auf ein Jahreseinkommen von 30.000 Euro brutto im Jahr...."
    Das lohnt sich in diesem Unrechtstaat doch gar nicht. Dafür steht kein Vernünftiger morgens früh auf.

    haushaltseinkommen muss nicht gleich jahreseinkommen einer person sein!

    ... können sich diese diplomierten oder bachelorierten Malocher ihr Glück gleich mal in die Haare schmieren. Geld für ein Studium ausgegeben, dass am Ende nicht wirklich was bringt, weder Sinn noch Geld.

    Und nicht Lieschen?

    Ottilie ist eine sehr tragische Frauengestalt aus Goethes "Wahlverwandschaften".

    Sagt man das so: Otto und Ottilie? Goehtes Ottilie hat sich nicht verweigert. In den Wahlverwandschaften geht es eher darum, daß man trotz besseren Wissens ins Schicksal hineingezogen wird.

    Eben "Wahlverwandschft", ein chemisches Phänomen.

    "Erwerbstätige mit FH-Abschluss kommen oft nur auf ein Jahreseinkommen von 30.000 Euro brutto im Jahr...."
    Das lohnt sich in diesem Unrechtstaat doch gar nicht. Dafür steht kein Vernünftiger morgens früh auf.

  3. "In den USA sind die gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen anders. Da fängt man nach einer Pleite wieder von vorn an und kann relativ problemlos einen ganz neuen Beruf ausüben. Die Gesellschaft honoriert das."

    In Deutschland wird honoriert, wenn Du der größte Schleimer und Bückling bist, dich über die Grenzen der Selbstachtung verbiegst und dich dein ganzes Leben nicht vom Arbeitsplatz bewegst. Nicht Können, Kreativität und Erfahrung, sondern Hundecharakter ist hier gefragt.

    44 Leser-Empfehlungen
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    Wenn man das gleiche in einem Affenrudel betrachtet (=in etwa unserer Sozialverhalten, nur einfacher darzustellen), sieht man Affen, die Angst vor einem Alphaaffen haben, denen er aber nichts tut. Tritt jedoch ein anderer Alphaaffe auf, wird er als Rivale angesehen und der richtige Stress beginnt für ihn. Belohnt wird nur der Affe, der den ursprünglichen Alphaaffen vom Thron schmeißt.
    Will man also ein entspanntes Leben haben, wird man ein kleiner Fisch. Will man hingegen mehr, muss man mehr können (professionell) UND sich dem Stress des "Machtkampfes" aussetzen. Allein aufgrund von Professionalität kommt man - so meine Vermutung - in keine leitende oder interessante Position.

    dafür muss man in den USA als lehrer am wochenende zusätzlich bei mc donalds schuften und morgens zeitung austragen. urlaub? 10 tage im jahr! 2 tage mit grippe zuhause bleiben? kündigung! na dann ab nach amerika :D

    das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt.

    zum thema: man arbeitet 1/3 seines lebens, man sollte versuchen etwas zu finden was einem wenigstens ein bisschen spaß macht. ich kenne viele leute die ihren job nicht mögen, ich bin froh wenn ich mit solchen leuten nicht zusammenarbeiten muss. es kann aber nicht jeder sein glück im job finden, genauso wie nicht jeder die liebe seines lebens finden kann.

    Sie haben offensichtlich nicht verstanden, was mit dem zitierten Absatz gemeint ist. Die Lebensentwürfe in den USA sind grundlegend anders strukturiert als hier. Das sind kulturelle Unterschiede die z.B. auch im Vergleich mit Großbritannien tragen.
    Abgesehen davon kann ich Ihren Zynismus bezgl. der deutschen Arbeitwelt nicht teilen. Die Arbeitnehmer in diesem Land sind hoch effektiv und im weltweiten Vergleich sehr erfolgreich. Das ist nur mit Engagement, Kreativität und Fleiß zu erreichen. Wenn Ihnen das Arbeitklima bei Ihrem Job nicht zusagt, ist es vielleicht eine gute Idee es zu machen wie viele Amerikaner: Suchen Sie sich einen ganz anderen. Das bedarf Mut zum Risiko, Flexibilität und eine gute Selbstkenntnis. Ein solcher Schritt kann eine große Chance zu einem besseren Leben sein.

