Tratsch Sozialer Kitt für jede Firma
Klatsch findet in jedem Unternehmen statt. Das ist gut so, die Lästereien erfüllen ein wichtige Funktion für das Betriebsklima und stärken den Zusammenhalt.
Haben Sie schon gehört? Der Müller aus dem Controlling soll die Leitung des gesamten Rechnungswesens übernehmen! Wussten Sie, dass die Maier vom Einkauf etwas mit dem Chef hatte? Aber bitte behalten Sie das für sich! Wo immer Menschen zusammen sind, wird getratscht. Doch schaden die Lästereien dem Betriebsklima? Nein, sagt Tim Hagemann, Professor am Lehrstuhl für Arbeitspsychologie der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. "Der Austausch unter Kollegen ist sozialer Kitt für ein Unternehmen, und die Idee, dass Mitarbeiter ihre Neugier an der Pforte abgeben, funktioniert nicht." Deshalb werde überall geplaudert, getratscht und gelästert. Im Büro, auf dem Gang, in der Produktion und der Kantine.
Und zwar in allen Unternehmen, in allen Branchen und über alle Hierarchieebenen hinweg. Psychologen unterscheiden zwei Ebenen des Austauschs. Wird über die neue Frisur der Kollegin geredet oder über Beziehungskonstellationen spekuliert, dient das vor allem dem Informationsaustausch. "Interessanter sind Themen, mit denen die soziale Wirklichkeit eines Unternehmens geprägt wird und die darstellen, wie sich die Organisation gegenüber dem einzelnen verhält", sagt Hagemann. Beispielsweise: Hast du schon gehört, die Marlene hat eine Abmahnung bekommen, weil sie dreimal zu spät zur Arbeit gekommen ist?
Auch wenn unklar ist, ob dem tatsächlich so war, der Effekt der stillen Post funktioniert. Jeder Mitarbeiter dieses Unternehmens lernt, dass er besser pünktlich sein sollte.
"Klatsch und Tratsch ist für uns ein wichtiges Thema. So erfahren wir, welche Sorgen manche Mitarbeiter haben", sagt Brigitte Preuß, Personalleiterin bei der Allianz in Stuttgart. Den Austausch im Kollegenkreis unterhalb der offiziellen Informationsebene hält sie auch deshalb für wichtig, weil sich damit Spannungen lösen lassen, etwa wenn Unzufriedenheit über unternehmerische Entscheidungen herrscht.
Problematisch wird Klatsch erst, wenn das Geschwätz strategisch genutzt wird. Sei es, um daraus Karrierevorteile zu ziehen, einen anderen zu diskreditieren oder sogar zu mobben. Trifft dieses Verhalten auf ein Umfeld, in dem das Lästern auch noch belohnt wird – im schlimmsten Fall von den Vorgesetzten – schafft das eine von Misstrauen geprägte Unternehmenskultur. "Dann beginnen die Mitarbeiter, strategisch zu klatschen. Man informiert den Informanten des Chefs in dem sicheren Wissen, dass er es ihm weiterträgt", erläutert Psychologe Hagemann den Mechanismus.
Gute Führungskräfte greifen ein und pochen auf die Einhaltung von Verhaltensregeln. Die wichtigsten sind: In Abwesenheit Dritter redet man nicht über sie. Vorgesetzte sprechen immer mit den Betroffenen selbst und nicht mit anderen Beteiligten über diese. Und schließlich hilft auch eine Kultur der Anerkennung und des gegenseitigen Respekt.
Ganz verbannen lässt sich der Tratsch jedoch nicht. Nach Ansicht von Psychologen ist das auch gar nicht wünschenswert. Klatsch fördert das Gemeinschaftsgefühl, die am Tratsch Beteiligten kommen sich näher, erleben ein Gefühl von Verbundenheit. Die Ähnlichkeit macht sympathisch. Wer die gleichen Probleme hat, wird als nett empfunden. Solange der Tratsch nicht dazu führt, dass andere ausgeschlossen werden, fördert er sogar den Teamgeist. Untersuchungen zeigen, dass Teams, in denen zusammen gelästert wird, besser zusammenarbeiten.
Allerdings sollten Mitarbeiter, die über ihre Vorgesetzten tratschen, trotzdem aufpassen. Denn das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist kein Freifahrschein für Lästern nach Herzenslust. Beleidigungen oder sogar Rufschädigung von Vorgesetzten und Kollegen hat arbeitsrechtliche Konsequenzen, sagt Ulrike Badewitz, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Berlin. "Der Arbeitnehmer schuldet dem Arbeitgeber ein Mindestmaß an Loyalität. Hält er sich nicht daran, kann eine Verletzung des Arbeitsvertrags vorliegen, die auch zu einer fristlosen Kündigung berechtigt."
- Datum 23.06.2011 - 07:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Es gibt deutliche Abweichungen der Meinungen in der Belegschaft von der Meinung des Chefs. Darüber wird natürlich geredet und sich teilweise auch lustig gemacht. Anders als mit Humor kann man die Allüren des Chefs gar nicht mehr ertragen. Zum Beispiel wenn er mal wieder der Meinung ist, dass wir uns streng von einem Hersteller abhängig machen und uns nur auf ca. 10% des potentiellen Kundenkreises konzentrieren sollten. Er sagt das so natürlich nicht und sieht das auch überhaupt nicht so. Faktisch tut er es aber. Am Ende landet man wieder auf einem toten Gleis, wie so oft, und wertvolle Zeit wurde für Spielereien verschwendet.