    "In Deutschland wird honoriert, wenn Du der größte Schleimer und Bückling bist, dich über die Grenzen der Selbstachtung verbiegst und dich dein ganzes Leben nicht vom Arbeitsplatz bewegst. Nicht Können, Kreativität und Erfahrung, sondern Hundecharakter ist hier gefragt:"

    Das glaubt nur der, der sich genau so verhält. Und das sind leider Viele. Wer aber anders ist, weiß, dass das Quatsch ist, und nicht selten in massiver Unzufriedenheit und Erfolglosigkeit endet.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, das zu tun, was man selbst für sinnvoll hält. (Das kann für den einen oder anderen auch das Zusammenschrauben einer für den Menschen faszinierenden Technik sein)

    "... In Deutschland wird honoriert, wenn Du der größte Schleimer und Bückling bist, dich über die Grenzen der Selbstachtung verbiegst und dich dein ganzes Leben nicht vom Arbeitsplatz bewegst. Nicht Können, Kreativität und Erfahrung, sondern Hundecharakter ist hier gefragt. ..."

    ... hat am 2.6., in rund siebeneinhalb Stunden nach seinem Auftauchen, 18 (i.W. achtzehn) Empfehlungen erhalten.

    Sechs, sieben Empfehlungen habe ich anderswo gesehen.

    Diese Zehl alleine hat erhebliche Aussagekraft, wie ich meine.

    Warum veranlasst solcherart weitverbreitete eigene Erfahrung nicht deutlicher zu intelligenterem Wahlverhalten?

    Das war doch mal eine Demokratie hier, in der Menschen ihrem Unmut un ihren Wünschen ausdruck verliehen haben am Wahltag ...?

    Hallo Laurakatze,
    .
    "Hundecharakter" ist eigentlich nicht "typisch deutsch", sondern ziemlich international. Überall gibt es solche Forderungen, sich selber zu verbiegen, sogar in den USA; es kommt dabei drauf an, wie gefragt man gerade auf dem Markt ist.
    .
    "Typisch deutsch" ist es nur, wenn einer sagt: ich bin, sagen wir, Konstrukteur, und dann nochmal, und dann kommt 'ne Reihe Appelbäume, und dann erst bin ich noch Familienvater und für die Kinder da.

    Wenn man das gleiche in einem Affenrudel betrachtet (=in etwa unserer Sozialverhalten, nur einfacher darzustellen), sieht man Affen, die Angst vor einem Alphaaffen haben, denen er aber nichts tut. Tritt jedoch ein anderer Alphaaffe auf, wird er als Rivale angesehen und der richtige Stress beginnt für ihn. Belohnt wird nur der Affe, der den ursprünglichen Alphaaffen vom Thron schmeißt.
    Will man also ein entspanntes Leben haben, wird man ein kleiner Fisch. Will man hingegen mehr, muss man mehr können (professionell) UND sich dem Stress des "Machtkampfes" aussetzen. Allein aufgrund von Professionalität kommt man - so meine Vermutung - in keine leitende oder interessante Position.

    dafür muss man in den USA als lehrer am wochenende zusätzlich bei mc donalds schuften und morgens zeitung austragen. urlaub? 10 tage im jahr! 2 tage mit grippe zuhause bleiben? kündigung! na dann ab nach amerika :D

    das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt.

    zum thema: man arbeitet 1/3 seines lebens, man sollte versuchen etwas zu finden was einem wenigstens ein bisschen spaß macht. ich kenne viele leute die ihren job nicht mögen, ich bin froh wenn ich mit solchen leuten nicht zusammenarbeiten muss. es kann aber nicht jeder sein glück im job finden, genauso wie nicht jeder die liebe seines lebens finden kann.

    Sie haben offensichtlich nicht verstanden, was mit dem zitierten Absatz gemeint ist. Die Lebensentwürfe in den USA sind grundlegend anders strukturiert als hier. Das sind kulturelle Unterschiede die z.B. auch im Vergleich mit Großbritannien tragen.
    Abgesehen davon kann ich Ihren Zynismus bezgl. der deutschen Arbeitwelt nicht teilen. Die Arbeitnehmer in diesem Land sind hoch effektiv und im weltweiten Vergleich sehr erfolgreich. Das ist nur mit Engagement, Kreativität und Fleiß zu erreichen. Wenn Ihnen das Arbeitklima bei Ihrem Job nicht zusagt, ist es vielleicht eine gute Idee es zu machen wie viele Amerikaner: Suchen Sie sich einen ganz anderen. Das bedarf Mut zum Risiko, Flexibilität und eine gute Selbstkenntnis. Ein solcher Schritt kann eine große Chance zu einem besseren Leben sein.

    "In Deutschland wird honoriert, wenn Du der größte Schleimer und Bückling bist, dich über die Grenzen der Selbstachtung verbiegst und dich dein ganzes Leben nicht vom Arbeitsplatz bewegst. Nicht Können, Kreativität und Erfahrung, sondern Hundecharakter ist hier gefragt:"

    Das glaubt nur der, der sich genau so verhält. Und das sind leider Viele. Wer aber anders ist, weiß, dass das Quatsch ist, und nicht selten in massiver Unzufriedenheit und Erfolglosigkeit endet.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, das zu tun, was man selbst für sinnvoll hält. (Das kann für den einen oder anderen auch das Zusammenschrauben einer für den Menschen faszinierenden Technik sein)

    "... In Deutschland wird honoriert, wenn Du der größte Schleimer und Bückling bist, dich über die Grenzen der Selbstachtung verbiegst und dich dein ganzes Leben nicht vom Arbeitsplatz bewegst. Nicht Können, Kreativität und Erfahrung, sondern Hundecharakter ist hier gefragt. ..."

    ... hat am 2.6., in rund siebeneinhalb Stunden nach seinem Auftauchen, 18 (i.W. achtzehn) Empfehlungen erhalten.

    Sechs, sieben Empfehlungen habe ich anderswo gesehen.

    Diese Zehl alleine hat erhebliche Aussagekraft, wie ich meine.

    Warum veranlasst solcherart weitverbreitete eigene Erfahrung nicht deutlicher zu intelligenterem Wahlverhalten?

    Das war doch mal eine Demokratie hier, in der Menschen ihrem Unmut un ihren Wünschen ausdruck verliehen haben am Wahltag ...?

    Hallo Laurakatze,
    .
    "Hundecharakter" ist eigentlich nicht "typisch deutsch", sondern ziemlich international. Überall gibt es solche Forderungen, sich selber zu verbiegen, sogar in den USA; es kommt dabei drauf an, wie gefragt man gerade auf dem Markt ist.
    .
    "Typisch deutsch" ist es nur, wenn einer sagt: ich bin, sagen wir, Konstrukteur, und dann nochmal, und dann kommt 'ne Reihe Appelbäume, und dann erst bin ich noch Familienvater und für die Kinder da.

  4. solte es niecht heisen "..wer keinEN Sinn im Job findet..."

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    • Numby
    • 21.06.2011 um 10:33 Uhr

    Es sollte auch heißen "Diese Berufe werden in den Medien glanzvoll dargestellt, und sie stellen oft einEN Gegenentwurf zum Leben ihrer Eltern dar."

    Da stellt sich nun die Frage, bei wem der Fehler liegt: beim Arbeitspsychologen oder beim Journalisten.

    • Numby
    • 21.06.2011 um 10:33 Uhr

    Es sollte auch heißen "Diese Berufe werden in den Medien glanzvoll dargestellt, und sie stellen oft einEN Gegenentwurf zum Leben ihrer Eltern dar."

    Da stellt sich nun die Frage, bei wem der Fehler liegt: beim Arbeitspsychologen oder beim Journalisten.

  5. Wenn man das gleiche in einem Affenrudel betrachtet (=in etwa unserer Sozialverhalten, nur einfacher darzustellen), sieht man Affen, die Angst vor einem Alphaaffen haben, denen er aber nichts tut. Tritt jedoch ein anderer Alphaaffe auf, wird er als Rivale angesehen und der richtige Stress beginnt für ihn. Belohnt wird nur der Affe, der den ursprünglichen Alphaaffen vom Thron schmeißt.
    Will man also ein entspanntes Leben haben, wird man ein kleiner Fisch. Will man hingegen mehr, muss man mehr können (professionell) UND sich dem Stress des "Machtkampfes" aussetzen. Allein aufgrund von Professionalität kommt man - so meine Vermutung - in keine leitende oder interessante Position.