Beispielsweise vor sechs(!) Jahren habe ich ihm gesagt, dass Smartfone und Tablett-Rechner in Zukunft ein großer Markt werden würden und wir etwas in die Richtung gehen sollten. Nichts geschah. Stattdessen musste ich mich mit Technik beschäftigen zu der seit mindestens 10 Jahren ein gesättigter Markt existerte. Was macht er jetzt? Sich mit Smartfonen und Tablett-Rechnern beschäftigen.
Jetzt hat die Zeit verraten, daß die Personalleiterin der Allianz in Stuttgart, Brigitte Preuß, über Spione verfügt -- wie sonst kennte sie den Inhalt von Mitarbeitergesprächen?
Lektion für den einfachen Angestellten: Man prüfe genau, mit wem man tratscht!
Wer im Verdacht steht, gute Kontakte zur Führungsebene zu haben, muß zum Beispiel außen vor bleiben, und sei er auch sonst ein netter Kerl.
Und neue Mitarbeiter müssen sich Vertrauen erst einmal erarbeiten.
Deswegen hasse ich diese Art von Getratsche und Geschwätz, denn letztlich zeugt es lediglich von einer unfassbar feigen Art, mit Problemen umgehen zu können.
In Japan z.B. ist das vollkommen normal um Kritik zu äußern aber auch nur unter dem Vordergrund, dass die Menschen dort eine Möglichkeit haben müssen ihr Gesicht zu wahren.
Aber hier in Deutschland empfinde ich Getratsche über andere Personen immer als entwürdigend und peinlich!
Gibt es etwa zu wenig Menschen mit genügend Selbstbewusstsein um ihre Dinge den jeweiligen Personen gegenüber zu äußern ohne direkt auf solche Mittel zugreifen zu müssen?
von den Gesprächen der Mitarbeiter über unfähige oder ungerechte Vorgesetzte oder über die Ausbeutung der arbeitenden Menschen durch die Firmeninhaber.
Seltsam, seltsam.
Ich habe im Laufe meines Lebens in etwa 30 Betrieben gearbeitet (in den Ferien und nebenher) und da war es ganz oft ein wichtiges Thema.
Und ich finde es keinesfalls gut, dass es wohl fast immer beim Jammern, Klagen, Meckern bleibt. Denn dadurch werden die Arbeitsumstände ja nicht verbessert.
Aber das ist ja auch im Zeitalter des Neoasozialismus völlig egal.
Hauptsache, die Dividende stimmt.
Wer will also zu diesem Thema forschen?
Richtig. Keiner.
Denn dann wär's bald Sense mit Forschungsaufträgen.
Also immer schön harmlos bleiben!
Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich zum konkreten Thema des Artikels. Die Redaktion/sc
... etwas konkreter. Ich kann Ihren Beitrag leider nicht nachvollziehen. Von was für Methoden etc. sprechen Sie? Wie bringen Sie die Inhalte des Artikels mit Agenda 2010 etc. zusammen? Oder haben Sie Ihren Kommentar zum falschen Thema abgeschickt?
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Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Kommentaren zum konkreten Thema des Artikels an der Diskussion. Die Redaktion/sc
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Es ist in einem totalitären System wie der Neuen Sozialen Marktwirtschaft gänzlich unerlässlich eine durchgängige Struktur von Überwachungen und Kontrollen zu etablieren.
Dass in den heutigen Betrieben Mitarbeiter im Regelfall als "Personal", als "Humankapital", als "Fussvolk" o.ä. tituliert werden, beschreibt die reale Geistigkeit derer, die heute von den Massenmedien im allgemeinen als "Leistungsträger, Führungs-, Lenkungs- und Leistungskräfte, als Alpharüden und Alphafehen" bezeichnet werden, und die sich selbst inzwischen als Exzellenzeliteangehörige beschreiben, was nichts anderes bedeutet, als den Anspruch, ebenfalls als Guttenbergianer oder als Koch-Mehrinianerin erkannt zu werden.
Das sich mit dieser gesamtgesellschaftlichen geistigen, intellektuellen, professionellen, ethischen und moralischen Verwahrlosung der gleiche ungeheuerliche menschlich-zivilisatorische Untergangsprozess vollzieht, wie jener, der zwischen 1928 und 1933 in der Weimarer Republik sowie zwischen 1945 und 1965 im Ersten Arbeiter- und Bauernstaat ("DDR") abgelaufen ist, kann jeder verdrängen, ignorieren oder entrüstet bestreiten. Es ändert aber gar nichts an den real-existierenden Verhältnissen in den Unternehmen, Parteien, Organisationen und Vereinen dieses Landes.
Wir sollten dem mit öffentlichem Widerstand, öffentlicher Entrüstung und kategorischem Widerspruch entegen treten. Gegen diesen Neuen Terror kann nur mit Masseneintritten in Gewerkschaften geantwortet werden. Sonst hilft nichts mehr.
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