    14 Leser-Empfehlungen
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    Bei Menschen spielen Intrigen eine weit größere Rolle, als offensichtliche Gewalt, auch indirekt gegen andere, indem z.B. durch blanke Beziehung oder Schleimerei posten vergeben werden.

    Professionalität kann natürlich vieles heißen. Fakt ist jedoch, dass Können keine sonderliche Rolle spielt (außer es ist absolut zwingend für den Beruf). Gerade in Spitzenpositionen ist das oft jedoch leicht vertuschbar, weil man nicht etwas konkretes macht wie ein Auto reparieren oder einen Menschen operieren, wo jeder Fehler nunmal zwangsläufig auffällt.

    Überall dort, wo das nicht klar ersichtlich ist, kommt es beständig dazu, dass die Selbstpräsentation (egal wie verlogen) weitaus einschlagender ist, als die tatsächliche Befähigung. Und herausragendes Können endet sehr schnell in der Sackgasse, indem man nämlich zum Packesel für die Präsentationskönige wird, der beständige deren Arbeit übernehmen und Fehler ausbügeln muss - natürlich ohne entsprechendes Ansehen und Gehalt.

    In bestimmten Berufen werden sogar gerne gerade die unfähigen Leute befördert - weil sie dort weniger Schaden anrichten können, weil diese nicht mehr direkt im Arbeitsfluss liegt. Gibt´s z.B. bei Behörden gern.

    Es sei denn, es kommt bald die Frauenquote.

    Bei Menschen spielen Intrigen eine weit größere Rolle, als offensichtliche Gewalt, auch indirekt gegen andere, indem z.B. durch blanke Beziehung oder Schleimerei posten vergeben werden.

    Professionalität kann natürlich vieles heißen. Fakt ist jedoch, dass Können keine sonderliche Rolle spielt (außer es ist absolut zwingend für den Beruf). Gerade in Spitzenpositionen ist das oft jedoch leicht vertuschbar, weil man nicht etwas konkretes macht wie ein Auto reparieren oder einen Menschen operieren, wo jeder Fehler nunmal zwangsläufig auffällt.

    Überall dort, wo das nicht klar ersichtlich ist, kommt es beständig dazu, dass die Selbstpräsentation (egal wie verlogen) weitaus einschlagender ist, als die tatsächliche Befähigung. Und herausragendes Können endet sehr schnell in der Sackgasse, indem man nämlich zum Packesel für die Präsentationskönige wird, der beständige deren Arbeit übernehmen und Fehler ausbügeln muss - natürlich ohne entsprechendes Ansehen und Gehalt.

    In bestimmten Berufen werden sogar gerne gerade die unfähigen Leute befördert - weil sie dort weniger Schaden anrichten können, weil diese nicht mehr direkt im Arbeitsfluss liegt. Gibt´s z.B. bei Behörden gern.

    Es sei denn, es kommt bald die Frauenquote.

  6. dafür muss man in den USA als lehrer am wochenende zusätzlich bei mc donalds schuften und morgens zeitung austragen. urlaub? 10 tage im jahr! 2 tage mit grippe zuhause bleiben? kündigung! na dann ab nach amerika :D

    das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt.

    zum thema: man arbeitet 1/3 seines lebens, man sollte versuchen etwas zu finden was einem wenigstens ein bisschen spaß macht. ich kenne viele leute die ihren job nicht mögen, ich bin froh wenn ich mit solchen leuten nicht zusammenarbeiten muss. es kann aber nicht jeder sein glück im job finden, genauso wie nicht jeder die liebe seines lebens finden kann.

    14 Leser-Empfehlungen
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    "Das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt."

    Sicher, in dem einen Land mehr, in dem anderen weniger.

    Man muss selbst einmal in den USA längere Zeit gearbeitet haben, um diese Dinge beurteilen zu können.

    "Das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt."

    Sicher, in dem einen Land mehr, in dem anderen weniger.

    Man muss selbst einmal in den USA längere Zeit gearbeitet haben, um diese Dinge beurteilen zu können.

  7. Sie haben offensichtlich nicht verstanden, was mit dem zitierten Absatz gemeint ist. Die Lebensentwürfe in den USA sind grundlegend anders strukturiert als hier. Das sind kulturelle Unterschiede die z.B. auch im Vergleich mit Großbritannien tragen.
    Abgesehen davon kann ich Ihren Zynismus bezgl. der deutschen Arbeitwelt nicht teilen. Die Arbeitnehmer in diesem Land sind hoch effektiv und im weltweiten Vergleich sehr erfolgreich. Das ist nur mit Engagement, Kreativität und Fleiß zu erreichen. Wenn Ihnen das Arbeitklima bei Ihrem Job nicht zusagt, ist es vielleicht eine gute Idee es zu machen wie viele Amerikaner: Suchen Sie sich einen ganz anderen. Das bedarf Mut zum Risiko, Flexibilität und eine gute Selbstkenntnis. Ein solcher Schritt kann eine große Chance zu einem besseren Leben sein.

  8. "Das bild vom deutschen das sie hier vermitteln ist ein sehr einseitiges, fakt ist das es solche menschen in JEDEM land gibt."

    Sicher, in dem einen Land mehr, in dem anderen weniger.

    Man muss selbst einmal in den USA längere Zeit gearbeitet haben, um diese Dinge beurteilen zu können.

    Antwort auf "die schönen USA"
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    • bx16v
    • 21.06.2011 um 17:43 Uhr

    in den USA haben diejenigen, die arbeiten, in der regel mehr in der tasche als die, die nicht arbeiten . ausserdem behindert in den USA, wie in den meisten anderen ländern auch, kein kündigungsschutz für neueinzustellende die jobsuche . ein freund, der nach 35 jahren mit 55 arbeitslos wurde, weil seine firma aufgrund der hohen energiekosten durch die ökosteuer und die stetig steigenden sonstigen abgaben in DEUTSCHLAND konkurs anmelden mußte, bekam immer wieder das gleiche zu hören. aufgrund seines alters scheuten die firmen die einstellung wegen des in bei uns bestehendem kündigungsschutzes. als der betreffende auf diesen kündigungsschutz verzichten wollte, hielt man ihm entgegen, das das vom gesetzgeber nicht vorgesehen sei. nun muß der freund sich schon 3 jahre mit hartz 4 begnügen ohne aussicht auf besserung. diese logik erschließt sich mir nicht. es ist doch wesentlich besser wenigsten 1 jahr angestellt zu sein und vielleicht mit 3 monatsgehältern abfindung entlassen zu werden, als ohne aussicht auf einen job zu hause zu sitzen. in DÄNEMARK und der SCHWEIZ gilt für alle eine 3 monatige kündigungszeit und die beschäftigungslage sieht dort wesentlich besser aus.

    • bx16v
    • 21.06.2011 um 17:43 Uhr

    in den USA haben diejenigen, die arbeiten, in der regel mehr in der tasche als die, die nicht arbeiten . ausserdem behindert in den USA, wie in den meisten anderen ländern auch, kein kündigungsschutz für neueinzustellende die jobsuche . ein freund, der nach 35 jahren mit 55 arbeitslos wurde, weil seine firma aufgrund der hohen energiekosten durch die ökosteuer und die stetig steigenden sonstigen abgaben in DEUTSCHLAND konkurs anmelden mußte, bekam immer wieder das gleiche zu hören. aufgrund seines alters scheuten die firmen die einstellung wegen des in bei uns bestehendem kündigungsschutzes. als der betreffende auf diesen kündigungsschutz verzichten wollte, hielt man ihm entgegen, das das vom gesetzgeber nicht vorgesehen sei. nun muß der freund sich schon 3 jahre mit hartz 4 begnügen ohne aussicht auf besserung. diese logik erschließt sich mir nicht. es ist doch wesentlich besser wenigsten 1 jahr angestellt zu sein und vielleicht mit 3 monatsgehältern abfindung entlassen zu werden, als ohne aussicht auf einen job zu hause zu sitzen. in DÄNEMARK und der SCHWEIZ gilt für alle eine 3 monatige kündigungszeit und die beschäftigungslage sieht dort wesentlich besser aus.

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